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StaatsverschuldungGriechenland beschleunigt Schuldenabbau

Die griechische Regierung will 2026 weitere Hilfskredite vorzeitig zurückzahlen. Schon in diesem Jahr soll die Schuldenquote unter das Vorkrisenniveau fallen.Gerd Höhler 10.10.2025 - 13:25 Uhr Artikel anhören
Kyriakos Mitsotakis: Der griechische Premier gilt inzwischen als Garant für solide Staatsfinanzen. Foto: AFP

Athen. Griechenland will den Makel der höchsten Schuldenquote in der EU so schnell wie möglich loswerden. 2027 soll Italien den unrühmlichen Spitzenplatz übernehmen. Bereits in diesem Jahr erreicht Griechenland zwei wichtige Wendepunkte: Die Schuldenquote fällt unter das Vorkrisenniveau, und erstmals seit Beginn der Krise sinken die Staatsschulden nicht nur im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung, sondern auch absolut.

So steht es im Haushaltsentwurf für 2026, den Finanzminister Kyriakos Pierrakakis in dieser Woche vorlegte. Für das kommende Jahr rechnet er mit einem Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent.

Damit würde Griechenlands Wirtschaft bereits im sechsten Jahr in Folge deutlich stärker zulegen als der EU-Durchschnitt. Für 2025 erwartet die Regierung ein Plus von 2,2 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP), während die EU-Kommission für die gesamte Union lediglich ein Wachstum von 1,1 Prozent prognostiziert.

Das kräftige Wachstum trägt maßgeblich zur Senkung der Schuldenquote bei, die im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) berechnet wird. Der Finanzminister erwartet bis Ende dieses Jahres einen Schuldenstand von 145,4 Prozent. Damit würde die Quote erstmals unter das Vorkrisenniveau von 147,8 Prozent sinken.

Während in 16 der 27 EU-Staaten die Schuldenquote steigt, zeigt der Trend in Griechenland klar nach unten. Für 2026 sieht der Haushaltsentwurf einen weiteren Rückgang auf 137,6 Prozent vor. Noch hat Griechenland im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung die höchsten Schulden in der EU – doch kein anderes Land hat seine Quote seit 2020 so stark gesenkt: um insgesamt 61,2 Prozentpunkte.

Athen zahlt Kredite an IWF und EU-Staaten früher zurück

Auch die absolute Schuldenlast geht zurück, in diesem Jahr voraussichtlich um zwei Milliarden Euro auf 362,8 Milliarden. Für 2026 wird ein weiterer Rückgang auf 359 Milliarden Euro erwartet.

Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die vorzeitige Tilgung von Hilfskrediten. Die Darlehen des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus den Jahren 2010 und 2012 über 21,7 Milliarden Euro hat Griechenland bereits 2022 vollständig und damit zwei Jahre früher als geplant zurückgezahlt. Von den bilateralen Krediten der Euro-Partner, die Athen zu Beginn der Krise mit 52,9 Milliarden Euro zur Hilfe kamen, wurden bereits 21,3 Milliarden vorzeitig getilgt.

Im Dezember will Finanzminister Pierrakakis weitere 5,29 Milliarden Euro zurückzahlen – Kreditraten, die regulär erst zwischen 2031 und 2040 fällig wären. Die verbleibenden 26,3 Milliarden sollen bis 2031 beglichen werden, zehn Jahre früher als ursprünglich vorgesehen. Für die vorzeitigen Tilgungen kann der Finanzminister auf Haushaltsüberschüsse und Barreserven zurückgreifen. Nach Angaben der staatlichen Schuldenagentur PDMA beliefen sich die Rücklagen Ende Juni auf 42 Milliarden Euro.

Kyriakos Pierrakakis: Griechenlands Finanzminister, hier rechts neben Spaniens Finanzminister Carlos Cuerpo, kann auf üppige Reserven zugreifen. Foto: Bloomberg

Der zügige Schuldenabbau stärkt das Vertrauen der Finanzmärkte. Seit dem Frühjahr bewerten alle fünf großen Ratingagenturen Griechenland wieder als investitionswürdigen Schuldner. In dieser Woche hob auch die japanische Ratingagentur R&I ihre Bewertung auf „BBB“ an. Die Analysten begründen das Upgrade mit dem überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum, der politischen Stabilität, den Reformfortschritten und der soliden Finanzpolitik der Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis.

Griechenland kann sich günstiger Geld leihen als Italien und Frankreich

Auch die Investoren honorieren das. Trotz der nach wie vor hohen Gesamtverschuldung kann sich Griechenland derzeit günstiger refinanzieren als Italien und Frankreich – aus zwei Gründen.

Der erste liegt in der Schuldenstruktur. Nach Angaben der PDMA befinden sich 69 Prozent der Verbindlichkeiten in den Händen öffentlicher Gläubiger wie des Euro-Stabilitätsmechanismus (ESM). Die Zinsen dieser Kredite sind mit durchschnittlich 1,33 Prozent sehr niedrig, und die durchschnittliche Restlaufzeit der Staatsschulden beträgt 18,8 Jahre – die längste in der gesamten EU.

Zweitens profitiert das Land von politischer Stabilität. Mitsotakis regiert das Land seit dem Sommer 2019 mit absoluter Mehrheit. Die nächste Wahl steht erst 2027 an. Der Regierungschef treibt Strukturreformen wie die Digitalisierung der Steuerverwaltung und des öffentlichen Dienstes voran. Er gilt als Garant einer soliden Haushaltspolitik: „Fiskalische Stabilität ist das Fundament, auf dem unsere gesamte Politik aufbaut – für mich ist das eine persönliche Verpflichtung“, betont er.

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Nach der jüngsten Prognose der EU-Kommission zur Schuldentragfähigkeit der Mitgliedstaaten wird Griechenland 2027 die Rolle des EU-Landes mit der höchsten Schuldenquote an Italien abgeben. 2031 dürfte Athen auch Frankreich und 2033 Belgien hinter sich lassen. Bis das Land jedoch die Vorgabe des EU-Stabilitätspakts erfüllt, der eine Schuldenobergrenze von 60 Prozent des BIP vorsieht, wird noch viel Zeit vergehen. Der griechische Zentralbankchef Yannis Stournaras rechnet damit erst in rund 40 Jahren.

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