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Künftige US-Finanzministerin Mit Willensstärke und Humor: Janet Yellen wirbt im Senat für eine sozialere Wirtschaft

Die frühere Notenbank-Chefin soll Finanzministerin unter Joe Biden werden. Bei einer ersten Anhörung wirbt sie um die Gunst der Senatoren und fordert neue, große Konjunkturhilfen.
19.01.2021 Update: 19.01.2021 - 18:58 Uhr Kommentieren
Die ehemalige Notenbankchefin wird künftig US-Finanzministerin sein. Quelle: AP
Janet Yellen

Die ehemalige Notenbankchefin wird künftig US-Finanzministerin sein.

(Foto: AP)

New York Immer wieder reißt das Videosignal ab, doch Janet Yellen lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Die Star-Ökonomin ist aus ihrem Wohnzimmer in die Senatsanhörung zugeschaltet, bei der der Finanzausschuss über ihre Nominierung berät.

Die frühere Chefin der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) soll unter dem künftigen Präsidenten Joe Biden Finanzministerin werden. Wenn sie vom Senat bestätigt wird, hätte sie eine der wichtigsten Rollen in dem neuen Kabinett, gerade wenn es darum geht, ein neues Konjunkturpaket auf den Weg zu bringen.

Yellen hat Routine mit Auftritten im Senat und gab sich am Dienstag selbstbewusst und humorvoll. Das von Joe Biden geforderte, 1,9 Billionen Dollar schwere Konjunkturpaket sei dringend nötig, um langfristige Schäden von der Wirtschaft abzuwenden.

Natürlich sei ihr der ohnehin hohe Schuldenstand des Landes bewusst. Dennoch: „In einer Zeit in der die Zinsen auf einem Rekordtief sind, ist es das schlauste, mit Nachdruck zu handeln“, stellte Yellen klar. Die Vorteile würden deutlich überwiegen.

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    Doch Yellen will mehr als nur kurzfristige Rettungspakete. „Wir müssen die Wirtschaft so umbauen, damit sie mehr Wohlstand für eine breitere Gruppe der Bevölkerung liefern kann.“ Die K-förmige Erholung, bei der ein Teil der Amerikaner stark profitiert während es für einen andern Teil steil abwärts geht, sei nur eine Folge der wirtschaftlichen Strukturen. „Noch bevor der erste Amerikaner mit Covid infiziert wurde, haben wir in einer K-förmigen Wirtschaft gelebt, in der Wohlstand auf Wohlstand gebaut wurde, während Familien der Mittelschicht immer weiter zurückgefallen sind.“

    Yellen blickt mit Sorge auf die US-Wirtschaft. Die Coronakrise hat das Land immer noch voll im Griff. Mehr als 400.000 Menschen starben. Die Regale in den Suppenküchen seien leer geräumt, warnte sie.

    Genialer Schachzug von Joe Biden

    Yellen war die erste Frau an der Spitze der Notenbank und wird die erste Finanzministerin der USA sein. Sie sieht sich dank ihres Mannes und ihres Sohnes gut auf die politische Debatten um die geforderten Wirtschaftsreformen vorbereitet.

    Yellen ist mit Ökonomie-Nobelpreisträger George Akerlof verheiratet, den sie vor rund 40 Jahren in der Cafeteria der Fed kennengelernt hat. Ihr Sohn ist ebenfalls Ökonom und lehrt an der britischen Warwick University.

    Beide würden „im Zimmer nebenan sitzen und die Anhörung im Fernsehen anschauen“, verriet Yellen. Sie sei es gewohnt, dass ihre ökonomischen Argumente immer wieder hinterfragt werden. „Daher begrüße ich auch eine Diskussion im Senat.“ Yellen für den Posten der Finanzministerin zu nominieren gilt als genialer Schachzug von Joe Biden.

    Schließlich wurde sie vor ihrer Amtszeit als Fed-Chefin auch mit den Stimmen republikanischer Senatoren auf den Posten bestätigt. Und wer sie für geeignet hielt, die Notenbank zu führen, der kann schlecht sagen, dass sie als Finanzministerin ungeeignet wäre. Dennoch besteht im tief zerstrittenen Washington die Sorge, dass Republikaner sie aus Prinzip nicht bestätigen könnten.

    Yellen braucht im Senat 51 Stimmen für ihre Bestätigung

    Acht frühere Finanzminister drängten die Senatoren in einem offenen Brief, Yellen schnell zu bestätigen. „Millionen Amerikaner sind arbeitslos, wirtschaftliche Aktivitäten in großen Bereichen sind zum Erliegen gekommen. Die neue Regierung steht vor riesigen Herausforderungen“, heißt es darin. Die Spitze des Finanzministeriums nicht sofort zu besetzen „könnte die Anstrengungen zur Krisenbewältigung weiter zurückwerfen.“

    Noch haben die Republikaner die Mehrheit im Senat, doch das wird sich mit dem Start von Joe Bidens Amtszeit am Mittwoch ändern. Beide Parteien haben dann jeweils 50 Stimmen im Senat. Die künftige Vize-Präsidentin Kamala Harris wird in Patt-Situationen jedoch den Ausschlag für die Demokraten geben. Das wird auch Yellen helfen, die 51 Stimmen für ihre Bestätigung braucht.

    Die Anhörung verlief weitgehend ruhig und sachlich. Die republikanische Senatoren sorgten sich vor allem über mögliche Steuererhöhungen für Unternehmen und reiche Amerikaner. Biden hatte angekündet, mit den Erhöhungen seine ambitionierten Stimulusprogramme finanzieren zu wollen.

    Yellen betonte, dass es erst einmal darum gehe, die akute Lage zu verbessern. Mittelfristig werde sie sich jedoch neben der Steuerfrage auch Kryptowährungen kümmern, die vermehrt zur Finanzierung von Terrorismus verwendet würden. Auch der Klimawandel stehe oben auf der Agenda, vor allem verbunden mit der Frage, welche Risiken sich daraus für das Finanzsystem ergeben.

    Mehr: Mit der Wahl von Janet Yellen als neue Finanzministerin setzt Joe Biden gleich drei Ausrufezeichen. Ein Kommentar.

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