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IWF-Chefin Wie aus Kristalina Georgiewa eine der wichtigsten Krisenmanagerinnen der Welt wurde

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds steht nach nur wenigen Monaten im Amt mitten im Corana-Krisensturm. Intern ist sie nicht unumstritten.
17.04.2020 - 04:09 Uhr Kommentieren
Kaum mehr als ein halbes Jahr im Amt, hat sie schon die Führungsetage umgebaut. Quelle: Bloomberg
Kristalina Georgiewa

Kaum mehr als ein halbes Jahr im Amt, hat sie schon die Führungsetage umgebaut.

(Foto: Bloomberg)

Berlin Ihre erste Frühjahrstagung als Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat sich Kristina Georgiewa anders vorgestellt. Statt des üblichen Trubels herrscht in den Gängen des IWF-Hauptquartiers im Herzen Washingtons gähnende Leere. Wegen der Pandemie findet die Tagung virtuell statt.

Und so konnte Georgiewa am Donnerstag nur per Video den milliardenschweren Schuldenaufschub für die ärmsten Länder der Welt verkünden, den der IWF soeben beschlossen hatte. „Das ist genau das, was wir jetzt brauchen“, sagte Georgiewa. „Solidarität.“

Schon vor Ausbruch der Coronakrise wurde der 66-Jährigen bei Amtsantritt im vergangenen Herbst eine schwierige Aufgabe vorausgesagt. Der IWF ist das Herzstück der multilateralen Nachkriegsordnung, die derzeit von US-Präsident Donald Trump in Frage gestellt wird.

Durch die Pandemie ist Georgiewas Aufgabe nun noch größer geworden: Sie ist eine der wichtigsten Krisenmanagerinnen der Welt. Denn der IWF, eine Finanz-Feuerwehr für Länder in Zahlungsschwierigkeiten, ist gefragt wie nie zuvor. Bisher haben mehr als 100 Staaten um Soforthilfe gebeten. Der Fonds werde seine volle Kraft nutzen, sagte Georgiewa.

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    Die Bulgarin, für deren Nominierung als IWF-Direktorin die bisher geltende Altersobergrenze aufgehoben wurde, kommt in dieser Krise ihr großer Erfahrungsschatz zugute. Von 2014 bis 2016 war die einstige Wirtschaftsprofessorin Vizepräsidentin der EU-Kommission für Haushalt und Personal, zuvor EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe und Krisenschutz. Danach ging sie als Vizepräsidentin zurück zur Weltbank, bei der sie im Jahr 1993 angeheuert hatte.

    Georgiewa selbst hält es auch für einen großen Vorteil, dass sie die erste IWF-Chefin aus einem Land ist, das selbst Hilfe des Währungsfonds in Anspruch nehmen musste. Die Ökonomin arbeitete im kommunistischen Bulgarien zeitweise als Lebensmittelverkäuferin und war 34 Jahre alt, als sie ihr erstes Bankkonto eröffnete. Entsprechend bodenständig tritt sie auf. Ihre Vorgängerin Christine Lagarde ließ sich oft als „Madame Lagarde“ ansprechen. „Georgiewa will, dass man sie Kristalina nennt“, sagt ein IWF-Mitarbeiter.

    Das kommt an, unumstritten ist die neue Chefin dennoch nicht. Kaum im Amt, stieß sie einen Kulturwandel an. Georgiewa will die Zivilgesellschaft stärker in Entscheidungsprozesse einbinden, den IWF weiblicher machen. Und dabei Führungsverantwortung direkter wahrnehmen als ihre Vorgängerin.

    Lagarde hatte sich aus dem operativen Geschäft weitgehend herausgehalten, auch ökonomische Grundsatzentscheidungen überließ sie ihrem Stellvertreter, dem machtbewussten Amerikaner David Lipton. Georgiewa hat die Zusammenarbeit mit Lipton beendet, ihm folgte der 35-jährige Geoffrey Okamoto, ein Greenhorn aus dem US-Finanzministerium. Innerhalb des IWF werden diese Initiativen mit Argwohn verfolgt.

    Lästereien über den Flurfunk

    Georgiewa sei durch ihre Zeit bei der Weltbank geprägt, wird über den Flurfunk gelästert, und betrachte den Fonds entsprechend kritisch. IWF und Weltbank sind zwar Schwesterorganisationen, haben aber rivalisierende Kulturen entwickelt.

    Die Weltbank, dem Kampf gegen die Armut verpflichtet, setzt schon länger auf einen Dialog mit Bürgerrechtsgruppen und Umweltaktivisten aus Entwicklungsländern, beschäftigt auch Politologen und Ethnologen. Wer beim Währungsfonds Karriere machen will, braucht dagegen einen Doktortitel in Ökonomie. Entsprechend männlich, elitär und zahlenorientiert ist der IWF.

    Wie in Washington zu hören ist, stört Georgiewa genau dieses breitbeinige Auftreten, das die Spezialisten des IWF bisher ausgezeichnet. Dazu passt, dass die neue Direktorin den bisherigen Chef der Europa-Abteilung, Poul Thomsen in den Ruhestand ziehen lässt. Thomsen verkörpert die alte Härte, nicht die neue Einfühlsamkeit, die Georgiewa im IWF hervorbringen will.

    Georgiewa sagte am Rande der Frühjahrstagung, der Fonds habe den Ruf, hilfsbedürftigen Ländern harte Bedingungen aufzuerlegen. „Diesmal bitten wir nur um eines: Bitte bezahlen Sie Ihre Ärzte und Krankenschwestern, stellen Sie sicher, dass Ihre Gesundheitssysteme funktionieren.“

    Vom IWF sind das durchaus ungewöhnliche Töne.

    Mehr: IWF-Prognose: Weltwirtschaft könnte dreißigmal stärker schrumpfen als in der Finanzkrise

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