Interview: Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff: „Es ist dem Westen noch nie gelungen, ein Regime mithilfe von Sanktionen zu stürzen“
Der Harvard-Ökonom prophezeit eine Zeit der Angst und Unsicherheit wegen des Ukraine-Kriegs.
Foto: REUTERS, Bloomberg, Getty ImagesDüsseldorf. Kenneth Rogoff hat ein emotionales Verhältnis zur Ukraine – und das liegt nicht nur an den verstörenden Bildern, die die Weltöffentlichkeit fast täglich sehen muss. Bilder von unschuldigen Zivilisten, getötet von russischen Soldaten in einem absurden Krieg.
Der Harvard-Ökonom hat auch enge familiäre Beziehungen in die Ukraine. „Mein Großvater stammt aus Kiew. Er lebte davon, Ziegenmilch außerhalb der Großstadt zu verkaufen“, sagt Rogoff. Ob ich Kinder habe, fragt der Familienvater den Interviewer. „Wenn meine Kinder jetzt in Deutschland lebten, wären sie sehr verängstigt“, sagt Rogoff: „Der Krieg ist nah dort.“
Herr Rogoff, die Folgen der Pandemie sind noch nicht überwunden, nun droht mit der Eskalation des Ukrainekonflikts gleich der nächste große Rückschlag. Was bedeutet das für die Weltwirtschaft?
Wie und wann auch immer dieser furchtbare Krieg endet, wir werden einen kräftigen und nachhaltigen Anstieg der Energiepreise erleben und eine empfindliche Schwächung des Wachstums sehen. Die Inflationsraten waren ja schon vor Ausbruch des Konflikts bedenklich hoch. Und auch die Pandemie ist bei Weitem nicht überwunden, obwohl zumindest die ökonomische Erholung im Gange war. Der Krieg und die damit verbundene Unsicherheit gefährden all das wieder.