Russland: „Sein Vaterland mit Dreck beworfen“: Der Ukraine-Krieg verändert auch, was russische Jugendliche lesen müssen
Der Autor erhielt 1970 den Nobelpreis für Literatur und 2007 den russischen Staatspreis, die höchste nationale Auszeichnung.
Foto: dpaBerlin. Es war der Wunsch Wladimir Putins, dass Alexander Solschenizyns monumentales Epos „Archipel Gulag“ Pflichtlektüre in russischen Schulen wird. Als der Autor 2007 kurz vor seinem Tode den russischen Staatspreis erhielt, besuchte ihn Putin in seiner Wohnung, um ihm persönlich zu gratulieren.
2009 wurde eine gekürzte Fassung der erschütternden Analyse des stalinschen Lagersystems in den Lehrplan aufgenommen. 14 Jahre später soll das Werk jetzt nach Ansicht einflussreicher Duma-Abgeordneter wieder verschwinden.
Die Arbeit des Nobelpreisträgers habe „die Prüfung der Zeit nicht bestanden“, befand der Abgeordnete Dmitri Wjatkin. Bildungsminister Sergej Krawzow habe ihm bereits versprochen, dass das Werk aus der Literaturliste gestrichen werde.
Dafür sollten Alexander Fadejew und Nikolai Ostrowski, zwei von Stalin hochgeschätzte Autoren, von jungen Russen wieder gelesen werden.
Die Vorsitzende des Bildungsausschusses, Olga Kassakowa, versucht dies als die Privatmeinung eines Abgeordneten herunterzuspielen. Doch Wjaktin ist der Vize-Fraktionsvorsitzende der Kreml-Partei „Einiges Russland“ und steht damit in der russischen Machthierarchie um einiges höher als Kassakowa.