US-Wahl: Mit dieser Zukunftsvision positioniert sich Kamala Harris gegen Trump
New York. Kamala Harris hält einen kurzen Moment inne, bevor sie ihre Rede in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin beginnt. Es ist ihr erster offizieller Auftritt als Präsidentschaftskandidatin der Demokratischen Partei. Die Vizepräsidentin von Joe Biden steht seit Sonntagnachmittag im Zentrum der Aufmerksamkeit, nachdem Biden auf seine Kandidatur verzichtete und sich für Harris als seine Nachfolgerin aussprach.
Die 59-Jährige muss nun zeigen, wie sie den Republikaner Donald Trump schlagen will, und das in kürzester Zeit. Seit Sonntag bekommt sie viel Unterstützung. „Der Weg ins Weiße Haus führt durch Wisconsin“, sagt sie zur Begrüßung. Harris weiß, dass es bei dieser Wahl vor allem auf die Wechselwähler in einer Handvoll Bundesstaaten ankommt – in den sogenannten Swing States, die weder fest den Republikanern noch den Demokraten zugeschrieben werden. Und Harris hat keine Zeit zu verlieren.
Am Dienstag positionierte sie sich als Kandidatin der Mittelschicht, mit einer positiven Zukunftsvision: „Bei dieser Wahl stehen wir alle vor der Frage, in was für einem Land wir leben wollen“, rief sie. „Wollen wir in einem Land der Freiheit, des Mitgefühls und der Rechtsstaatlichkeit leben oder in einem Land des Chaos, der Angst und des Hasses?“
Kamala Harris spricht in Wisconsin über eine positive Zukunft
Harris betonte: „Wir haben die Zukunft im Blick. Und wir glauben an eine Zukunft, in der jeder Mensch die Möglichkeit hat, nicht nur zurechtzukommen, sondern voranzukommen.“ Die Republikaner dagegen wollten die erreichten Fortschritte „zurückdrehen“.
Nur gut 15 Minuten dauerte ihr Auftritt. Es ist eine Rede, die sie so ähnlich schon mehrfach bei Wahlkampfveranstaltungen gehalten hat, zuletzt erst am Montag. Ein demokratischer Parteistratege gibt zu bedenken: „Und dennoch fühlt es sich an, als hätte gerade ein neues Kapitel begonnen.“ Viele Amerikanerinnen und Amerikaner haben Harris’ Auftritte bislang kaum verfolgt. „Das ändert sich jetzt. Harris gibt dem Wahlkampf eine neue Energie, die wir bislang nicht gespürt haben.“
In nur 36 Stunden hat sich Harris die Unterstützung von fast allen einflussreichen Demokraten gesichert sowie die nötige Mehrheit der Delegierten, die sie in Kürze offiziell zur Kandidatin nominieren werden. Zudem konnte sie sich viele Spendengelder von großen und kleinen Geldgebern sichern, insgesamt mehr als 100 Millionen Dollar – ein neuer Rekord.
Erste Umfragewerte geben ihr einen knappen Vorsprung. So würde sie bundesweit 44 Prozent der Wählerstimmen bekommen, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Analysehauses Ipsos zeigt, die am Montag und Dienstag geführt wurde. Trump kommt demnach auf 42 Prozent.
Dennoch muss die ehemalige Staatsanwältin in den kommenden Wochen einen schwierigen Balanceakt schaffen: Sie muss sich als Kandidatin mit neuen Ideen positionieren und darf sich gleichzeitig nicht zu sehr von Joe Biden distanzieren, schließlich wird sie bis zum Ende von dessen Amtszeit im Januar Vizepräsidentin bleiben.
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US-Wahlkampf: Harris präsentierte noch keine konkreten Ideen
Konkrete neue Programme präsentierte Harris am Dienstag nicht. Sie wird sich weiter für Frauenrechte starkmachen. Doch in Wisconsin, wo Trump und die Republikaner gerade ihren Parteitag abgehalten haben, sind wirtschaftliche Fragen besonders wichtig für die Wähler.
In diesem Bundesstaat gibt es zwar einige Anzeichen für eine robuste Wirtschaft: Im Mai hatte der Staat eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten des Landes und verbuchte relativ hohe Lohnzuwächse. Dennoch sind die Wähler mehrheitlich unzufrieden mit der wirtschaftlichen Lage in Wisconsin und in den USA insgesamt.
Harris’ Stil im politischen Kampf gegen die Republikaner ist von ihrer Zeit als Staatsanwältin geprägt. „Ich habe es mit Straftätern aller Art zu tun gehabt – mit jenen, die Frauen missbraucht haben, mit Betrügern, die Verbraucher abgezockt und Gesetze zu ihrem eigenen Vorteil gebrochen haben“, sagte Harris am Dienstag. „Sie können mir also glauben, wenn ich sage, dass ich Menschen wie Donald Trump gut kenne.“
Erstpublikation: 23.07.2024, 21:32 Uhr.