Interview: Kishore Mahbubani über das falsche Verständnis des Westens von China
Der asiatische Politologe glaubt der Ukraine-Krieg werde am Ende nur eine „Fußnote im epochalen Konflikt der USA und China um die Weltherrschaft“ sein.
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Manchmal hilft ein Perspektivwechsel, um zu verstehen. Kishore Mahbubani, einer der profiliertesten Geostrategen Asiens, hat einen anderen Blick auf den Westen, der in vielen Aspekten der europäischen und amerikanischen Selbstwahrnehmung widerspricht.
Das Handelsblatt sprach mit dem Diplomaten in Düsseldorf über Chinas Interessendivergenzen gegenüber Moskau, die strategischen Fehler der USA und Europas und westlichen Hochmut. So abscheulich der Ukraine-Krieg sei, so Mahbubani, am Ende werde er allenfalls eine „Fußnote im epochalen Konflikt der USA und China um die Weltherrschaft“ sein.
China hält Russland trotz eines menschenverachtenden Angriffskriegs in der Ukraine die Treue. Schadet Peking mit dem Schulterschluss nicht seinen eigenen ökonomischen Interessen, schließlich ist die Volksrepublik nach wie vor stark abhängig von westlichen Märkten?
Es gibt keine natürliche Partnerschaft zwischen Russland und China. Und Peking ist alles andere als glücklich über diesen Krieg. Im Gegenteil: Dieser Krieg vereint den Westen – und das liegt nicht im Interesse Chinas, das am liebsten mit den USA und Europäern getrennte Beziehungen pflegen will. Hinzu kommt, dass der Krieg die Weltwirtschaft schwächt. Auch das liegt nicht im Interesse der Volksrepublik.