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Thailand Flucht aus dem Paradies – Wie das Coronavirus die Tourismus-Region Thailand trifft

Die Bundesregierung holt Tausende gestrandete Touristen aus Thailand zurück. Für das Urlaubsland ist die Abreise der letzten Gäste eine bittere Nachricht. Es droht eine schwere Rezession.
04.04.2020 - 13:27 Uhr Kommentieren
Die Coronakrise hat die für Thailand besonders wichtige Tourismusbranche getroffen. Quelle: AFP
Leere Straßen in Bangkok

Die Coronakrise hat die für Thailand besonders wichtige Tourismusbranche getroffen.

(Foto: AFP)

Bangkok Eigentlich wollten Brunhilde und Günther Pelz noch bis Mitte Mai in Thailand bleiben. Die Virus-Pandemie bringt das Ehepaar aus Detmold nun zu einer verfrühten Abreise: „Wir wären eigentlich gern noch länger geblieben“, sagt Günther Pelz. „Aber wegen der Reisewarnungen wäre dann unsere Krankenversicherung abgesprungen.“

Die Suche nach einem Rückflug war für die beiden Rentner, die jedes Jahr drei Monate auf der Insel Koh Samui verbringen, nicht einfach. Bei den wenigen Airlines, die noch fliegen, kosteten die meisten One-Way-Economy-Tickets plötzlich mehr als 1000 Euro. Ein noch vergleichsweise günstiger Flug bei Oman Air, den das Paar buchte, wurde kurzfristig wieder abgesagt.

Als letzte Option sah das Ehepaar das Rückholprogramm der Bundesregierung. Herr und Frau Pelz warteten am Freitagmorgen am Bangkoker Flughafen auf den ersten Sonderflug aus der thailändischen Hauptstadt, der sie bis zum Abend zurück nach Deutschland bringen sollte.

Rund ein Dutzend Charterflüge sind in den kommenden Tagen geplant, um gestrandete Urlauber zurück nach Europa zu bringen. Durchgeführt werden sie von Condor, jeder Flug bietet Platz für 250 Passagiere.

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    Die Rückholaktion aus dem südostasiatischen Land ist einer der größten Einsätze des Auswärtigen Amtes in der Coronakrise. „Keiner hat sich vorgestellt, dass der Thailandurlaub so zu Ende geht“, sagte Botschafter Georg Schmidt, der den Check-in in neonfarbener Warnweste überwacht.

    Abgesehen von den deutschen Heimkehrern wirkt die riesige Abflughalle in Bangkok wie ausgestorben. Der Flughafen fertigte im vergangenen Jahr rund 70 Millionen Passagiere ab. Nun steht auf den Anzeigetafeln hinter fast jedem einzelnen aufgeführten Flug das Wort: „Cancelled“. Fast alle Schalter sind geschlossen, Putzpersonal schreitet menschenleere Gänge ab, Angestellte in einem Zeitungskiosk decken ihr Schaufenster mit einer Plastikplane ab.

    Abhängig vom Tourismus

    Die Abreise der letzten Touristen ist für Thailand ein bitterer Moment: Kein anderes Land in Asien ist so abhängig vom Geschäft mit den Urlaubern wie Thailand.

    In der Coronakrise droht das Land nun die stärkste Rezession der Region abzubekommen. Die Weltbank geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um drei bis fünf Prozent schrumpfen wird – während Asiens Schwellenländer insgesamt sogar noch auf ein Wachstum von bis zu zwei Prozent hoffen können.

    Auch Thailands Zentralbank stimmt die Bevölkerung auf ein hartes Jahr ein: Sie prognostiziert gar einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 5,3 Prozent. So schlimm war es um Südostasiens zweitgrößte Volkswirtschaft seit der Asienkrise 1998 nicht mehr bestellt.

    Der Niedergang des Tourismus ist einer der Hauptgründe für den Crash: Laut der Branchenvereinigung World Travel and Tourism Council stand das Geschäft mit Reisenden direkt und indirekt zuletzt für rund 20 Prozent der Wirtschaftsleistung im Land. Diese Einnahmequelle ist nun aber quasi vollständig versiegt.

    In der Strandmetropole Pattaya und auf der Insel Phuket – zwei der beliebtesten Touristenziele – haben die Behörden angeordnet, dass Hotels keine Gäste mehr aufnehmen dürfen. Auch Phukets Strände sind geschlossen – statt Urlaubern sind dort nur noch patrouillierende Polizisten zu sehen. Kommende Woche soll auch der internationale Flughafen auf der Insel vorerst dichtmachen.

    Landesweit haben alle Bars und Restaurants geschlossen. Essen darf nur noch zum Mitnehmen verkauft werden. Seit Freitagabend gilt zudem eine nächtliche Ausgangssperre. Ein Urlaubsland ist Thailand vorerst nicht mehr.

    Der lokale Hotelverband rechnet damit, dass 1,6 Millionen Angestellte von der Krise betroffen sein werden. In Bangkok kam es zu einem Exodus von Arbeitern, die sich in ihre Heimatorte in den Provinzen oder Nachbarländern zurückzogen.

    Tierschützer warnen, dass die Krise auch Hunderte Elefanten trifft, die in Touristenattraktionen in Gefangenschaft leben. Ihren Besitzern droht ohne Besuchern das Geld für das kostspielige Futter auszugehen.

    Die Regierung von Premierminister Prayut Chan-ocha versucht, die Krise mit umfangreichen Konjunkturpaketen zu dämpfen: Sie beschloss bereits zwei Ausgabenprogramme mit einem Volumen von rund drei Prozent der Wirtschaftsleistung.

    Am Freitag kündigte Wirtschaftsminister Somkid Jatusripitak ein weiteres Programm im Umfang von rund zehn Prozent des BIP an. „Die Behörden tun, was sie können“, kommentierte Prakash Sakpal, Ökonom bei der Bank ING.

    Doch die nun ausbleibenden Ausgaben ausländischer Gäste wird die Regierung nicht ersetzen können. Und eine schnelle Rückkehr der Touristen ist kaum zu erwarten.

    Die nationale Fluglinie Thai Airways hat bereits angekündigt, den Flugbetrieb bis Ende Mai einzustellen. Die Maschinen der Airline parken nun ungenutzt am Flughafen.

    Bewegung auf dem Rollfeld kommt vorerst in erster Linie von Rückholflügen wie denen der Bundesregierung. Die Flüge, bei denen auch EU-Staatsbürger mitreisen können, sollen vorerst täglich stattfinden – bis die Nachfrage nachlässt und auch die letzten Urlauber wieder zu Hause sind.

    Mehr: Rückholaktion aus dem Ausland: Wie ein deutsches Paar die Rückreise aus Marokko erlebte. Lesen Sie hier mehr.

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