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Nahost Hamas attackiert Israel mit massivem Raketenbeschuss – Tote in Gaza bei Gegenangriff

In Jerusalem gibt es heftige Auseinandersetzungen. Im Fokus steht der Tempelberg. Die islamistische Hamas reagiert mit Raketenbeschuss. Bei Gegenangriffen in Gaza gibt es Tote.
10.05.2021 Update: 11.05.2021 - 05:12 Uhr 3 Kommentare
Ein Ausschnitt aus einem AFPTV-Video zeigt einen Brand in der Nähe der Al-Aksa-Moschee. Quelle: AFP
Jerusalem

Ein Ausschnitt aus einem AFPTV-Video zeigt einen Brand in der Nähe der Al-Aksa-Moschee.

(Foto: AFP)

Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ist am Montag gefährlich eskaliert. Nach massiven Raketenangriffen aus dem Gazastreifen auf Israel bombardierte die israelische Luftwaffe Ziele in dem Küstenstreifen. Wie die Armee mitteilte, wurden dabei drei Aktivisten der dort herrschenden islamistischen Hamas gezielt getötet. Das Militär veröffentlichte bei Twitter ein Video des Vorfalls im Norden des Küstengebiets.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden bei israelischen Luftangriffen im Norden des Gazastreifens insgesamt 20 Palästinenser getötet, darunter neun Kinder. Zudem seien 67 Menschen im Gazastreifen verletzt worden. Es war zunächst unklar, unter welchen genauen Umständen die Menschen zu Tode kamen. Es gab auch Berichte aus dem Gazastreifen, nach denen einige Einwohner möglicherweise durch fehlgeleitete Raketen der eigenen Seite getötet wurden.

UN-Generalsekretär António Guterres warnte vor einer Eskalationsspirale, verurteilte laut einem Sprecher den Abschuss von Raketen aus dem Gazastreifen „aufs Schärfste“ und forderte von Israelis und Palästinensern „maximale Zurückhaltung“. Die UN betonten erneut ihre „tiefe Besorgnis“ über die mögliche Vertreibung von palästinensischen Familien aus dem Stadtteil Scheich Dscharrah im „besetzten Ost-Jerusalem“. Eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates endete Diplomaten zufolge aufgrund des Widerstands der USA ohne eine gemeinsame Stellungnahme, die die Gewalt verurteilt und Besorgnis über mögliche Vertreibungen ausgedrückt hätte.

Die EU und die USA haben die jüngsten Raketenangriffe auf Israel verurteilt und ein sofortiges Ende der Gewalt im besetzten Westjordanland und im Gazastreifen gefordert. Der Abschuss von Raketen aus dem Gazastreifen auf die Zivilbevölkerung in Israel sei völlig inakzeptabel und fache die Eskalationsdynamik weiter an, kritisierte ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell am späten Montagabend. Alle Verantwortlichen hätten nun die Verantwortung, gegen Extremisten vorzugehen. Die Vermeidung weiterer ziviler Opfer müsse Priorität haben.

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    US-Außenminister Antony Blinken äußerte sich ebenfalls „zutiefst besorgt“ über die Raketenangriffe aus dem Küstengebiet, das von der islamistischen Hamas beherrscht wird. „Auch wenn alle Seiten Schritte zur Deeskalation unternehmen (müssen), hat Israel natürlich das Recht, sein Volk und Territorium vor diesen Angriffen zu schützen.“ Letztlich müssten aber sowohl Palästinenser als auch Israelis dazu beitragen, die Spannungen zu reduzieren.

    Israelische Luftwaffe bombardiert Gaza-Streifen nach Raketenangriffen militanter Palästinenser

    Schwere Zusammenstöße auf dem Tempelberg

    Nach schweren Zusammenstößen auf dem Tempelberg in Jerusalem hatte die Hamas per Ultimatum den Abzug aller Polizisten und Siedler vom Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) sowie aus dem Viertel Scheich Dscharrah in Ost-Jerusalem gefordert. Als Israel dem nicht nachkam, begann kurz nach 18 Uhr Ortszeit der Beschuss. Ein Hamas-Sprecher sagte, die Raketen seien eine „Botschaft“ an den Feind Israel. Es handele sich um eine „Reaktion auf seine Verbrechen und Aggression gegen die heilige Stadt“ sowie auf Israels Vorgehen auf dem Tempelberg und in Scheich Dscharrah. Zu den Angriffen bekannte sich auch die Gruppe Islamischer Dschihad.

    Ein Armeesprecher sagte, es seien Dutzende Raketen abgefeuert worden. Die meisten von ihnen seien in offenem Gelände niedergegangen oder abgefangen worden. Warnsirenen ertönten im Gebiet um den Gazastreifen sowie in den Städten Beit Schemesch, Aschkelon und Sderot. Vom Gazastreifen wurde nach Angaben des Sprechers zudem eine Panzerabwehrwaffe auf zivile Fahrzeuge abgefeuert. Ein Zivilist sei verletzt worden.

    Israelis versammeln sich an der Klagemauer. Quelle: Reuters
    Jerusalem

    Israelis versammeln sich an der Klagemauer.

    (Foto: Reuters)

    Der Sprecher sagte weiter, sechs Raketen seien auch in Richtung Jerusalem abgeschossen worden. Eine habe ein ziviles Haus in einem Vorort getroffen, eine sei abgefangen worden. Die anderen seien in offenen Gelände niedergegangen. Letztmals sei in der Stadt im Sommer 2014 Raketenalarm ausgelöst worden. Ein Marsch in der Stadt anlässlich des Jerusalem-Tages wurde nach Polizeiangaben wegen der Angriffe abgebrochen. Berichten zufolge wurde das Parlament in Jerusalem geräumt.

