Sanktionen: Brand richtet massive Schäden im wichtigsten Hafen des Irans an
Istanbul. Der Großbrand auf dem größten Containerhafen des Irans war am Sonntag noch immer nicht ganz gelöscht. Nach offiziellen Angaben hat der Brand im dem Hafen an der Straße von Hormuz mindestens 46 Tote und mehr als 1000 Verletzte gefordert. Die Zahl der Opfer könnte weiter steigen, erklärte der Krisenstab.
Der Brand war am Samstagmittag mitteleuropäischer Zeit durch eine Explosion ausgelöst worden. Bilder zeigten eine orangefarbene Wolke über dem Shahid-Rajai-Hafen nahe der Stadt Bandar Abbas aufsteigen.
Kurz danach kam es zu weiteren Explosionen. Iraner berichteten, die Explosionen seien auch noch in 50 Kilometer Entfernung zu spüren gewesen. Die Regierung rief Einsatzkräfte aus dem ganzen Land zusammen, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Doch am Sonntagnachmittag loderten die Flammen noch immer.
War Raketentreibstoff die Ursache?
Die Explosion ereignete sich, als sich Vertreter der USA und des Irans zu einer weiteren Gesprächsrunde über das umstrittene iranische Atomprogramm trafen. Von offizieller Seite heißt es bisher lediglich, die Explosion sei durch die unsachgemäße Handhabung von Chemikalien ausgelöst worden.
Laut dem auf maritime Risiken spezialisierten Beratungsunternehmen Ambrey Intelligence wurde der Brand indes durch die Explosion von Raketentreibstoff ausgelöst. Demnach handelte es sich um Festtreibstoff, der für die Verwendung in ballistischen Raketen bestimmt gewesen sei, berichtete die BBC. Es sei bekannt, dass ein unter iranischer Flagge segelndes Schiff im März 2025 eine Ladung mit Natriumperchlorat-Raketentreibstoff im Hafen entladen habe.
Das iranische Verteidigungsministerium widersprach der Darstellung. „Gemäß den Untersuchungen und Unterlagen gab es auf dem Shahid-Rajai-Hafen keine militärische Fracht“, sagte Ministeriumssprecher Reza Talaei-Nik dem staatlichen Fernsehen.
Natriumperchlorat dient als Sauerstofflieferant von Festtreibstoffen. Diese sind einfacher zu handhaben als flüssige oder gasförmige Treibstoffe. Zudem können sie nicht entweichen.
Der Iran hat sein Raketenprogramm in den letzten Jahren massiv ausgebaut. Die USA wollen, dass es Teil der laufenden Verhandlungen über das iranische Atomprogramm wird. Die Iraner lehnen das jedoch strikt ab, wie Außenminister Abbas Araghchi noch einmal deutlich gemacht hat.
Vertreter des Irans und der USA trafen sich am Samstag zu ihrer dritten Gesprächsrunde, um eine Lösung für den Konflikt zu finden. Das Treffen in Omans Hauptstadt Muskat wurde, wie schon die vorigen Gespräche, von Araghchi und dem US-Sondergesandten für den Nahen Osten Steve Witkoff angeführt.
Erste Unstimmigkeiten in den Atomverhandlungen
Die Gespräche seien ernsthafter gewesen als die zuvor, sagte Araghchi nach dem Treffen dem staatlichen iranischen Fernsehen. Beide hätten „detaillierte, technischere und komplizierte“ Themen diskutiert. Das bedeute aber nicht, dass die Differenzen ausgeräumt seien. „Zwischen beiden Ländern gibt es sowohl in zentralen Fragen als auch in den Details weiterhin Meinungsverschiedenheiten.“
Insgesamt zeigte sich der Außenminister zufrieden mit dem Verlauf der Gespräche. Er hoffe, dass eine Einigung erzielt werden könne, sagte Araghchi. Beide Seiten seien ernsthaft bemüht. Ob ein Abkommen erzielt werden könne, sei aber nicht sicher.
Omans Außenminister Al-Busaidi, der als Vermittler agiert, äußerte sich ebenfalls deutlich zurückhaltender als nach der zweiten Gesprächsrunde. Beide Seiten hätten ihr Bestreben deutlich gemacht, eine Einigung zu erzielen, erklärte Al-Busaidi. Die wichtigsten Grundsätze, Ziele und technischen Fragen seien angesprochen worden. Ein weiteres Treffen sei für den 3. Mai geplant.
„Ich denke, wir werden ein Abkommen mit dem Iran schließen“, sagte US-Präsident Donald Trump in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit dem „Time Magazine“. „Niemand sonst kann das.“ Trump hatte 2018 das Atomabkommen von 2015 einseitig aufgekündigt. Damit hatte er die Eskalation eingeläutet, die dazu führte, dass der Iran heute so viel hoch angereichertes Uran besitzt, dass es theoretisch für sechs Nuklearsprengköpfe reichen würde.
Der Hafen ist der wichtigste Warenumschlagplatz
In der US-Regierung gibt es verschiedene Fraktionen, die sich über das Ziel der Verhandlungen erbittert streiten. Für die Iraner steht das Ziel hingegen fest: die Aufhebung der schweren Wirtschaftssanktionen.
Insofern ist der Brand im Hafen Shahid Rajai ein weiterer harter Schlag. Der in den letzten Jahren modernisierte Hafen ist nach dem Jebel-Ali-Hafen in den Vereinigten Arabischen Emiraten der zweitgrößte in der Region.
Der Hafen ist Dreh- und Angelpunkt für den Seehandel, hier werden zwischen 85 und 90 Prozent des iranischen Seehandels abgewickelt. Er ist Umschlagplatz für zahlreiche Güter, die sowohl im- als auch exportiert werden, etwa Stahl, Mineralien und Güter für die Petrochemie. Nach offiziellen Angaben werden jährlich 75 Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen.