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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Das unheimliche Comeback von Iwan dem Schrecklichen

Russland entdeckt seine Tyrannen wieder: Nach der Rehabilitation von Sowjetdiktator Stalin wird nun auch noch Iwan der Schreckliche aus der Versenkung geholt.
27.02.2020 - 10:25 Uhr 2 Kommentare
Iwan schuf eine mehrere tausend Mann zählende Spezialeinheit, die in Mönchskutten gekleidet und mit Besen und Hundeköpfen als Erkennungszeichen ausgestattet durch das Land zogen und raubten, mordeten und plünderten.
Iwan, der Schreckliche

Iwan schuf eine mehrere tausend Mann zählende Spezialeinheit, die in Mönchskutten gekleidet und mit Besen und Hundeköpfen als Erkennungszeichen ausgestattet durch das Land zogen und raubten, mordeten und plünderten.

Alexandrow An der Uferpromenade des Flüsschens Seraja steht er: Mehr als zwei Meter groß, in Bronze gegossen und ausgestattet mit den Insignien der Macht (Zepter und Krone) und des Glaubens (Kreuz) sowie einem gestrengen Blick: Iwan der Schreckliche. In Sichtweite auf der anderen Flussseite sind die weißen Mauern des Kremls zu sehen, in dem der Zar vor 450 Jahren seinen Terrorstaat Opritschina aufgebaut hatte.

1564 zog sich Iwan nach einem verlorenen Krieg und Streit mit seinen Bojaren in seine Residenz Alexandrowskaja Sloboda, 100 Kilometer nordöstlich von Moskau zurück und machte sie für die nächsten 17 Jahre zur faktischen Hauptstadt Russlands.

Hier begann die schrecklichste Periode seiner Herrschaft: Er schuf eine mehrere tausend Mann zählende Spezialeinheit, die Opritschniki, die in Mönchskutten gekleidet und mit Besen und Hundeköpfen als Erkennungszeichen ausgestattet durch das Land zogen und raubten, mordeten und plünderten.

Das alles geschah unter der Prämisse, die Allmacht des Zaren zu festigen. Der in seiner Anfangszeit noch reformfreudige Iwan war zu jener Zeit schon lange zum absoluten Autokraten verkommen, der keinen Widerspruch duldete.

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    Von krankhaftem Misstrauen besessen ließ er selbst getreue Untertanen als vermeintliche Verräter und Gegner abschlachten. Mit sadistischer Freude dachte er sich qualvolle Folter- und Tötungsmaßnahmen aus, so ließ er Verurteilte gern pfählen, vierteilen, in siedendem Wasser kochen oder verbrennen.

    In seiner Amtszeit hatte er durch Kriege das Territorium Russlands zwar mehr als verdoppelt – vor allem durch die Eroberung Sibiriens – doch hinterließ er bei seinem Tod ein zerrüttetes Land ohne einen Nachfolger (ob er seinen eigenen Sohn in einem Anfall von Jähzorn erschlagen hat, oder ob dieser an einer Krankheit starb, ist bis heute nicht endgültig geklärt). Schon wenige Jahre später brach in Russland die „Smuta“, die Zeit der Wirren an.

    Vergessene „Kleinigkeiten“

    Diese „Kleinigkeiten“ sind inzwischen (fast) vergessen: Als 2016 das erste Iwan-Denkmal in der westrussischen Stadt Orjol aufgestellt wurde, rechtfertigte der damalige Kulturminister Wladimir Medinski die Errichtung damit, dass auf Befehl des Zaren doch „nur 3.000 bis 7.000 Menschen“ hingerichtet worden seien. Andere Herrscher seiner Zeit wie Karl IX. hätten wesentlich mehr Blut an den Fingern, seien doch allein in der Bartholomäusnacht rund 30.000 Hugenotten ermordet worden

    Medinski ist für seinen eigenwilligen Umgang mit Zahlen und Quellen bekannt, die nicht ins patriotische Konzept passen. So schätzen andere Historiker, dass Iwan der Schreckliche allein nach der Einnahme der widerspenstigen Stadt Nowgorod 10.000 bis 15.000 Einwohner hingerichtet haben soll.

    Und es gibt noch einen Unterschied: Karl IX. würde heute in Frankreich keiner ein Denkmal setzen. Das Denkmal für den letzten Fürsten der Rurikiden-Dynastie hingegen wurde in diesem Winter in Alexandrow mit viel Pomp und Patriotismus eingeweiht. Rund 500 Menschen waren bei der Einweihung dabei und legten für „Väterchen Zar“ rote Nelken nieder.

    Neben Vertretern des Kulturministeriums kam auch der Chef des Rockerklubs „Nachtwölfe“, Alexander Saldostanow, ein Putin-Freund und Befürworter der imperialen Erweiterungen Russlands auf der Krim und im Donbass. Und selbst das Staatsfernsehen war da: „Ungeachtet der widersprüchlichen Bewertungen ist sein Beitrag für die Entwicklung und Größe des Landes unbestritten“, kommentierten die TV-Kollegen die Denkmalsetzung für den Zaren.

