Jan Egeland im Interview: Wie kommt die Ukraine zu Frieden? „Es gibt einen Weg aus dieser Aggressionsspirale“
Herr Egeland, Sie haben jahrzehntelang zwischen Konfliktparteien vermittelt, allen voran erfolgreich zwischen der PLO und Israel. Das Ergebnis war 1993 der Oslo-Friedensprozess zur Lösung des Nahostkonflikts. Sehen Sie auch eine angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine?
Es wäre gefährlich, diesen Konflikt als eine Art gegebene Naturkatastrophe zu sehen, die nun über die Ukraine zieht und an der man nichts ändern kann. Das ist es nicht. Es gibt einen Weg aus dieser Aggressionsspirale. Denn es sind menschengemachte Entscheidungen, und sie können rückgängig gemacht werden. Europa und die USA dürfen die jüngste Entwicklung nicht als unumkehrbar begreifen, als sei ein für immer unüberwindbarer Graben zwischen Russland und dem Westen.
Sehen Sie nicht die Gefahr, dass die Situation weiter eskaliert?
Wir beobachten nun eine Lage, die man als gegenseitig verletzende Pattsituation beschreibt. Beide Seiten erwartet nur Tod und Horror. Ich hoffe, diese Einsicht besteht auch im Kreml. Aber ich denke, es wird noch viel Leid vor uns liegen. Vieles, was wir nun in der Ukraine sehen, erinnert mich an Syrien.