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KriegsschiffNordkoreas Werftarbeiter richten gekenterten Zerstörer wieder auf

Machthaber Kim Jong Un hatte den gescheiterten Stapellauf eines Kriegsschiffs als „kriminelle Handlung“ bezeichnet. Nun gelingt es der Werft, das Schiff zu retten.Martin Kölling 08.06.2025 - 11:03 Uhr Artikel anhören
Ein Satellitenbild zeigt den wieder flott gemachten nordkoreanischen Zerstörer, der beim Stapellauf schwer beschädigt worden war. Foto: Planet Labs PBC/AP/dpa

Tokio. Die Arbeiter der Chongjin-Werft in Nordkorea haben in einem Kraftakt eine nationale Blamage behoben. In der vergangenen Woche richteten sie einen Zerstörer der neuen Choe-Hyun-Klasse wieder auf, der beim Stapellauf im Mai halb gekentert war.

Das beschädigte Kriegsschiff soll für weitere Reparaturen in eine Rajin-Werft an der Ostküste verlegt werden, teilte die Zeitung Rodong Sinmun mit. Hochauflösende Satellitenbilder bestätigen, dass der Zerstörer am 5. Juni wieder aufrecht im Wasser schwamm.

Für die an dieser Bergungsaktion beteiligten Arbeiter stand viel auf dem Spiel. Kim Jong Un hatte den Unfall laut Staatsmedien als „kriminelle Handlung” bezeichnet, die die „Würde und den Stolz” des Landes schwer beschädigt habe. Im Anschluss wurden Werksleiter, Arbeiter und ein stellvertretender Leiter der Munitionsabteilung der Arbeiterpartei festgenommen.

Was mit ihnen geschehen wird, ist noch unklar. Todesstrafen für Verfehlungen sind in Nordkorea keine Seltenheit. Die Arbeiter in Chongjin haben jedoch das Schlimmste abgewendet. Kim hatte gefordert, den Zerstörer bis zu einer Parteisitzung Ende Juni wieder flottzumachen. Und der erste Schritt ist gelungen.

Die Rodong Sinmun betonte, wie wichtig es sei, die Bergung unbedingt abzuschließen. Der Zerstörer der neuen Choe-Hyon-Klasse ist ein wichtiger Bestandteil der nordkoreanischen Seestreitkräfte. Mit einem Gewicht von 5.000 Tonnen stellt er eine beträchtliche Investition in militärische Technologie dar und zeugt von Nordkoreas technologischem Fortschritt.

Nordkorea will mit zweitem Zerstörer Marine modernisieren

Das erste Modell wurde im April an der Westküste Nordkoreas zu Wasser gelassen. Mit einem schnell fertiggestellten zweiten Zerstörer wollte Nordkorea seine veraltete Marine modernisieren. Die Erneuerung der konventionellen Streitkräfte ist wichtig, damit die militärische Macht nicht wie bisher vor allem auf einem von den Vereinten Nationen verbotenen Atomwaffenprogramm beruht.

Weil Nordkorea Munition, Waffen und Soldaten für Russlands Krieg gegen die Ukraine exportiert, könnte das Land russische Hilfe bei der Aufrüstung erhalten, befürchten Experten. Ob das bei den neuen Zerstörern auch der Fall ist, ist nicht bekannt.

Doch offenbar hat Nordkorea durch die Beauftragung mehrerer Werften versucht, die Stärkung der Marine zu beschleunigen. Das könnte zum Unfall beigetragen haben. Die Werft in Chongjin verfügte nach Angaben westlicher Experten nur über geringe Erfahrung im Bau von Kriegsschiffen.

Das rächte sich beim Stapellauf am 21. Mai. Der Bug blieb auf der Helling stecken, während das Heck zu Wasser ging. Dabei legte sich das Schiff auf die Steuerbordseite und geriet zur Hälfte unter Wasser. Die Auswertung von Satellitenbildern ergab, dass die Werftarbeiter das Schiff zwischen dem 21. Mai und dem 2. Juni mithilfe von Bergungsballons, Hebesäcken und Kränen wieder aufrichteten.

Ein Satellitenbild vom 23. Mai zeigt eine blaue Plane, die den beschädigten nordkoreanischen Zerstörer abdeckt. Foto: Planet Labs PBC/Planet Labs PBC/

Damit brauchten sie 13 Tage, drei Tage länger als von Nordkoreas Führung ursprünglich veranschlagt. Auf den jüngsten Satellitenbildern ist zudem ein großer Hebesack oder eine provisorische Rampe zu sehen. Die Experten der US-Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) urteilen: „Eine leichte Schieflage und die Anwesenheit von Ballons legt nahe, dass die Bergung noch nicht abgeschlossen ist.“

Die Fachleute mutmaßen, dass weitere Pump-, Stabilisierungs- und Sanierungsarbeiten notwendig sein werden. Daher ist für sie noch unklar, ob das Schiff auf der Hambuk-Werft in Chongjin verbleiben oder für diese Arbeiten sowie die Ausrüstung und die anschließende Inbetriebnahme auf eine andere Werft verlegt werden wird.

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Laut nordkoreanischen Angaben soll die nächste Phase der Reparaturen in der Rajin-Werft stattfinden. Für die Arbeiten sind dem Vernehmen nach sieben bis zehn Tage veranschlagt. Die fortlaufende Berichterstattung über das Unglück und die bisherigen Bergungsmaßnahmen legen nahe, dass Nordkorea die Welt über das Schicksal des Kriegsschiffs weiter auf dem Laufenden halten wird.

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