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KonjunkturIfo sieht weniger Wachstum – und deutlich mehr Inflation

Lieferkettenprobleme und hohe Energiepreise belasten die deutsche Wirtschaft. Der Verlust durch die hohe Inflation soll im ersten Quartal sechs Milliarden Euro betragen.Julian Olk 23.03.2022 - 12:47 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Forscher erwarten bis zu 6,1 Prozent Inflation.

Foto: IMAGO/Laci Perenyi

Berlin. Die Folgen des Ukrainekriegs bremsen die deutsche Wirtschaft laut Ifo-Institut 2022 deutlich und treiben zugleich die Inflation in extreme Höhen. Die Münchener Ökonominnen und Ökonomen erwarten für 2022 nur noch ein Wachstum zwischen 2,2 und 3,1 Prozent.

Bisher hatten sie noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,7 Prozent gerechnet. Ifo-Präsident Clemens Fuest erklärte die Korrektur mit steigenden Energiepreisen: „Die Verteuerung der Energie überlagert die Aufschwungeffekte.“

Durch den Krieg, der auch zu zunehmenden Lieferengpässen führt, dürfte laut Ifo die Inflation deutlich höher ausfallen als ursprünglich erwartet. Das Institut rechnet nun mit einer Rate von 5,1 bis 6,1 Prozent für 2022 statt der im Dezember noch erwarteten 3,3 Prozent.

Die Ifo-Prognose ist insofern außergewöhnlich, weil die Forscherinnen und Forscher zwei verschiedene Szenarien für den Fortlauf des Ukrainekonflikts berechnet haben. Daher kommt auch die Bandbreite bei den Prognosen.

  • Im Basisszenario haben die Rohstoffpreise ihren Hochpunkt bereits hinter sich gelassen und sinken in den kommenden Monaten allmählich. Das hält das Ifo mit Blick auf die Terminkurse für Rohöl, Erdgas und wichtige Nahrungsmittel aktuell für das wahrscheinlichere Szenario. Lieferengpässe und die Unsicherheit durch den Krieg dämpfen die Konjunktur demnach nur vorübergehend.
  • Im Alternativszenario hingegen spitzt sich die Situation in den kommenden Monaten weiter zu. Die Preise für Energie steigen zunächst weiter und erreichen ihren Hochpunkt erst zur Jahresmitte. Danach beginnen sie zwar zu sinken, bleiben aber bis zum Ende des Jahres spürbar über den Erwartungen. Bis Mitte des Jahres dämpfen zudem eine hohe wirtschaftspolitische Unsicherheit sowie eine weitere Verschärfung der Lieferengpässe die Konjunktur.
  • Ein mögliches drittes Szenario wäre ein Stopp russischer Energielieferungen nach Deutschland entweder als Sanktion gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin oder selbst von ihm angeordnet. Dieses Szenario haben die Ifo-Ökonomen zwar nicht im Detail berechnet. Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser erklärt aber: „Die Wahrscheinlichkeit wäre dann hoch, dass es zu einer Rezession kommt.“

Auch wenn sich die Chance auf mehr als drei Prozent Wachstum nicht so tragisch anhöre, sei der Krieg ein deutlicher Schock für die Konjunktur, sagte Institutspräsident Fuest. Er sprach von „mechanischem Wachstum“, das weitgehend nur aus dem vergangenen Jahr nachgeholt werde. „Die Zahlen müssten eigentlich höher ein“, so Fuest.

Sechs Milliarden Euro Verlust durch Inflation

Insgesamt gehe durch den Anstieg der Inflationsrate allein im laufenden ersten Vierteljahr Kaufkraft von etwa sechs Milliarden Euro verloren. „Gleichzeitig dürften die vollen Auftragsbücher der Industrie und die Normalisierung bei Corona der Konjunktur einen kräftigen Schub geben“, sagte Wollmershäuser. Nächstes Jahr werde das Wachstum auf 3,3 bis 3,9 Prozent zulegen und die Inflation auf etwa zwei Prozent abebben.

Den Folgen des Kriegs soll die Erholung des privaten Konsums entgegenstehen. Das Ifo erwartet, dass die Konsumausgaben zwischen 3,7 und fünf Prozent steigen. Die Haushalte hätten während der Coronazeit viel Geld gespart, das sie jetzt wieder ausgeben könnten. Allerdings ist diese Hoffnung mit Risiko behaftet. „Wir sehen häufig, dass Haushalte in Zeiten hoher Inflation auch mehr sparen“, sagte Wollmershäuser.

Die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen dürften zwischen 0 und 3,9 Prozent klettern. Die Arbeitslosigkeit allerdings werde 2023 kaum anders ausfallen, hier rechnet das Institut mit 2,26 bis 2,29 Millionen Menschen. „Jedoch dürfte die Kurzarbeit im pessimistischen Szenario deutlich zunehmen“, hieß es.

Im Dezember hatte das Ifo-Institut seine BIP-Schätzung wegen der verschärften Coronalage und hoher Inflation bereits von 5,1 auf 3,7 Prozent deutlich gesenkt. Auch andere führende Forschungsinstitute wie das Kieler IfW, das Essener RWI oder das IWH aus Halle haben ihre Wachstumsprognosen wegen der Folgen des Ukrainekriegs vor Kurzem massiv gestutzt.

Im Gegensatz zu anderen Konjunkturforschern geht man am Ifo aber erst einmal nicht von einer technischen Rezession – also zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit schrumpfender Wirtschaftsleistung – aus. Im vierten Quartal 2021 war das BIP bereits um 0,3 Prozent zurückgegangen.

Trotz des Kriegs rechnet das Ifo im laufenden Quartal nun aber immer noch mit 0,5 Prozent Wachstum. Laut Wollmershäuser liegt das vor allem an einer anderen Einschätzung der Coronalage. Der Krankenstand durch die Pandemie und damit die Einschränkungen in der Produktion der Unternehmen würden zwar hoch bleiben, sich aber nicht deutlich vom Stand aus dem Vorquartal unterscheiden.

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