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Swetlana Tichanowskaja Eine Ersatzlösung wird zur Konkurrenz von Alexander Lukaschenko

Die Übersetzerin sprang für ihren inhaftierten Mann bei Weißrusslands Präsidentschaftswahlen ein. Nun gilt sie als aussichtsreiche Kandidatin.
05.08.2020 - 14:47 Uhr Kommentieren
Sie sieht sich selbst nur als Übergangspräsidentin. Quelle: AFP
Swetlana Tichanowskaja

Sie sieht sich selbst nur als Übergangspräsidentin.

(Foto: AFP)

Moskau Er finde die Präsidentschaftskandidatinnen am sympathischsten, bekannte jüngst Weißrusslands Dauerpräsident Alexander Lukaschenko. Die machten keinen Lärm und hätten trotzdem mehr Unterstützerunterschriften gesammelt als die männlichen Kandidaten, die im Internet für sich trommeln, fügte er belustigt hinzu.

Die Sympathie des Amtsinhabers für seine zwei Herausforderinnen Swetlana Tichanowskaja und Anna Kanopazkaja hat noch einen Grund: Er sieht sie nicht als echte Konkurrenz und sprach dem „schwachen Geschlecht“ die Fähigkeit ab, in der Präsidialrepublik Weißrussland die Führung zu übernehmen.

Doch inzwischen ist ihm das Lachen vergangen. Schuld daran ist eine Frau, die eigentlich gar nicht an der Wahl teilnehmen wollte. Denn Swetlana Tichanowskaja ist für ihren Ehemann Sergej Tichanowski eingesprungen, einen Blogger und Unternehmer, den die Behörden als potenziell gefährlichen Gegner Lukaschenkos schon vor der Registrierung inhaftierten.

Während Anna Kanopazkaja eher eine Statistenrolle zugeschrieben wird, schlägt sich die „Ersatzfrau“ wacker. Die 37-Jährige aus dem Gebiet Brest an der Grenze zu Polen wartete in ihren Wahlspots mit einer mutigen Kampfansage auf. Erstmals seit Jahren hörten die Weißrussen so im Staatsfernsehen scharfe Kritik am Präsidenten.

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    Tichanowskaja warf Lukaschenko Lüge und Manipulation, Einschüchterung und Gewalt vor und bezichtigte ihn der Korruption: „Wir brauchen keine 17 Residenzen wie die derzeitige Obrigkeit, wir brauchen keine Privatjets für mehrere 100 Millionen Dollar und keine teuren Events für den Präsidenten und seine Familie auf Kosten des Volkes – und wir werden euer Geld nicht für unser Vergnügen verprassen, wie es unsere jetzige Obrigkeit tut“, versprach sie.

    Bild einer Übergangspräsidentin

    Tichanowskaja spricht einfach, sie erzählt von der Angst um ihre Kinder nach anonymen Drohungen, aber auch von ihrer Entschlossenheit, für ihren inhaftierten Mann weiterzukämpfen. Sie ist keine professionelle Politikerin, sondern Übersetzerin mit einem Diplom für Englisch und Deutsch. Aber sie sieht sich auch nicht als Politikerin, sondern als Übergangspräsidentin, deren wichtigstes Ziel es ist, Bedingungen für eine faire Wahl in Belarus zu schaffen. Ihre Ehrlichkeit kommt an: Sie hat es geschafft, die Opposition um sich zu vereinen.

    Zwei aussortierte Ex-Kandidaten unterstützen sie, und Ende Juli bei einer offiziellen Kundgebung der Oppositionskandidatin in Minsk versammelte sie 63.000 Menschen, die größte Protestaktion seit der Unabhängigkeit des Landes.

    Eine faire Abstimmung könnte sie tatsächlich gewinnen, sind die Weißrussen doch Lukaschenkos überdrüssig. Daher hat Tichanowskaja nun Angela Merkel gebeten, auf den seit 1994 herrschenden „letzten Diktator Europas“ einzuwirken, eine solche Wahl zuzulassen.

    Die Chancen darauf sind aber gering: Bisher waren Wahlen in Weißrussland keineswegs fair und nun hat der Präsident seine Trumpfkarte hervorgeholt: eine Bedrohung der nationalen Sicherheit durch äußere Mächte, als deren Handlanger die Opposition angeblich dient.

    Zuletzt gingen die Vorwürfe Richtung Moskau, nachdem 33 russische Söldner in Minsk festgenommen wurden. Das Szenario eines „Maidan“ soll die Weißrussen schrecken und es Lukaschenko erlauben, sich als starker Mann und Bewahrer der Nation zu präsentieren. Das Militär ist bereits mobilisiert. Für Tichanowskaja wird die Aufgabe so noch schwerer: Sie muss den Sieg nicht nur erringen, sondern ihn auch auch festhalten.

    Mehr: Lukaschenko warnt zur Wahl vor Putschversuch in Weißrussland.

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