    Der Akzent wird somit auf den starken Herrscher gelegt, der sein Land vergrößert habe. Das ist ganz im Geiste der neuen Stalin-Verehrung. Auch der Sowjetdiktator hat in den letzten Jahren zunehmend Aufwertung erfahren. In Dutzenden Gemeinden vom Kaukasus bis nach Sibirien wurden entweder alte Heldendenkmäler für den Generalissimus wieder aufgestellt oder neue Büsten für ihn gefertigt. Und auch Wolgograd darf sich auf Befehl Putins seit einigen Jahren zu den großen Militärfeiertagen im Jahr wieder Stalingrad nennen.

    Interessanterweise war Stalin der erste, der den jahrhundertelang verfemten Zaren Iwan den Schrecklichen in Moskau wieder salonfähig gemacht hatte. Unter ihm produzierte der sowjetische Kultregisseur Sergej Eisenstein den Film „Iwan der Schreckliche“.

    Doch unter Stalin gezeigt und preisgekrönt wurde nur der erste Teil des Films, der den Aufstieg des Zaren und des damaligen Russlands demonstriert. Den zweiten Teil, der die schrecklichen Seiten des Zaren zeigte, ließ Stalin verbieten. Mit der Kanonisierung des Zaren heute stellt sich der Kreml bei der Geschichtsbetrachtung auf die Seite Stalins.

    Mehr: Wie Europas größte Eisfläche Wintervergnügen nach Moskau bringt

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    2 Kommentare zu "Weltgeschichte: Das unheimliche Comeback von Iwan dem Schrecklichen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wir fragen uns: Wie viele Menschen wurden von westeuropäischen Zeitgenossen Iwan des Schrecklichen in die Welt geschickt: die spanischen Könige Karl V. und Philipp II., Der König von England, Heinrich VIII. Und der französische König Karl IX.?

      Es stellt sich heraus, dass sie Hunderttausende Menschen grausam hingerichtet haben. So war es zum Beispiel während der synchronen Herrschaft von Iwan dem Schrecklichen - von 1547 bis 1584, allein in den Niederlanden, die unter der Herrschaft von Karl V. und Philipp II. Waren, "erreichte die Zahl der Opfer ... 100.000". Von diesen "wurden 28 540 Menschen lebendig verbrannt."

      Am 23. August 1572 nahm der französische König Karl IX. An der sogenannten Bartholomäus-Nacht teil, in der "mehr als dreitausend Hugenotten" brutal getötet wurden, weil sie dem Protestantismus und nicht dem Katholizismus angehörten. So wurden in ungefähr einer Nacht ungefähr die gleiche Anzahl von Menschen zerstört wie während der ganzen Zeit des Terrors von Iwan dem Schrecklichen!

      "Nacht" wurde fortgesetzt, und "im Allgemeinen starben ungefähr 30.000 Protestanten dann in zwei Wochen dann in Frankreich." In England war Heinrich VIII. Nur wegen Landstreichens entlang der Autobahnen "72.000 Landstreicher und Bettler wurden gehängt". In Deutschland wurden mit der Niederschlagung des Bauernaufstands von 1525 mehr als 100.000 Menschen hingerichtet.

      Und doch erscheint Iwan der Schreckliche seltsamerweise und sogar verblüffend im russischen und ebenso westlichen Bewusstsein als einzigartiger Tyrann und Henker ohne Vergleich.

      Ähnliches passiert mit anderen Beispielen für die Grausamkeit des Zaren, die ohne die übliche Voreingenommenheit betrachtet werden müssen und auf dokumentarischen Beweisen und gerechter Logik beruhen.


    • Зададимся вопросом: сколько людей отправили на тот свет западноевропейские современники Ивана Грозного: испанские короли Карл V и Филипп II, король Англии Генрих VIII и французский король Карл IX?

      Оказывается, они самым жестоким образом казнили сотни тысяч людей. Так, например, именно во время, синхронного правлению Ивана Грозного - с 1547 по 1584, в одних только Нидерландах, находившихся под властью Карла V и Филиппа II, «число жертв... доходило до 100 тыс.». Из них было «сожжено живьем 28 540 человек».

      Французский король Карл IX 23 августа 1572 года принял активное «личное» участие в так называемой Варфоломеевской ночи, во время которой было зверски убито «более 3 тыс. гугенотов» только за то, что они принадлежали к протестантству, а не к католицизму; таким образом, за одну ночь было уничтожено примерно столько же людей, сколько за все время террора Ивана Грозного!

      «Ночь» имела продолжение, и «в общем во Франции погибло тогда в течение двух недель около 30 тыс. протестантов». В Англии Генриха VIII только за «бродяжничество» вдоль больших дорог «было повешено 72 тысячи бродяг и нищих». В Германии, при подавлении крестьянского восстания 1525 г., казнили более 100.000 человек.

      И все же, как это ни странно и даже поразительно, и в русском, и в равной мере западном сознании Иван Грозный предстает, как ни с кем не сравнимый, уникальный тиран и палач.

      Нечто подобное происходит и с другими примерами ивановой жестокости, которые необходимо рассмотреть без привычной предвзятости и опираясь на документальные свидетельства и просто логику.

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