Ifo-Beschäftigungsbarometer: Erste Anzeichen für Arbeitsmarkt-Stabilisierung
Berlin. Die Zeitarbeit gilt als Frühindikator für die Entwicklung des Arbeitsmarktes. Insofern ist es ein positives Zeichen, wenn in der Branche vorsichtiger Optimismus aufkeimt. Und darauf deutet das Ifo-Beschäftigungsbarometer hin, das auf einer monatlichen Befragung von rund 9000 Unternehmen beruht.
Der Indikator für die Personalplanungen der Unternehmen ist im Mai auf 95,2 Punkte gestiegen – nach 94,0 Zählern im April. Es handelt sich um den zweiten Anstieg in Folge. „Der Arbeitsmarkt zeigt erste Anzeichen einer Stabilisierung“, sagt Klaus Wohlrabe, der beim Münchener Ifo-Institut die Umfragen leitet.
So stocken die Dienstleister ihren Personalbestand wieder auf. Das gilt zuvorderst für die Zeitarbeitsbranche, die eine lange Durststrecke hinter sich hat. In konjunkturellen Krisen sind es meist zuerst die Personaldienstleister, die sie zu spüren bekommen und sich dann von Beschäftigten trennen.
Die Zahl der Zeitarbeitskräfte ist von mehr als einer Million im Jahresdurchschnitt vor Corona auf knapp 730.000 im ersten Halbjahr vergangenen Jahres gefallen. Die vom Ifo-Institut befragten Personaldienstleister blicken aber mittlerweile wieder etwas optimistischer in die Zukunft als noch vor Monaten. Generell bleiben die Umsatz- und Beschäftigungserwartungen der Branche jedoch noch eher pessimistisch, wie die jüngste Konjunkturumfrage des Gesamtverbands GVP zeigt.
Getrieben wird der Anstieg des Ifo-Beschäftigungsbarometers aber nicht nur von den Dienstleistern, sondern auch von der Industrie. Der Teilindikator für das Verarbeitende Gewerbe ist zum fünften Mal in Folge gestiegen, liegt aber weiter im negativen Bereich. Das bedeutet, dass die Unternehmen weiterhin mehrheitlich Stellen abbauen.
Händler und Bauwirtschaft bauen Personal ab
Im Handel überwiegt ebenfalls weiter der Personalabbau – wie auch im Baugewerbe, auch wenn sich dort der Trend zuletzt verlangsamt hat. Ob der Anstieg des Barometers auf eine echte Trendwende am Arbeitsmarkt hindeute, hänge „maßgeblich von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ab“, sagt Ifo-Ökonom Wohlrabe.
Und hier sind die Aussichten nicht rosig. Zwar legte das deutsche Bruttoinlandsprodukt dank einer überraschend positiven Entwicklung im März im ersten Quartal um 0,4 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.
Doch bleibt die wirtschaftliche Unsicherheit hoch. So drohte US-Präsident Trump gerade erneut mit Zöllen in Höhe von 50 Prozent auf Einfuhren aus der Europäischen Union ab Juni, weil die Handelsgespräche mit der EU-Kommission aus seiner Sicht zu nichts führen.
Wegen der Unsicherheit haben die sogenannten Wirtschaftsweisen in ihrem Frühjahrsgutachten gerade ihre Wachstumserwartungen für Deutschland gesenkt. Statt von einem Plus des BIP von 0,4 Prozent wie noch im Herbst gehen sie nun nur noch von einer Stagnation der Wirtschaftsleistung aus. Die deutsche Wirtschaft befinde sich weiterhin in einer „ausgeprägten Schwächephase“, teilte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung mit.
Und die wirtschaftliche Schwäche geht in Kombination mit dem anhaltenden Strukturwandel am Arbeitsmarkt nicht spurlos vorbei. Die Wirtschaftsweisen gehen davon aus, dass die Zahl der registrierten Arbeitslosen in diesem Jahr um knapp 140.000 auf gut 2,9 Millionen im Jahresdurchschnitt steigen wird. Für die Arbeitslosenquote rechnen sie mit einem Anstieg von 6,0 auf 6,2 Prozent.