Ukraine-Krieg: Was passiert, wenn die Offensive der Ukraine scheitert?
Verhandlungen, die vom Westen ausgehen, könnten aber nur aus der Position der Stärke heraus geführt werden, meint der Militäranalyst Mykola Bielieskov.
Foto: dpaBerlin. Die Ukraine und die Gegenoffensive – seit Wochen wird über ihren Erfolg oder Misserfolg spekuliert. Mit dem Vorstoß war die Hoffnung verbunden, dass dem von Russland angegriffenen Land ein entscheidender Schlag gegen den Aggressor gelingt. Signifikante Geländegewinne können die ukrainischen Truppen zuletzt allerdings nicht aufweisen.
Am vergangenen Donnerstag veröffentlichte die „Washington Post“ dann die Einschätzung von US-Geheimdiensten: Die Ukraine wird ein wichtiges Ziel ihrer Offensive nicht erreichen – die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Melitopol und damit die Unterbrechung der russischen Landverbindung zur Halbinsel Krim.
Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba wies das prompt zurück. In der „Bild“-Zeitung vom Samstag sagte er, dass „die Analysten bei ihren Prognosen und langfristigen Vorhersagen vorsichtiger sein sollten. Wir brauchen nichts zu beweisen; unser Erfolg wird die Optimisten belohnen und den Ruf der Zweifler ruinieren“. Man brauche jedoch „langfristige Fähigkeiten, um mehr kurzfristige Ergebnisse zu erzielen“.
Der jüngsten Einschätzung des Generalstabsvorsitzenden der US-Streitkräfte, Mark Milley, zufolge ist Russland aktuell in der Defensive. „Die Russen haben hohe Verluste, die Moral ist nicht hoch und ihre Führung ist fragwürdig.“ Milley sagte in der „Washington Post“, dass die Gegenoffensive „lang, blutig und langsam und dazu sehr, sehr schwierig“ sei, die Ukraine aber eben „den Kampf kämpft“.