Weltstrafgericht: Haftbefehle gegen Taliban-Führer
Amsterdam. Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hat am Dienstag Haftbefehle gegen zwei hochrangige Anführer der radikal-islamischen afghanischen Taliban erlassen, darunter auch gegen den obersten geistlichen Führer Hibatullah Achundsada.
Der Vorwurf lautet auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch die Verfolgung von Frauen und Mädchen. Es bestünden hinreichende Verdachtsmomente, dass Achundsada und der oberste Richter der Taliban, Abdul Hakim Hakkani, das Verbrechen der geschlechtsspezifischen Verfolgung begangen hätten, teilte der Gerichtshof in Den Haag mit.
Die Verfolgung richte sich gegen Mädchen, Frauen und andere Personen, die nicht mit der Politik der Taliban in Bezug auf Geschlecht oder Geschlechtsidentität übereinstimmten, hieß es in der Entscheidung weiter. Seit ihrer Machtübernahme in Afghanistan im August 2021 haben die Taliban die Rechte von Frauen und Mädchen systematisch eingeschränkt.
Frauen wurden weitgehend aus dem öffentlichen Leben, von höheren Schulen sowie Universitäten und aus vielen Berufen verbannt. Zudem gelten strenge Kleidungsvorschriften, und Frauen dürfen sich in der Öffentlichkeit oft nur in Begleitung eines männlichen Vormunds bewegen. Die Taliban erklären ihrerseits, die Rechte von Frauen im Einklang mit ihrer Auslegung des islamischen Rechts und der lokalen Kultur zu respektieren.
Russland hat erst kürzlich als erster Staat weltweit die Taliban-Regierung anerkannt.