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Weg aus dem Shutdown So sollen Restaurants und Hotels öffnen: Spanien plant „neue Normalität“ bis Ende Juni

Ministerpräsident Pedro Sánchez lockert die strengen Einschränkungen für Spaniens Bürger und Unternehmen. Dazu sind vier Phasen vorgesehen, die alle Teile der Wirtschaft betreffen.
28.04.2020 - 21:19 Uhr Kommentieren
Die strengen Regeln zur Corona-Eindämmung in Spanien könnten bald wieder verschwinden. Quelle: AP
Spanier schöpfen Hoffnung

Die strengen Regeln zur Corona-Eindämmung in Spanien könnten bald wieder verschwinden.

(Foto: AP)

Madrid Es war eine schwere Geburt: Mit vier Stunden Verspätung kam der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez am Dienstag aus der Kabinettssitzung, die den Weg aus der seit über sechs Wochen geltenden Ausgangssperre skizzieren sollte. Vorgesehen ist ein Plan in vier Stufen, die je nach Provinz zeitlich variieren können. Das Ziel ist, dass das ganze Land Ende Juni alle vier Phasen durchgemacht hat und, so Sánchez, dann eine „neue Normalität“ erreicht.

Hintergrund ist, dass die verschiedenen Landesteile unterschiedlich stark von dem Virus betroffen sind. Einige Inseln wie Formentera oder La Gomera haben kaum Infizierte, während der Großraum Madrid über ein Viertel aller Fälle aufweist. Fünf Inseln können deshalb die erste Stufe überspringen und gleich mit der zweiten starten.

Die geplanten Lockerungen beginnen am kommenden Montag, dem 4. Mai. Dann können Restaurants öffnen und zunächst Essen zum Mitnehmen anbieten. Firmen können Kunden mit vereinbartem Beratungstermin empfangen.

Diese erste Stufe dauert wie alle weiteren mindestens zwei Wochen. Der Übergang zur nächsten Phase ist daran gebunden, dass die Provinzen bestimmte Anforderungen erfüllen, die das spanische Gesundheitsministerium vorgibt. Dazu gehören unter anderem eine ausreichende Zahl von Betten auf den Intensivstationen oder eine bestimmte Entwicklung bei den Neuinfektionen.

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    Im Mai öffnen die Restaurantterrassen

    In der zweiten Stufe, der Phase eins, die ab dem 18. Mai beginnen kann, dürfen kleine Einzelhändler öffnen, nicht aber große Shoppingmalls. Restaurants können Kunden auf den Terrassen bedienen, aber sie dürfen nur ein Drittel ihrer Plätze besetzen, und auch Hotels dürfen unter bestimmten Sicherheitsvorkehrungen öffnen.

    In der nächsten Stufe dürfen Restaurants Kunden auch in Räumen bedienen und ein Drittel der Kapazitäten belegen, ebenso wie Kinos und Theater, Museen und Ausstellungsräume. Die Schulen sollen erst wieder im neuen Schuljahr im September starten. Kinder, deren Eltern beide arbeiten, sollen aber in der Schule betreut werden können.

    In der dritten und letzten Phase werden die Einschränkungen weiter aufgehoben. Geschäfte dürfen öffnen, wenn sie sich auf die Hälfte ihrer Kapazitäten beschränken, und auch Restaurants dürfen mehr Kunden bedienen.

    „Ende Juni sind wir als ganzes Land in der neuen Normalität, wenn die Entwicklung der Epidemie in jedem der einzelnen Gebiete kontrolliert verläuft“, sagte Sánchez. „In dem Moment enden die sozialen und wirtschaftlichen Einschränkungen“. Die Entwicklung werde aber weiter überwacht, und auch die Hygieneregeln müssten weiter eingehalten werden, bis es einen Impfstoff gebe.

    Spanien hat nach den USA die meisten Infizierten

    Spanien ist von dem Virus besonders stark betroffen. Mit 211.000 registrierten Infizierten zählen nur die USA mehr Fälle, und mit fast 24.000 Corona-Toten liegt Spanien hinter den USA und Italien weltweit an dritter Stelle.

