USA und Kuba: Gezerre um Guantanamo Bay
Der historische US-Stützpunkt ist einer der Hauptstreitpunkte in den Verhandlungen zwischen Kuba und den USA.
Foto: apWashington. Der US-Militärstützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba ist einer der Knackpunkte in den Verhandlungen über eine Annäherung zwischen Washington und Havanna, die am Freitag in die zweite Runde gehen. Der kubanische Staatschef Raúl Castro machte eine Rückgabe des 117 Quadratkilometer großen Gebiets am südöstlichen Zipfel des Karibikstaats zur Bedingung für eine Normalisierung des Verhältnisses. Die Regierung von US-Präsident Barack Obama stellte dagegen klar, dass die Vereinigten Staaten die strategisch wichtige Basis nicht aufgeben würden.
Die erste US-Militärpräsenz in der Guantanamo-Bucht geht auf den Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898 zurück. Die aufstrebenden Vereinigten Staaten unterstützten damals die Kubaner im Kampf um die Loslösung von Madrid, allerdings nicht ohne Eigeninteressen. Die USA hatten im 19. Jahrhundert vergeblich versucht, dem Königreich Spanien die Kolonie vor Floridas Südküste abzukaufen. Der US-Friedensschluss mit Madrid bescherte Kuba die Unabhängigkeit, die aber gleich eingeschränkt wurde: Washington ließ sich in der Verfassung des Karibikstaates ein Interventionsrecht zusichern.
Im Februar 1903 pachteten die Vereinigten Staaten dann Guantanamo für 99 Jahre und nutzten das Gelände als Nachschubbasis für die Dampfschiffe ihrer Marine. Im Jahr 1934 verlängerte ein Abkommen die US-Präsenz auf unbefristete Zeit. Das Ende des Pachtvertrages setzt demnach die Zustimmung beider Seiten voraus.
Die kommunistische Regierung in Kuba betrachtet die Vereinbarung als ungültig, das US-Außenministerium schickt aber jeden Sommer einen Scheck in Höhe von 4085 Dollar nach Havanna. Nur einmal - nach seiner Machtübernahme im Jahr 1959 - nahm der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro die Pachtzahlung an.
Guantanamo Bay ist die älteste genutzte US-Militärbasis in Übersee. Derzeit leben dort nach Angaben der US-Armee etwa 7500 Soldaten, Zivilangestellte und Familienmitglieder. Anfang der 90er Jahre kamen rund 34.000 Flüchtlinge aus Haiti in Guantanamo unter, die vor Unruhen nach einem Putsch in ihrer Heimat geflohen waren.
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 errichteten die USA unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush auf dem Stützpunkt ein Gefangenenlager für Terrorverdächtige. Menschenrechtsgruppen kritisieren, dass die Insassen dort ohne rechtsstaatlichen Schutz festgehalten werden. Obama hatte bei seinem Amtsantritt im Jahr 2009 die Schließung des Lagers versprochen, scheiterte bislang aber am Widerstand im US-Kongress.
Die USA hatten die diplomatischen Beziehungen zu Kuba 1961 als Reaktion auf die kubanische Revolution abgebrochen. Ein Jahr später verhängte Washington eine Wirtschaftsblockade gegen den nur etwa 150 Kilometer südlich von Florida gelegenen Karibikstaat. Im Dezember verkündeten Obama und Raúl Castro eine historische Kurskorrektur. Beide Länder wollen wieder eine Botschaft in der jeweils anderen Hauptstadt eröffnen. Bereits seit Mitte Januar gelten Reise- und Handelserleichterungen für Kuba, das wiederum mehr als 50 politische Gefangene freiließ.
Die ersten Gespräche über die Normalisierung der Beziehungen führten ranghohe Vertreter beider Länder vor gut einem Monat in Havanna. Die zweite Verhandlungsrunde findet am Freitag in Washington statt. Neben Guantanamo kommt auch der von Kuba geforderten vollständigen Aufhebung des Handelsembargos eine entscheidende Bedeutung zu. Dafür braucht Obama den Kongress - und dort haben die oppositionellen Republikaner mit ihrer Mehrheit in beiden Kammern heftigen Widerstand gegen die Pläne angekündigt.