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Yuriko Koike Tokios Gouverneurin bekommt eine zweite Amtszeit

Japans erfolgreichster Politikerin nützt die Coronakrise. Damit hält sie ihre Hoffnung auf eine Rückkehr in die nationale Politik am Leben.
05.07.2020 - 17:00 Uhr Kommentieren
Yuriko Koike hat zum zweiten Mal die Gouverneurswahlen von Tokio gewonnen. Quelle: AP
Strahlende Siegerin

Yuriko Koike hat zum zweiten Mal die Gouverneurswahlen von Tokio gewonnen.

(Foto: AP)

Tokio Japans mächtigste Frau wartete nicht einmal die erste Hochrechnung ab. Gleich nach der Schließung der Wahllokale trat Yuriko Koike, die Gouverneurin der 14-Millionen-Einwohner-Metropole Tokio, vor die Kameras und dankte den Bürgern für ihre Wiederwahl.

Denn schon die Nachwahlbefragungen des TV-Senders NHK hatten gezeigt, dass sie mit fast 60 Prozent der Stimmen rechnen kann, der Zweitplatzierte der 21 Gegenkandidaten, der 73-jährige Rechtsanwalt Kenji Utsunomiya, nur mit unter 20 Prozent.

Direkt nach dem Sieg führte die 67-jährige Gouverneurin ihre Politik fort, mit der sie ihre zweite Amtszeit gewonnen hat: mit dem Kampf gegen die Covid-19-Pandemie. Nach der Aufhebung des Corona-Notstands hatte sie den Bürgern versprochen, Tokio weltweit zu einer Metropole zu machen, die am widerstandsfähigsten gegen Infektionskrankheiten sei. Nun sagte sie: „Ich möchte ein Tokioter Seuchenkontrollzentrum gründen.“

Damit will sie lokal eine Lücke schließen, die national seit Langem klafft. Anders als bei den pandemisch erfolgreichen Nachbarn Südkorea und Taiwan gibt es in Japan keine zentrale Stelle. Das Land ging daher im Gegensatz zu den Nachbarn ohne fertige Krisenpläne und große Testkapazitäten in die Krise. Und Koike weiß, dass genau dieses Thema ihre Bürger bewegt – und nicht die Verschiebung der Olympischen Spiele auf 2021.

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    In der NHK-Umfrage hat ihre Anti-Corona-Politik immerhin 35 Prozent der Befragten stärker für sie eingenommen. Nur 16 Prozent waren unzufrieden. Für Koikes Gegenkandidaten ist das Ergebnis ein schwerer Schlag. Sie hatten gehofft, dass der jüngste Sprung auf mehr als 100 Neuinfektionen pro Tag den Blick der Wähler auf die Vorwürfe gegen Koike schärft.

    Alles perlt an ihr ab

    Die Autorin Taeko Ishi schilderte die Gouverneurin in dem Bestseller „Kaiserin Yuriko Koike“ als arrogante, selbstverliebte Opportunistin, die sich im Beisein von Erdbebenopfern die Fingernägel polierte. Dazu passt eine Umfrage des Tokioter Politikmagazins „Tosei Shimpo“, laut der nur 21,5 Prozent ihrer Beamtenschaft mit in eine zweite Amtszeit gehen wollten.

    Doch selbst die Behauptung, dass Koike anders als von ihr behauptet über keinen Abschluss der ägyptischen Universität Kairo verfügt, perlt an ihr ab. Der Politologe Koichi Nakano von der Sophia-Universität macht dafür weniger reale Erfolge als vielmehr den „Koike-Faktor“ verantwortlich. „Sie ist ein Medienprodukt“, meint der Professor. „Sie stammt aus den Medien und weiß daher genau, wie sie die Medien manipulieren kann.“

    Nach ihrer Heimkehr aus Ägypten nutzte sie ihre Arabisch- und Englischkenntnisse, um schnell im Fernsehen als Journalistin Karriere zu machen. Anfang der 90er-Jahre nutzte sie ihre Bekanntheit und zog für eine kleine konservative Oppositionspartei ins Parlament ein. Seither erwarb sie sich den Ruf, nicht Parteien, sondern ihren eigenen Ambitionen treu zu sein.

    2002 wechselte sie zur liberaldemokratischen Partei (LDP), die damals wie heute Japan regiert. Dort amtierte sie als Umweltministerin, Beraterin für nationale Sicherheit und drei Monate in der ersten Amtszeit des jetzigen Regierungschefs Shinzo Abe als Verteidigungsministerin. Doch als sich 2016 die Chance bot, trat sie gegen den LDP-Kandidaten als Gouverneurin von Tokio an.

    Nach ihrem Wahlsieg gründete sie ihre eigene Partei „Stadtbürger zuerst“ und versuchte, die nationale Opposition aufzusaugen, um gegen Abe als Ministerpräsidentin anzutreten. Der Versuch endete zwar in einem Debakel. Die Demokratische Partei spaltete sich statt überzulaufen. Aber der Politologe Nakano meint: „Ich bin mir sicher, dass sie ihre Ambitionen nicht aufgegeben hat.“

    Mehr: Das Japan-Paradox: Erfolge im Kampf gegen Corona helfen der Regierung nicht.

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