HDE-Konsumbarometer: Verbraucherstimmung sinkt auf Elf-Monats-Tief
Düsseldorf. Drei Dinge haben die Parteien gemeinsam, die im Bundestagswahlkampf um die Gunst der Wähler buhlen: Sie versprechen, Deutschland aus der Dauerkrise zu führen. Sie sichern den Wählern merkliche Entlastungen zu. Aber sie erklären nicht, wie dies finanziert werden soll.
Die Verbraucher scheinen den Versprechen daher nicht zu trauen, ihre Stimmung rutschte zum Jahresauftakt weiter ab. Das Konsumbarometer des Handelsverbands HDE notiert mit 94,99 Punkten nun auf einem Elfmonatstief.
Der monatliche Index basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 1600 Haushalten, berechnet wird er vom Handelsblatt Research Institute (HRI).
Fast alle Teilkomponenten des Barometers weisen für Januar nach unten. Konjunktur- und Einkommenserwartungen rutschten von ihren Zwischenhochs wieder ab, die Anschaffungsneigung ist weiterhin sehr schwach, die Sparneigung sehr hoch und die Sorge vor steigenden Preisen verstärkt sich wieder.
Grund dafür dürften auch die schlechten Konjunkturnachrichten der vergangenen Wochen sein. Große Wirtschaftsforschungsinstitute hatten vor Weihnachten ihre Erwartungen für einen Aufschwung für 2025 revidiert und sehen nunmehr allenfalls ein schwaches Wirtschaftswachstum im neuen Jahr.
Das HRI rechnet gar mit einem erneuten leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung – damit wäre die deutsche Volkswirtschaft in der längsten Schwächephase der Nachkriegsgeschichte.
Sorge vor Arbeitslosigkeit
Für große Verunsicherung bei den Verbrauchern dürften auch die Meldungen von Großunternehmen sorgen, massenhaft Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Zwar steigt die Arbeitslosigkeit bislang nur moderat um saisonbereinigt rund 20.000 Personen monatlich. Doch allein in der Autoindustrie stehen Schätzungen zufolge 130.000 Jobs mittelfristig zur Disposition.
Kaum besser sieht es in den anderen deutschen Schlüsselbranchen, Maschinenbau und Chemieindustrie, aus. Sie leiden unter schwacher Nachfrage, hohen Kosten und Steuern sowie Bürokratie.
Quelle: Statistisches Bundesamt
Bislang haben die Unternehmen noch nicht in großem Umfang Arbeitsplätze abgebaut, obwohl ihre Auslastung zurückging. Während die Industrieproduktion derzeit rund 18 Prozent geringer ist als im Jahr 2017, ist die Beschäftigtenzahl seitdem lediglich um 1,7 Prozent zurückgegangen. „Es bedarf keiner prophetischen Gabe, um einen kräftigen Stellenabbau vorherzusagen, sollte die Produktion nicht bald wieder kräftig anziehen“, sagt Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup. Kaum ein Unternehmen klagt noch über Fachkräftemangel.
Stattdessen wächst die Insolvenzgefahr. Am Freitag meldete das Statistische Bundesamt, dass die Anzahl der Insolvenzen im Dezember um 13,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen ist. Für das Gesamtjahr 2024 ergibt sich eine Zunahme um 16,8 Prozent im Vergleich zu 2023. In diese Daten fließen die Anträge erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts ein. Den Insolvenzantrag reichen Unternehmen meist drei Monate davor ein.
Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle versucht, die Entwicklung zeitnaher abzubilden und ermittelte für Dezember 1340 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften. Das waren 24 Prozent mehr als im Dezember 2023 und 54 Prozent mehr als in einem durchschnittlichen Dezember der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Coronapandemie.
In den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen waren im Dezember mehr als 15.000 Arbeitsplätze betroffen. Damit liegt die Zahl der betroffenen Beschäftigten mehr als ein Drittel über dem Vormonatswert, 59 Prozent über dem Niveau von Dezember 2023 und 71 Prozent über dem Durchschnitt eines typischen Dezembers der Jahre 2016 bis 2019.
Einzelhandel wächst wieder leicht
Einen Lichtblick gibt es dennoch: Nach ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamts setzte der Einzelhandel in Deutschland im Jahr 2024 real 1,3 Prozent und nominal 2,7 Prozent mehr um als im Vorjahr. Gleichwohl war der reale Umsatz 2024 voraussichtlich um 2,7 Prozent niedriger als im Rekordjahr 2021. Damals holten viele Verbraucher Anschaffungen des ersten Coronajahres nach.
In den vergangenen Jahren verlagerten sich große Teile des Weihnachtsgeschäfts in den November, vor allem im Internet- und Versandhandel. Im November 2024 setzten die Einzelhandelsunternehmen zwar kalender- und saisonbereinigt real 2,5 Prozent mehr um als im November 2023. Im Vormonatsvergleich sank der kalender- und saisonbereinigte Umsatz real um 0,6 Prozent. Das spiegelt die Zurückhaltung der Verbraucher aus dem HDE-Barometer.
Die Einzelhändler beurteilen ihre aktuelle Lage dennoch etwas schlechter. Das kurz vor Weihnachten erhobene Ifo-Geschäftsklima für den Einzelhandel ging auf minus 23,0 Punkte zurück, nach minus 22,2 Punkten im November. Auch die Geschäftserwartungen für die nächsten Monate sanken.
„Für den Einzelhandel war das Jahr 2024 sehr herausfordernd. 2025 bleibt das gesamtwirtschaftliche Umfeld voraussichtlich schwierig, auch wenn viele Einzelhändler auf eine bessere Konsumstimmung hoffen“, sagt Ifo-Experte Patrick Höppner. Die aktuellen Entwicklungen zeigen aber, dass diese Hoffnung wenig fundiert ist.