Pandemie: Corona-Fallzahlen in China steigen auf Rekordwert – und gefährden die Null-Covid-Strategie des Landes
Am gestrigen Donnerstag sind in China insgesamt 1100 Neuinfektionen registriert worden.
Foto: ReutersPeking. China hat am Freitag erstmals seit zwei Jahren mehr als 1000 neue Coronafälle gemeldet. Wie die Nationale Gesundheitsbehörde mitteilte, wurden am Donnerstag insgesamt 1100 Neuinfektionen registriert. So viele Fälle waren zuletzt ganz am Anfang des Ausbruchs des Virus im zentralchinesischen Wuhan gemeldet worden.
Als Grund für das Anziehen der Fallzahlen gilt der Ausbruch der Omikron-Variante in China. Die hochansteckende Coronavariante war erst im Januar das erste Mal in China aufgetreten. Zuvor hatte die Zahl der Neuinfektionen unter den rund 1,4 Milliarden Einwohnern selten landesweit bei mehr als 100 pro Tag gelegen.
Die geringen Infektionen wurden durch eine rigorose Null-Fall-Strategie erreicht. Insbesondere im vergangenen Jahr kam es in mehreren Städten, aber auch in vereinzelten Stadtteilen immer wieder zu strikten Lockdowns und Massentests, wenn dort Fälle auftraten. Einwohner durften ihre Wohnungen über Wochen nicht verlassen, auch nicht zum Spazierengehen oder Einkaufen.
Am Freitag teilten Behörden mit, dass die nordostchinesische Millionenmetropole Changchun in einen strengen Lockdown geht. Pro Haushalt darf nur noch alle zwei Tage eine Person für Einkäufe die Wohnung verlassen, die U-Bahnen der Stadt haben seit Freitagnachmittag ihren Betrieb eingestellt. Zudem sollen alle der rund neun Millionen Bewohner der Stadt auf das Virus getestet werden.
Auch die Wirtschaftsmetropole Schanghai ist von hohen Fallzahlen betroffen. Ab Samstag werden alle Klassen der Mittel- und Grundschulen der Stadt auf Onlineunterricht umschwenken und alle Kindergärten sollen geschlossen werden.
China will weiter an der Null-Fall-Strategie festhalten
Ende 2021 hatte für mehrere Wochen die 13-Millionen-Metropole Xi'an unter Lockdown gestanden, danach wurden andere vereinzelte Städte ebenfalls abgeriegelt. Immer wieder kam es durch die restriktiven Maßnahmen auch zu schweren Störungen von Lieferketten oder zu erzwungenen Produktionsstopps bei Unternehmen.
In der Metropole Changchun sollen alle der rund neun Millionen Bewohner der Stadt auf das Virus getestet werden.
Foto: APZudem haben die restriktiven Maßnahmen auch dem Konsum stark zugesetzt. „Die Verbrauchernachfrage ist recht verhalten“, erklärte Chinas Premierminister Li Keqiang auf einer Pressekonferenz zum Abschluss des jährlichen Nationalen Volkskongresses am Freitag in Peking die aktuelle Lage. Li versprach mehr Unterstützung für den Einzelhandel, den Tourismus und den Kultursektor.
An der Null-Fall-Strategie will die Staatsführung weiter festhalten. Li versprach aber, dass die Behörden daran arbeiten würden, Chinas Reaktion „wissenschaftlicher und gezielter“ zu gestalten und das normale Funktionieren des täglichen Lebens und der Lieferketten aufrechtzuerhalten.
Neben den strengen Coronamaßnahmen drückte auch die durch schärfere Regulierung verursachte Immobilienkrise auf die Wirtschaft. So flaute das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt nach einem positiven Jahresstart im zweiten Halbjahr deutlich ab. Im vierten Quartal 2021 wuchs Chinas Wirtschaft nur noch um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal – es war das geringste Quartalswachstum seit 18 Monaten.
Besonders dramatisch ist die Lage derzeit in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong. In der Metropole im Süden Chinas sind die Fallzahlen jüngst rasant in die Höhe geschnellt.
Vergangene Woche wurden dort 50.000 Fälle pro Tag registriert. Am Donnerstag wurden noch mehr als 31.000 neue Infektionen gemeldet. Nachdem die Krankenhäuser überlastet waren, hatte die Regierung zahlreiche neue Isoliereinheiten für die Infizierten eingerichtet.
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Als Grund für die schnelle Ausbreitung in Hongkong gilt die geringe Impfrate, insbesondere unter älteren Einwohnern. Die Impfrate von Hongkongern im Alter von 80 Jahren und älter mit mindestens einer Dosis des Coronavirus-Impfstoffs liegt bei gerade mal etwas über 50 Prozent.