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Corona-Pandemie Rückholaktion aus dem Ausland: Wie ein deutsches Paar die Rückreise aus Marokko erlebte

Angesichts der Coronakrise werden derzeit Hunderttausende Deutsche aus dem Ausland zurückgeholt. Damit waren die deutschen Behörden zunächst jedoch heillos überfordert.
28.03.2020 - 12:09 Uhr Kommentieren
Passagiere warten am Flughafen von Marrakesch auf den Check-in. Quelle: dpa
Flughafen Marrakesch

Passagiere warten am Flughafen von Marrakesch auf den Check-in.

(Foto: dpa)

Berlin Ende Februar starteten Carina Müller und ihr Freund Stefan* ihre Marokko-Rundreise von Agadir bis in die Sahara, die ganze Dramatik der Coronakrise war da noch nicht absehbar. Doch zwei Wochen später wurde die Reise zum Horrortrip. Marokko strich, wie viele andere Staaten zu der Zeit, alle internationalen Flüge.

Auch Carina und Stefan bekamen die Nachricht ihrer Fluggesellschaft, dass ihr Flug, der sie am 15. März wieder nach Deutschland bringen sollte, storniert wurde. Mit Tausenden Touristen saßen sie nun in Marokko fest, ärgerten sich über Fehlinformationen und erlebten Panikszenen am Flughafen.

Die Bundesregierung hat gemeinsam mit Reiseveranstaltern und der Lufthansa inzwischen mehr als 150.000 wegen der Coronakrise im Ausland gestrandete Deutsche zurückgeholt.

„Wir haben den Rückfluss aus den Haupturlaubsgebieten weitestgehend abgeschlossen und widmen uns jetzt ganz besonders Ländern auch in weiterer Entfernung“, sagte Außenminister Heiko Maas am Montag nach einer Videoschalte mit seinen EU-Amtskollegen. Es sei davon auszugehen, dass es bei der Aktion um mehrere Hunderttausend Deutsche im Ausland gehe.

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    Es ist die größte Rückholaktion in der Geschichte der Bundesrepublik. Und entsprechend groß waren zumindest am Anfang die Probleme. „Die ersten 24 Stunden hatten wir überhaupt keine Informationen vom Auswärtigen Amt bekommen“, erinnert sich Carina Müller. Weder über Facebook noch über die offizielle Homepage gab es von der Botschaft Informationen oder Anweisungen dazu, an wen sie sich hätten wenden können oder wo sie hinfahren sollten.

    Mit der Information, alle Grenzen seien dicht und alle Flugverbindungen seien abgesagt, blieben nicht nur Carina Müller und ihr Freund, sondern auch Tausende andere deutsche Urlauber in Marokko einige Tage in Ungewissheit, reisten zwischen Flughäfen und Unterkünften umher.

    Am Sonntag, dem 15. März um 15 Uhr meldet sich das Auswärtige Amt schließlich zu Wort – ausgerechnet per Instagram: Man solle bleiben, wo man sei, bekomme weitere Infos via E-Mail, solle Ruhe bewahren. „Wir hatten wie die meisten anderen versucht, die deutsche Botschaft in Marokko per Telefon zu erreichen“, so Müller. Doch weder die Hotline noch die Notfallnummer seien besetzt gewesen.

    Panik am Flughafen

    „Da wir nicht wussten, ob tatsächlich Flüge gehen würden und wir der Gefahr entgehen wollten, uns am Flughafen anzustecken und das Virus wieder ins Hotel zu schleppen, blieben wir in unserer Unterkunft in Fes“, erzählte Carina.

    Sie und ihr Freund hatten von Touristen in einer privat erstellten WhatsApp-Gruppe gelesen, die unter Massen auf den Flughäfen in Rabat, Casablanca oder Marrakesch vergeblich Flugverbindungen gesucht hatten – nur um nach der Ankunft dort wieder in die Städte zurückkehren zu müssen.

