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KonjunkturDeutschlands Exporteure stellen sich auf längere Rezession ein

Deutsche Unternehmen erwarten in diesem Jahr drastische Umsatzeinbrüche in ihrem Auslandsgeschäft. Das schlägt sich auch in Investitionen und Beschäftigung nieder.Donata Riedel 08.07.2020 - 12:51 Uhr Artikel anhören

Der DIHK beschreibt eine düstere Exportprognose.

Foto: dpa

Berlin. Die Coronakrise im Exportgeschäft ist tiefer und langwieriger, als die Unternehmen während des Lockdowns im April befürchtet haben. „Wir werden in den nächsten Monaten nur Enttäuschungen erleben“, sagte der Außenwirtschaftsexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier.

Bei einer Umfrage in 3300 deutschen Firmenniederlassungen und Repräsentanzen weltweit rechnen inzwischen 83 Prozent mit Umsatzrückrängen in diesem Jahr. Darunter sind 15 Prozent, die den Verlust von mehr als der Hälfte ihres Umsatzes erwarten. Nur acht Prozent rechneten mit unveränderten Umsätzen, fünf Prozent mit einer Steigerung.

Der DIHK bleibt deshalb bei seiner düsteren Exportprognose: Um 15 Prozent werden demnach die deutschen Exporte in diesem Jahr einbrechen und sich im kommenden Jahr nur bestenfalls um sieben Prozent erholen, sagte Treier.

Zum Vergleich: Im Durchschnitt früherer Corona-freien Jahre wuchs der Export jährlich um fünf Prozent. Mit der Rückkehr zu Umsätzen wie vor Corona rechnet jedes zweite befragte Unternehmen demnach erst 2022 oder noch später.

In der deutschen Exportbilanz werden demnach in diesem Jahr 300 Milliarden Euro fehlen. „Der einzige Vorteil davon könnte sein, dass das Wehklagen über den deutschen Exportüberschuss verstummen wird“, sagte Treier. Der Saldo aus Exporten und Importen betrug zuletzt laut Treier 223 Milliarden Euro und werde wohl auf 50 Milliarden Euro zurückgehen.

Die düsteren Erholungsaussichten schlagen sich auch in weniger Investitionen und Beschäftigung nieder: Statt wie in jedem Jahr 100 Milliarden Euro im Ausland zu investieren, dürften es in diesem Jahr maximal 50 Milliarden Euro werden. „Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen ist deutlich abgesackt“, so Treier. 56 Prozent der Befragten wollen weniger im Ausland investieren; im April sagten dies nur 35 Prozent.

Der DIHK befürchtet einen Aderlass

In guten Jahren würden deutsche Unternehmen 200.000 neue Jobs an ihren Auslandsstandorten schaffen. Das werde dieses Jahr nicht der Fall sein. „Es wird einen Aderlass geben“, sagte Treier. Es könnten womöglich 200.000 Arbeitsplätze von 7,8 Millionen bei den Auslandstöchtern gestrichen werden.

In der Umfrage nannten die Unternehmen die Reisebeschränkungen als sehr ernst zu nehmendes Problem: Ohne direkten Kontakt falle es schwer, neue Aufträge zu gewinnen, auch für die Wartung komplexer Maschinen vor Ort müssten Mitarbeiter reisen können. 67 Prozent der Industrieunternehmen sorgten sich deswegen.

Immerhin: Die Probleme in den Lieferketten sind gegenüber der jüngsten Umfrage im April deutlich zurückgegangen: Statt 45 Prozent nannten jetzt nur noch 29 Prozent diesen Punkt als Problem. Stattdessen steht fehlende Nachfrage nun überall im Vordergrund. Dass die Pandemie fast alle Länder weltweit in die Rezession gestürzt hat, führt zu weniger Aufträgen überall.

Erholen dürften sich die Geschäfte am schnellsten in China und anderen asiatischen Ländern. Je weiter westlich, desto länger dauere es bis zum Wiederaufschwung, sagte Treier.

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Lieferketten werden angepasst

Die Exporte in die USA würden 2020 wohl um 15 Prozent zurückgehen. Am stärksten sei der Rückgang bisher aber wohl in der Euro-Zone wegen der langen Shutdowns in Italien, Spanien und Frankreich: Mit einem Minus von 20 Prozent rechnet hier der DIHK.

Als Konsequenz aus der Pandemie denken sehr viele Firmen über ihre Lieferketten nach. Mehr als 60 Prozent überlegen, mehr am Ort ihrer Auslandsniederlassung zu produzieren. Aber 37 Prozent überlegen auch, neue Lieferanten in der EU zu suchen. Aus Lateinamerika wollen zwölf Prozent Geschäft nach Deutschland zurückverlegen. Mehrfachnennungen waren hier möglich.

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