Interview: Längste Schlacht des Ukraine-Kriegs: „Bachmut wird fallen – es kommt nur darauf an, wie es geschieht“
Die Ukraine und Russland kämpfen erbittert um die kleine Stadt Bachmut.
Foto: dpaHerr Weiß, warum ist Bachmut von so großer, strategischer Bedeutung?
Die langandauernde Schlacht um die Kleinstadt im Gebiet Donezk ist seit Monaten das Epizentrum dieses Abnutzungskrieges. Beide Seiten kommunizieren nach außen sehr ähnlich: Truppen des Gegners seien in dieser Schlacht gebunden, damit sie an anderen Abschnitten der Front nicht eingesetzt werden können, man füge dem Gegner große Verluste zu und so weiter.
Bachmut, ähnlich wie Wuhledar, hat den Vorteil einer guten Topografie. Man hat dort einen ausgezeichneten Überblick über das Gefechtsgeschehen und es gibt natürliche Hindernisse wie Flüsse. Die strategische Bedeutung von Bachmut liegt aus ukrainischer Sicht darin, bei dieser blutigen Schlacht Zeit zu gewinnen, um die eigenen Offensivvorbereitungen abzuschließen. Das beinhaltet die Ausbildung von Soldaten im Land selbst, aber auch im Ausland – vor allem in der Bedienung westlicher Waffensysteme. Bis das abgeschlossen ist, will Kiew die Front möglichst stabil halten.
Weshalb eskaliert der Krieg ausgerechnet in dieser Kleinstadt?
Die Rolle ist Bachmut zugefallen, weil die Stadt auf dem Weg nach Slowjansk und Kramatorsk liegt und somit eine Schlüsselposition für das operative Ziel der Russen ist, die Region Donezk komplett zu erobern. Die Frühlings- oder Sommeroffensive der ukrainischen Streitkräfte wird von den meisten Beobachtern im Raum Saporischschja/Cherson erwartet – dafür ist es nicht unbedingt erforderlich, Bachmut bis zum äußersten zu verteidigen.