Inflation: Bundesbank-Präsident: „Wir haben das gierige Biest gezähmt“
Berlin. Bis auf die Titelseite der „Financial Times“ hatte es Joachim Nagel mit seinem drastischen Sprachbild geschafft. Vor einigen Monaten nannte er die grassierende Inflation „ein gieriges Biest“. Jetzt gibt der Präsident der Bundesbank Entwarnung. Am Dienstagabend sagte er in Berlin: „Jetzt bin ich davon überzeugt, dass wir das gierige Biest gezähmt haben. Es ist mittlerweile handzahm geworden.“
Am Mittwoch verkündet das Statistische Bundesamt seine erste Schätzung für die Inflation im Januar. Zuletzt lag sie im Dezember bei 3,7 Prozent, was ein deutlicher Anstieg war. Das lag allerdings vor allem an Sondereffekten, die sich mit dem Vergleichsmonat ein Jahr zuvor ergaben. Schaut man sich die Inflation im Vergleich zum Vormonat an, war das Preisniveau lediglich um 0,1 Prozent gestiegen.
Zuvor war die Inflationsrate fünf Monate in Folge zurückgegangen. Die Richtung stimme absolut, erklärte Nagel. „Ich bin davon überzeugt, dass wir 2025 sehr, sehr nah an das Inflationsziel von zwei Prozent kommen werden.“
Das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) bezieht sich auf die Rate in der Euro-Zone. Diese lag zuletzt im Dezember bei 2,9 Prozent. Nagels Einschätzung für die weitere Entwicklung deckt sich mit der der meisten Konjunkturforscher. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle beispielsweise sieht die Inflationsrate für die Euro-Zone 2025 sogar bei 1,9 Prozent.
Die guten Nachrichten bei der Inflation treffen auf schlechte Nachrichten bei der Konjunktur, gerade in Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt ist hierzulande im vierten Quartal um 0,3 Prozent gesunken. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte am Dienstag seine Konjunkturprognose für Deutschland für 2024 auf 0,5 Prozent.
Diese Kombination heizt die Debatte an, wann die EZB die Leitzinsen wieder senken sollte. Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Moritz Schularick, erklärte in der Diskussion mit Nagel, dafür, dass man so nah am Ziel sei, sei die Geldpolitik noch extrem restriktiv. Und die Fiskalpolitik sei derzeit auch nicht gerade förderlich für die Konjunktur.
Nagel, der Mitglied des EZB-Rats ist, lehnte aber vorzeitige Festlegungen auf Zinssenkungen ab. „Ich bin nicht der Auffassung, dass wir eine sehr restriktive Geldpolitik haben“, erklärte Nagel. Man müsse erst mal auf die nächsten Zahlen warten. Die Kerninflation, also das Preisniveau ohne Energie und Nahrungsmittel, sei immer noch hoch. Außerdem seien die Energiepreise volatil.