    Das ist ein Grund dafür, warum die Einschränkungen im Rahmen des Alarmzustands, der seit dem 14. März gilt, zu den weltweit härtesten gehören. Die Spanier durften bislang ihre Wohnung nur allein verlassen und nur, um einkaufen oder arbeiten zu gehen.

    Seit dem vergangenen Sonntag dürfen erstmals Kinder mit einem Elternteil eine Stunde am Tag an die frische Luft. Ab dem kommenden Montag dürfen Erwachsene die Wohnung verlassen, um allein Sport im Freien zu treiben oder mit einer Person, mit der sie zusammenleben, spazieren zu gehen.

    Die strengen Auflagen haben dafür gesorgt, dass die Zahl der Infizierten und Toten deutlich gesunken ist: Starben Anfang April noch über 900 Menschen täglich am Coronavirus, so sind es derzeit um 300. Die Zahl der neuen Infizierten liegt seit einigen Tagen bei unter einem Prozent, obwohl die Regierung mehr testet als vor einigen Wochen.

    „Die Regierung hat überreagiert“

    „Die spanische Regierung hat am Anfang der Coronakrise zu spät Maßnahmen ergriffen und danach überreagiert und eine besonders strenge Sperre verhängt“, sagt Toni Roldán von der spanischen Business-School Esade EcPol. „Es ist gut, wenn sie jetzt für etwas mehr Normalität sorgt und stärker auf die individuelle Verantwortung setzt“, sagt der ehemalige Abgeordnete der rechtsliberalen Partei Ciudadanos.

    Die Lockerungen sind auch für die Wirtschaft entscheidend. Spanien wird stärker als andere Länder unter der Coronakrise leiden, weil die Wirtschaftsleistung zu zwölf Prozent vom Tourismus abhängt, der später als andere Branchen wieder auf die Beine kommen wird.

    Zudem hat Spanien viele kleine Unternehmen, die eine solche Krise schlechter überstehen als große. Darüber hinaus ist ein Viertel der Arbeitsverträge zeitlich befristet – mehr als in jedem anderen europäischen Land. Sie werden in der Krise kaum verlängert, was zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit führen wird, wenn sie auslaufen.

    Neun Millionen ohne Arbeit

    Am Dienstag veröffentlichte Arbeitsmarktdaten für das erste Quartal zeigen, dass die Arbeitslosigkeit von 13,7 Prozent Ende 2019 auf 14,4 Prozent gestiegen ist. Es war der erste quartalsweise Anstieg seit 2013. Das wahre Ausmaß auf dem Arbeitsmarkt wird sich aber erst in der nächsten Auswertung zeigen, da im ersten Quartal nur zwei Märzwochen von der Coronakrise betroffen waren.

    Nicht in die Arbeitslosenstatistik gehen die Kurzarbeiter ein – nach Angaben der spanischen Regionen sind das derzeit rund vier Millionen Beschäftigte, rund ein Viertel der arbeitenden Bevölkerung. Gut eine Million Selbstständige haben Hilfen beantragt, weil sie vom aktuellen Shutdown betroffen sind. Zusammen mit den 3,3 Millionen Arbeitslosen sind damit fast neun Millionen Menschen in Spanien ohne Beschäftigung – über ein Drittel der arbeitsfähigen Bevölkerung.

    Noch verbreitet die spanische Regierung Optimismus und setzt auf eine schnelle Erholung. Der IWF geht davon aus, dass das spanische Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um acht Prozent schrumpft, aber im kommenden um 4,3 Prozent zulegt. Die spanische Zentralbank rechnet mit einem Absturz zwischen sieben und zwölf Prozent in diesem Jahr. Sie geht davon aus, dass der aktuelle Shutdown die Wirtschaftsleistung jede Woche um 0,6 Prozentpunkte senkt.

    Zeitweise war es sogar noch mehr: Nach dem heftigen Ausbruch des Virus in Spanien stand das Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps, weshalb die spanische Regierung in den zwei Wochen vor Ostern nahezu alle Branchen stilllegte und es nur noch lebensnotwendigen Bereichen wie der Gesundheits- oder der Lebensmittelbranche erlaubte, aktiv zu bleiben.

    Mehr: Auch in Frankreich sollen mehrere Etappen zurück ins normale Leben führen. Der Plan kann jedoch jederzeit unterbrochen werden.

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