Wiederaufbau der Ukraine: Unterwegs im Nachtzug mit Deutschlands Mittelstand
Geschäftsreisen in die Ukraine sind beschwerlich, wegen des Krieges sind die Flughäfen im Land geschlossen.
Foto: Mareike MüllerRzeszow, Lwiw, Kiew. Um null Uhr zehn wird Andreas Knaul von der Realität des Krieges geweckt. Die Sirene seiner App, die er kurz vor der Ukrainereise heruntergeladen hat, reißt den Juristen aus dem Schlaf. „Ich saß senkrecht im Bett, der Puls war auf 180“, erzählt er später. Hastig sucht Knaul die wichtigsten Dinge zusammen: Pass, Handy, Unterlagen, eilt zur Hotelrezeption, um sich den Weg zum Schutzraum weisen zu lassen.
Knaul ist einer von acht deutschen Wirtschaftsvertretern, die Anfang Oktober gemeinsam in die Ukraine gereist sind – das Handelsblatt hat sie begleitet. Die Gruppe ist die größte deutsche Wirtschaftsdelegation, die das Land seit Beginn der groß angelegten russischen Invasion besucht.
Das Interesse an der Ukraine als Investitions- und Kooperationsziel wächst. Das freut Reiner Perau, Leiter der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) vor Ort, der die Gruppe begleitet.
Mit dabei sind neben Jurist Knaul ein Architekt, ein IT-Unternehmer, ein Spezialist für Kampfmittelräumung, ein Logistikexperte, der Geschäftsführer einer Kipplader-Herstellung sowie zwei Vertreter der global tätigen Risikoberatung Control Risks, die die Reise gemeinsam mit der AHK und dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft organisiert hat.