    Nach Angaben des Armeesprechers waren an den Angriffen mehrere palästinensische Organisationen beteiligt gewesen. Nach seinen Angaben wird aber die im Gazastreifen herrschende, islamistische Hamas für die Attacken verantwortlich gemacht. Es sei Israels Absicht, ihr einen schweren Schlag zu versetzen. Zur möglichen Dauer eines Armeeeinsatzes äußerte er sich nicht.

    Netanjahu droht eine harte Reaktion an

    Nach Medienberichten genehmigte das Sicherheitskabinett massive Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte den militanten Palästinenserorganisationen eine harte Reaktion an. Die israelischen Bürger müssten sich darauf einstellen, dass der gegenwärtige Konflikt länger dauern könnte, sagte er.

    Auf dem Tempelberg war es am Montagmorgen erneut zu Auseinandersetzungen gekommen. Vor der Al-Aksa-Moschee setzten Polizisten Blendgranaten, Tränengas und Gummigeschosse gegen Steine werfende Palästinenser ein. Palästinensische Rettungskräfte sprachen von mehr als 300 Verletzten. Nach Polizei-Angaben wurden fast zwei Dutzend Beamte verletzt.

    Die israelischen Bürger müssten sich darauf einstellen, dass der gegenwärtige Konflikt länger dauern könnte, sagte Netanjahu. Quelle: dpa
    Benjamin Netanjahu

    Die israelischen Bürger müssten sich darauf einstellen, dass der gegenwärtige Konflikt länger dauern könnte, sagte Netanjahu.

    (Foto: dpa)

    Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist für Juden wie Muslime von herausragender Bedeutung. Es ist die drittheiligste Stätte im Islam. Zugleich standen dort früher zwei jüdische Tempel, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest jenes zerstörten Tempels und die heiligste Stätte der Juden.

    Der Status Jerusalems ist eine der zentralen Streitfragen im Nahost-Konflikt. Israel beansprucht Jerusalem als „ewige und unteilbare Hauptstadt“ für sich. Die Palästinenser halten ihrerseits an ihrem Anspruch auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt fest.

    Die Lage im Westjordanland und im arabisch geprägten Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan angespannt. Viele Palästinenser sind zornig, weil die Polizei Bereiche der Altstadt abgesperrt hatte, um Versammlungen zu verhindern. Zudem drohen einigen palästinensischen Familien im Stadtteil Scheich Dscharrah Wohnungsräumungen durch israelische Behörden. Dies verschärfte die Spannungen. Vergangenes Wochenende hatte es jede Nacht Konfrontationen mit zahlreichen Verletzten im Osten der Stadt gegeben.

    Mehr: Netanjahu mit Regierungsbildung gescheitert

    • dpa
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    3 Kommentare zu "Nahost: Hamas attackiert Israel mit massivem Raketenbeschuss – Tote in Gaza bei Gegenangriff"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @Lothar Meurer: Ist es nicht ein fantastischer Zufall für Herrn Netanjahu, dass genau jetzt der schwelende Konflikt eskaliert wird? Rein zufällig natürlich, indem israelische Sicherheitskräfte das religiöse Heiligtum mitten im wichtigsten Monat des islamischen Jahres stürmen? Ein Schelm, wer böses dabei denkt ..

    • @ Lothar Meurer: Soll Israel einfach stillhalten? Und präventive Gegenangriffe sind bei einem Krieg nun mal unvermeidlich. Und warum sollte man eine Moschee nicht stürmen. Die ist nicht schützenswerter als ein Vereinshaus, eine Kirche oder eine Wohnhaus. Willkommen in der Realität des Lebens jenseits des dekadenten Deutschland mit immer gefüllten Kühlschränken, dass sich seinen inneren Frieden vor allem durch Wegsehen und Wegducken sichert.

    • Ihre Berichterstattung über die Angriffe der israelischen Besatzungsmacht auf betende Menschen in der Al Aksar Moschee sind sehr weit von den tatsächlichen Vorkommnissen entfernt - wie die in anderen deutschen Medien auch.
      „Vor der Al-Aksa-Moschee setzten Polizisten Blendgranaten, Tränengas und Gummigeschosse gegen Steine werfende Palästinenser ein.“
      Es wurde in die Moschee hinein geschossen und die Moschee wurde gestürmt. Das geschah nicht nur am Montag, sondern auch schon vorher.
      Hier ein Zitat aus der Jordan Times:
      Video footage showed Israeli forces storming the mosque’s sprawling plaza and firing sound grenades inside the building, where throngs of worshippers were praying on the last Friday of the Muslim holy month of Ramadan.
      Mosque director Omar Al Kiswani said in a video message that, directly after the evening iftar meal that breaks the dawn-to-dusk Ramadan fast, “Al Aqsa mosque was stormed and unarmed worshippers were attacked to empty it”.
      Was wollen Sie und Ihre Kollegen der anderen Medien mit der Unterstützung der israelischen Propaganda erreichen? Selbst die Jerusalem Post ist der Wahrheit oft viel näher, wenn es z.B. auf die fast täglichen Luftangriffe Israels auf Syrien geht.
      Pressefreiheit sieht anders aus!

      Lothar Meurer

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