Ukraine-Krise: USA wollen Nord Stream 2 im Kriegsfall stoppen – ob Berlin will oder nicht
Vertrauen wieder herstellen.
Foto: dpaBerlin, Brüssel. Er wolle den deutschen Kanzler für sich selbst sprechen lassen, schiebt Jake Sullivan höflicherweise noch voran. Dann aber wird der Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden unmissverständlich: „Wenn Russland in der Ukraine einmarschiert, wird Nord Stream 2 gestoppt, so oder so.“
Mit diesem Interview, wenige Stunden vor der Ankunft von Olaf Scholz in Washington ausgestrahlt, hat die US-Regierung eines klar gestellt: Sie hat in der schier endlosen Debatte um die Ostseepipeline Nord Stream 2 die Geduld mit den Deutschen verloren. Kommt es zu einem russischen Überfall auf die Ukraine, werden die Amerikaner alles daran setzen, die Inbetriebnahme der Gasleitung zwischen Russland und Deutschland mit Sanktionen zu verhindern - ob es die Bundesregierung will oder nicht.
Das macht deutlich: Die erste persönliche Begegnung zwischen Scholz und Biden ist mehr als ein klassischer Antrittsbesuch. Es ist ein besonderes Treffen in Krisenzeiten, in denen vor allem der neue Kanzler in die Kritik geraten ist. Scholz wird in der Ukrainekrise vorgeworfen, zu zurückhaltend zu agieren, manchen im US-Kongress gilt der deutsche Kanzler schon als „unzuverlässig“ - vor allem wegen Nord Stream 2.