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Fuji TVMissbrauchsskandal in Japan – Werbeboykott von 70 Firmen

Selbst eine zehnstündige Pressekonferenz reichte nicht: Der Skandal über sexuellen Missbrauch bei Japans Fuji TV brodelt. An der Aufklärung gibt es ZweifelMartin Kölling 29.01.2025 - 16:37 Uhr Artikel anhören
Koichi Minato und Shuji Kano: Fuji TV lud zu einer denkwürdigen Pressekonferenz. Foto: IMAGO/Kyodo News

Tokio. Selbst eine zehnstündige Pressekonferenz vor 437 Journalisten von 191 Medien hat nicht geholfen: Fuji TV, einer der größten privaten Fernsehsender Japans, steckt in einer tiefen Krise. Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gegen einen seiner Stars, Masahiro Nakai, wiegen schwer.

Nakai ist inzwischen zurückgetreten. Und auch der Chef des Senders, Koichi Minato, ist nicht mehr im Amt. Doch das reicht vielen in Japan nicht zur Aufarbeitung: Mehr als 70 Unternehmen, darunter große Konzerne aus dem Land, haben ihre Werbung bei Fuji TV gestoppt, bis die Vorwürfe innerhalb des Senders endgültig geklärt sind. Und das kann noch dauern.

„Die zehn Stunden waren ein einziges Durcheinander“, sagte Nicholas Benes über die denkwürdige Pressekonferenz. Benes ist einer der Pioniere der Corporate Governance in Japan und Leiter eines Ausbildungsinstituts für Vorstandsmitglieder. Es habe viel Geschrei gegeben, aber keine klaren Aussagen zu Details und dem Handeln des Vorstands, kritisierte er.

Der Vorwurf gegen Nakai, ehemaliger Frontmann der Gruppe SMAP, die zwischen 1988 und 2016 eine der erfolgreichsten Bands Japans und Asiens war, ist folgender: Im Dezember 2024 veröffentlichten japanische Wochenzeitungen Berichte über einen Vorfall zwischen Nakai und einer Frau. Einzelheiten sind bis heute nicht bekannt. Doch der TV-Star soll der Frau in einem Vergleich 90 Millionen Yen (550.000 Euro) gezahlt haben, um die Angelegenheit außergerichtlich beizulegen.

Fuji TV: Anteilseigner ist „empört“

Am 9. Januar entschuldigte sich Nakai erstmals „für die Unannehmlichkeiten“, die er verursacht habe. Aufgrund der Einigung könne er aber weiterarbeiten, meinte er. Der Sender akzeptierte das – bis einer der größten Investoren, der US-Fonds Dalton Investments, einen offenen Brandbrief an das Management schrieb.

„Wir sind empört“, erklärten die Anteilseigner am 14. Januar. Der Skandal habe „gravierende Mängel in Ihrer Unternehmenskultur offenbart“. Die Forderung: Das Management müsse sofort eine unabhängige Kommission einsetzen, die den Fall untersucht.

Masahiro Nakai: Der ehemalige Star sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. Foto: AFP

Drei Tage später trat der damalige Fuji-TV-Chef Minato erstmals vor die Presse, um der Forderung nachzukommen. Doch damit fachte er den Mediensturm erst an. Es begann damit, dass er Wochenzeitungen, freie, ausländische und Online-Journalisten sowie TV-Kameras von der Pressekonferenz ausschloss – ein absoluter Fehlgriff im Ritual japanischer Skandalbewältigung.

So bleiben Zweifel, dass es Fuji TV ernst mit der Aufklärung meint. Denn auch der „Kaiser von Fuji TV“, der 87-jährige Chef des Medienkonzerns Fuji Sankei, Hisashi Hieda, fehlte bei der Pressekonferenz. Ebenso eine Aussage von ihm. „Es ist offensichtlich, dass Fuji TV Angst vor Hieda hat“, urteilt Autor und Skandalexperte Igor Prusa. Der Fernsehsender sei noch lange nicht aus der Krise heraus.

Die Werbekunden werden ihren Boykott fortsetzen. Große Unternehmen bemühen sich seit einigen Jahren, mehr Frauen für eine Karriere in der Wirtschaft zu begeistern.

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Vergewaltigung im Mittelpunkt eines Films, der für den Oscar nominiert ist

Wichtig für das Verständnis des Skandals ist, dass die Gesellschaft sexuelle Übergriffe immer weniger verschweigt. Ein Zeichen dafür ist der Film „Black Box Diaries“, der in der Kategorie Dokumentarfilm für den Oscar nominiert wurde. In dem Film erzählt die japanische Journalistin Shiori Ito den Skandal um ihre Vergewaltigung durch einen bekannten Fernsehjournalisten.

Zudem wurde Japan 2023 von der Enthüllung erschüttert, dass der verstorbene Chef der größten Talent- und Schauspieleragentur des Landes, Johnny Kitagawa, jahrzehntelang Jungen missbraucht hatte. Seine Agentur Johnny & Associates versorgte Japans Fernsehen mit Stars und Sternchen – und die Musikindustrie mit diversen Girl- und Boybands.

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