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SteuerhinterziehungGriechenland meldet Erfolge im Kampf gegen die Schattenwirtschaft

Das einstige Krisenland bekämpft erfolgreich Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung. Damit verschafft sich die Regierung neuen Spielraum für Steuersenkungen. Welche Forderungen es dazu gibt.Gerd Höhler 01.07.2025 - 15:25 Uhr Artikel anhören
Gerüstbauer auf einer Baustelle: Zuverlässige Indizien für den Rückgang der Schwarzarbeit in Griechenland. Foto: dpa

Athen. „Greek Statistics“ waren während der griechischen Staatsschuldenkrise in den 2010er-Jahren ein geflügeltes Wort. Es bezog sich nicht nur auf geschönte Defizitzahlen der damaligen Regierung in Athen. Zweifel an den Daten der staatlichen Statistikbehörde Elstat gab es auch wegen des riesigen Ausmaßes der griechischen Schattenwirtschaft.

Darunter versteht man legale und illegale wirtschaftliche Aktivitäten, die weder gemeldet noch versteuert werden. Den größten Anteil daran haben Schwarzmarkt und Schwarzarbeit. Die Schattenwirtschaft gilt als eine der Ursachen der griechischen Staatsschuldenkrise.

Eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Piräus beziffert das Ausmaß der Schattenwirtschaft für das Jahr 2013, als die krisenbedingte Rezession ihren Tiefpunkt erreichte, auf 36,18 Prozent des offiziell ermittelten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der Internationale Währungsfonds (IWF) nennt für 2013 als Schätzung 30 Prozent. Damit hielt das Land einen unrühmlichen Rekord in der EU.

Bemerkenswerte Fortschritte

Vor allem in der Gastronomie, im Handwerk und bei den Dienstleistern laufen in Griechenland traditionell viele Umsätze am Fiskus vorbei. Aber inzwischen macht das Land bemerkenswerte Fortschritte bei der Eindämmung der Schattenwirtschaft.

Der griechische Finanzminister Kyriakos Pierrakakis beziffert sie aktuell auf 15 Prozent. Das entspräche einer Halbierung innerhalb von zehn Jahren. Der Ökonomieprofessor Ioannis Tsoukalas, Direktor des Haushaltsamtes des griechischen Parlaments (PBO), nannte jetzt für das Jahr 2023 einen Wert von 16 bis 18 Prozent des offiziellen BIP.

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Andere Berechnungen ergeben allerdings eine Größenordnung von mehr als 20 Prozent. So beziffern Wissenschaftler der Universität Linz und der Universität Tübingen in einer gemeinsamen Studie das Verhältnis der Schattenwirtschaft zum offiziellen BIP in Griechenland für das Jahr 2024 auf 21,9 Prozent. Zum Vergleich: Für Deutschland kommt die Studie auf 11,3 Prozent.

Die Differenzen in den Angaben sind nicht nur unterschiedlichen Ansätzen in der Methodik geschuldet, sondern vor allem dem Umstand, dass die Schattenwirtschaft per se schwer zu messen ist, weil ihre Aktivitäten bewusst verborgen bleiben.

Immer schwieriger, Einnahmen zu verheimlichen

Aber es gibt ein zuverlässiges Indiz für den Rückgang der Schattenwirtschaft in Griechenland: das steigende Aufkommen bei der Mehrwertsteuer (MwSt). Im Jahr 2017 betrug die sogenannte MwSt-Lücke – die Differenz zwischen geschuldeten und tatsächlichen MwSt-Einnahmen – in Griechenland nach Berechnungen der EU-Kommission 34 Prozent. 2022 waren es nur noch 13,7 Prozent. Der EU-Durchschnitt lag bei sieben Prozent.

2024 ist die Lücke in Griechenland nach vorläufigen Schätzungen unter zehn Prozent gesunken. MwSt-Einnahmen von 24,4 Milliarden Euro hatte der Finanzminister im Budget angesetzt, kassieren konnte er 26,3 Milliarden. Der Trend setzt sich in diesem Jahr fort: Für 2025 rechnete Finanzminister Pierrakakis im Haushaltsplan mit einem Anstieg des MwSt-Aufkommens um 4,5 Prozent. Tatsächlich stiegen die Einnahmen in den ersten fünf Monaten um neun Prozent.

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Milliarden Euro
Steuermehreinnahmen 2024 durch Erfolge beim Kampf gegen die Schattenwirtschaft

Auch die anderen Steuerquellen sprudeln stärker als erwartet. Die Einnahmen lagen Ende Mai sechs Prozent über dem Plan. Zu verdanken ist das vor allem der Digitalisierung der Finanzverwaltung und der Zunahme bargeldloser Transaktionen. Das Volumen der Kartenzahlungen hat sich zwischen 2019 und 2024 von 26,2 auf 67,7 Milliarden Euro um fast 160 Prozent erhöht. Damit wird es für Händler und Dienstleister immer schwieriger, dem Fiskus Einnahmen zu verheimlichen.

Spielraum für Steuersenkungen

Die Erfolge beim Kampf gegen die Schattenwirtschaft haben dem Finanzminister bereits im vergangenen Jahr Mehreinnahmen von rund zwei Milliarden Euro beschert. Damit bekommt die Regierung Spielraum für Steuersenkungen.

Griechenlands Zentralbankgouverneur Yannis Stournaras fordert eine umfassende Steuerreform. Vor allem Angestellte seien gegenwärtig benachteiligt, argumentiert Stournaras. Das verteuere die Arbeitskosten.

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Auch PBO-Chef Tsoukalas mahnt Reformen an. So sei der Sprung zwischen dem Einstiegssteuersatz von neun Prozent für Jahreseinkommen bis zu 10.000 Euro und der darüber greifende Steuersatz von 22 Prozent zu groß, argumentiert der Ökonom. Auch der Spitzensteuersatz von 44 Prozent für Jahreseinkommen ab 40.000 Euro greift nach Meinung vieler Fachleute zu früh.

Premierminister Mitsotakis sieht ebenfalls Handlungsbedarf. Er will seine Pläne für Steuersenkungen Anfang September bekannt geben.

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