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Machtkonflikt Russland und Iran ringen in Syrien um Einfluss

Teheran will seinen Einfluss in dem Bürgerkriegsland ausbauen. Das gefällt der Regierung in Moskau wenig. Die größte Besatzungsmacht in Syrien fürchtet auch Angriffe aus Israel.
09.06.2020 - 06:11 Uhr Kommentieren
In Syrien kämpfen die Russland und der Iran um die wirtschaftliche Macht. Quelle: dpa
Russlands Präsident Wladimir Putin (l.) und Irans Staatschef Hassan Ruhani

In Syrien kämpfen die Russland und der Iran um die wirtschaftliche Macht.

(Foto: dpa)

Istanbul, Moskau, Tel Aviv Wer hat die Macht in Syrien? In dem Bürgerkriegsland geraten die beiden Garantiemächte Russland und Iran zunehmend aneinander: Die russische Regierung zeigte sich laut Medienberichten „unzufrieden“ damit, dass iranische Streitkräfte an strategisch wichtige Stellen zurückgekehrt seien.

So zeigten Satellitenbilder, wie Truppen aus Teheran sich an einem strategisch wichtigen Stützpunkt in der Nähe des Flughafens von Damaskus niedergelassen hätten. Quellen aus dem Umfeld des Kreml kommentierten die Entwicklungen wie folgt: „Russland muss einmal mehr mit ansehen, wie Damaskus sich von früheren Versprechen distanziert“.

So hört es sich an, wenn man einen Konflikt in diplomatische Worte kleidet. Denn nachdem Russland den syrischen Machthaber Assad mit Waffen und Militär an der Macht gehalten hat, fordert der Kreml nun, die Früchte seines Engagements in Syrien davontragen zu dürfen. Der Iran will jedoch seinen Einfluss nicht so leicht aufgeben – und provoziert so Moskau und das syrische Nachbarland Israel.

Diesmal dreht sich der Streit um einen verglasten Gebäudekomplex in unmittelbarer Nähe des zivilen Flughafens in Damaskus. Die russische Regierung hatte ihre syrischen Amtskollegen gebeten, das Gebäude für iranisches Militär zu sperren, nachdem israelische Streitkräfte den Flughafen mehrere Male angegriffen hatten. Doch seit Januar hatten iranische Generäle dieses Gebäude benutzt, um militärische Operationen zu planen sowie verwundete und mit dem neuartigen Coronavirus infizierte Soldaten zu behandeln.

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    Auch eine weitere Vereinbarung zwischen Moskau und Damaskus scheint von Teheran durchbrochen worden zu sein. Russland, Jordanien und Israel hatten sich Anfang des Jahres auf einen sicheren Korridor im Süden Syriens geeinigt. Laut der Vereinbarung, aus der zahlreiche syrische Medien zitieren, sollen sich iranische Streitkräfte mindestens 80 Kilometer von der Grenze zu Israel und Jordanien entfernen. Den Berichten zufolge habe Damaskus vor Kurzem den iranischen Streitkräften jedoch wieder erlaubt, in dem Gebiet Präsenz zu zeigen.

    Konflikt der Garantiemächte

    Der Streit um Einfluss in den verschiedenen Landesteilen ist Teil einer größeren Auseinandersetzung zwischen den Garantiemächten Russland und Iran. Der Syrienkrieg dauert über neun Jahre, deutlich länger als der Zweite Weltkrieg. Hunderttausende Syrerinnen und Syrer kamen dabei ums Leben, Millionen leben als Flüchtlinge in Syrien oder im Ausland. Es waren vor allem Iran und Russland, die Assad mit massiven Militärkampagnen ab dem Jahr 2013 beziehungsweise dem Jahr 2015 das politische Überleben sicherte.

    Beide Nationen wollen im Gegenzug ihren Einfluss am Mittelmeer ausbauen, und sie wollen Geld. Russland kontrolliert beispielsweise große Teile der syrischen Phosphatindustrie und hat Konzessionen für Mittelmeerhäfen erhalten. Der Iran generiert über den Besitz wichtiger syrischer Mobilfunklizenzen jeden Tag Einnahmen.

    Präsident Wladimir Putin hat Ende Mai sein Verteidigungs- und Außenministerium damit beauftragt, mit der syrischen Seite Verhandlungen über eine Erweiterung der russischen Militärbasen zu führen. Moskau fordert die Übergabe weiterer Immobilien sowie Zutritt zu Wasserflächen, um die Manövrierfähigkeit der russischen Truppen zu erhöhen.

    Ein wichtiger Mitspieler in dem syrischen Machtpoker ist auch Israel. Wiederholt hatte Israel im Nordwesten Syriens iranische Stellungen angegriffen. Damit wolle Jerusalem den Russen zeigen, dass Israel die iranischen Aktivitäten in Syrien nicht akzeptiere, meint Amos Yadlin, ehemaliger Chef des israelischen militärischen Geheimdienstes. Israels Regierung wolle Damaskus und vor allem Moskau klarmachen, dass an einen Wiederaufbau der weitgehend zerstörten syrischen Infrastruktur nicht zu denken sei, solange Teheran in Syrien militärisch aufrüste und Israel bedrohe.

    „Militärisch wird Iran Syrien nicht verlassen“, ist Yadlin, der inzwischen das Institute for National Security Studies in Tel Aviv leitet, überzeugt. Syrien sei als wichtiges arabisches Land und mit seinem Zugang zum Mittelmeer ein „Eckpfeiler in der Nahostpolitik Teherans“.

    Russland ist damit in einer Zwickmühle. Einerseits will Moskau den wirtschaftlichen Wiederaufbau im Land fördern – natürlich auch, weil russische Firmen davon profitieren würden. Andererseits könnte Israel diesen Wiederaufbau im wahrsten Sinne des Wortes sofort zerstören, wenn der Iran in Syrien weiter an Einfluss gewinnt.

    Mehr: Menschenrechtsorganisationen werfen der Assad-Regierung und Russland gezielte Angriffe auf Krankenhäuser vor.

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