    Nach und nach schlossen jedoch die Restaurants, viele Unterkünfte und Shops in Marokko. „Tatsächlich wurde uns empfohlen, nachts auch nicht mehr aus der Unterkunft zu gehen, da der Tenor herrschte, dass Touristen das Virus nach Marokko eingeschleppt hätten und es auch Anfeindungen gegeben haben soll“, so die Touristin.

    An jenem Sonntagabend dann endlich eine Anweisung: Per Facebook meldete das Auswärtige Amt bestimmte Zeiten und Flughäfen, zu denen Touristen die letzte Möglichkeit hätten, auszureisen. Reisende sollten sich in Casablanca um 8 Uhr morgens pünktlich einfinden, um Flüge zugeteilt zu bekommen.

    Müller und ihr Freund mussten um zwei Uhr nachts von Fes ins knapp 300 Kilometer entfernte Casablanca zum Flughafen fahren. „Für uns als Paar um die 30 Jahre noch machbar. Für Familien mit Kindern oder allein reisende Frauen sieht das aber anders aus“, so Müller.

    Am Flughafen erwartete sie, wie auch Tausende andere deutsche, französische und andere europäische Reisende Gedränge ohne Absperrungen, sich ständig ändernde Informationen auf den Bildschirmen und Massenpanik. „Die Leute liefen immer zwischen den Terminals hin und her, weil sich die Informationen ständig änderten“, so Müller. „Wir sahen auch, wie zwei Leute kollabierten, und es dauerte lange, bis Hilfe kam.“

    Auswärtiges Amt setzte auf Eigeninitiative

    Informationen von der deutschen Botschaft in Marokko kamen weiter über Facebook-Videos. „Sorgen Sie sich nicht, es wird für alle einen Platz geben“, meldete Botschafter Götz Schmidt-Bremme. Zahlreiche wütende Kommentare von Urlaubern am Flughafen folgten, da die Zustände alles andere als geregelt abgelaufen seien.

    „Es sind Menschen, die seit gestern nicht geschlafen haben und nun seit 24 Stunden wach sind! Jetzt stehen sie dort, und es gibt keinerlei Infos !!“ oder „Gerade die Info vom Botschaftsmitarbeiter bekommen, dass nur noch eine Maschine mit 275 Plätzen heute abfliegt. Hier sind noch mindestens über 800 Leute“, kommentierten Facebook-Nutzer das Video des Botschafters.

    Einige Urlauber dürften weniger oder keine Komplikationen gehabt haben, denn einige begrüßten das Vorgehen des Auswärtigen Amtes in ihren Kommentaren auch. „Hört euch das Video bis zum Schluss an!!! Keiner, der ausreisewillig ist, bleibt zurück“, schrieb eine Userin. Ein weiterer Facebook-Kommentar lautete: „Herzlichen Dank, dass ihr uns nach Hause gebracht habt.“

    Außerdem riet die Botschaft in einer Meldung zum Kauf von noch verfügbaren kommerziellen Flügen. „Eigeninitiative hat Vorrang“, schrieb sie in ihrer Meldung zu der aktuellen Lage am Flughafen.

    In einer ähnlichen Situation wie europäische Urlauber befanden sich bis Donnerstag vergangener Woche auch US-amerikanische Touristen in Marokko. Wie die „New York Times“ berichtete, saßen zahlreiche US-Bürger am Mittwoch noch auf den Flughäfen in Marokko fest und konnten ihr Außenministerium nicht erreichen.

    „Jeder hat volles Verständnis, dass sich auf so eine Situation niemand vorbereiten kann und sich die Botschaft erst organisieren muss“, so Touristin Müller, die es mit ihrem Freund vor zwei Wochen geschafft hat, ein Flugticket vom Auswärtigen Amt für die Heimreise ausgestellt zu bekommen. „Aber es muss doch ein Protokoll geben, wie in Krisensituationen gehandelt wird, statt erst einmal 24 Stunden gar nicht zu kommunizieren.“

    *Namen von der Redaktion geändert

    Mehr: Die Coronakrise trifft die Volkswirtschaften in Südeuropa aktuell besonders hart. EU-Hilfen sind unvermeidlich. Eine Analyse dieser prekären Situation.

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