Arbeitsmarkt: In den Personalabteilungen der Unternehmen herrscht Pessimismus
Berlin. Die verblassende Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland zeigt sich auch in den Personalabteilungen. Denn die Unternehmen sind im Juli bei der Suche nach neuem Personal noch zurückhaltender geworden. Entsprechend ist das Ifo-Beschäftigungsbarometer auf 95,4 Punkte gesunken – nach 95,9 Zählern im Juni.
„Aufgrund der stagnierenden Wirtschaftsentwicklung sinkt die Bereitschaft, neue Mitarbeiter einzustellen“, sagt Klaus Wohlrabe, der beim Münchener Ifo-Institut die Umfragen leitet. „Wo Aufträge fehlen, wird auch kein zusätzliches Personal gebraucht.“
Das Ifo-Beschäftigungsbarometer beruht auf den Personalplanungen von rund 9000 Unternehmen und wird monatlich exklusiv für das Handelsblatt berechnet. Der Rückgang im Juli ist der zweite in Folge, auf längere Sicht folgt der Indikator aktuell aber eher einem Seitwärtstrend.
Unternehmen blicken pessimistischer in die Zukunft
Dass das Barometer gefallen ist, kommt nicht überraschend, weil in der vergangenen Woche auch das Ifo-Geschäftsklima deutlich nachgegeben hat. Der Indikator, der die Stimmung in den Chefetagen misst, ist bereits zum dritten Mal in Folge gesunken – auf 87,0 Zähler nach 88,6 Punkten im Vormonat.
„Die deutsche Wirtschaft steckt in der Krise fest“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest die Daten. Denn die Unternehmen bewerten nicht nur ihre aktuelle Lage schlechter, sondern sind auch noch pessimistischer geworden beim Blick in die Zukunft.
Auf dem Arbeitsmarkt gehen Beschäftigungsimpulse nur noch von den Dienstleistern aus, doch sind sie auch hier im Vergleich zum Vormonat schwächer geworden. Das Baugewerbe steckt zwar in einer tiefen Krise, will den Personalbestand aber dennoch konstant halten, zeigt die Ifo-Umfrage.
In der Industrie und im Handel stehen die Zeichen eher auf Stellenabbau. Im verarbeitenden Gewerbe spielen neben der Konjunktur auch strukturelle Faktoren eine Rolle, beispielsweise die Umstellung vom Verbrennungsmotor auf Elektroantriebe in der Automobilindustrie. So hatte der Autozulieferer ZF Friedrichshafen Mitte Juli angekündigt, in Deutschland bis zu 14.000 Arbeitsplätze abzubauen.
Im Einzelhandel belastet weiterhin die Konsumzurückhaltung das Geschäft. Die von den Instituten GfK und NIM gemessene Verbraucherlaune hat sich zwar durch die Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land ein wenig aufgehellt, liegt aber immer noch auf niedrigem Niveau.
Erstpublikation: 29.07.2024, 13:09 Uhr.