Konjunktur: Langsames Ende der Lieferkettenprobleme zeichnet sich ab
Die meisten Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft zum Jahresende leicht schrumpft.
Foto: dpaBerlin. Die Aussichten für die deutschen Unternehmen scheinen sich zu bessern. Die massiven Lieferengpässe bremsen zwar weiter die wirtschaftliche Erholung. Doch es gibt erste Anzeichen für eine allmähliche Besserung.
Dafür spricht unter anderem, dass die Exporte aus Deutschland im Oktober im Vergleich zum Vormonat um 4,1 Prozent gestiegen sind und die Importe um fünf Prozent höher lagen. Das hat das Statistische Bundesamt am Donnerstag bekanntgegeben.
Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Coronapandemie in Deutschland, lagen die Ausfuhren um 3,8 Prozent und die Einfuhren um 13,5 Prozent höher.
Auch die Produktion der deutschen Unternehmen hat zuletzt zugelegt. Im Oktober ist diese im Vormonatsvergleich um 2,8 Prozent höher ausgefallen – der stärkste Anstieg der Produktion seit einem Jahr. Dafür sorgte vor allem das Comeback der Autobranche, die lange von fehlenden Teilen, insbesondere Mikrochips, behindert wurde: Sie fuhr ihre Herstellung um 12,6 Prozent nach oben.
Noch allerdings klagt der Großteil der deutschen Unternehmen in nahezu allen Branchen über anhaltende Lieferengpässe. Viele Unternehmen hatten pandemiebedingt ihre Produktion zurückgefahren, weniger Rohstoffe wurden abgebaut. Dann stieg schlagartig die Nachfrage, wofür die Transportkapazitäten nicht reichen.
Mehr Exporte, aber weniger neue Aufträge
Obendrein herrschen im Warenverkehr noch Coronabeschränkungen. Im Welthandel brach eine Überforderung aus, die bis heute anhält. Trotz hoher Nachfrage kann das Angebot also nicht mithalten. Das schränkt das Wachstum ein. Die meisten Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft infolgedessen zum Jahresende sogar leicht schrumpfen wird.
Die Hoffnung ist, dass sich mit einem allmählichen Abbau der Lieferkettenprobleme der Aufschwung im kommenden Jahr umso stärker zeigt. Die neuen Zahlen zu Ein- und Ausfuhren sowie der Produktion dürften erste Anzeichen dafür sein.
„Der kräftige Anstieg der Exporte und Importe im Oktober erhöht die Chancen, dass die deutsche Wirtschaft über die Jahreswende einer Mini-Rezession aufgrund der vierten Coronawelle entgehen kann“, sagt Sebastian Dullien, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Denn die Auftragsbücher der Unternehmen waren bislang prall gefüllt, nur kam sie eben mit der Produktion nicht hinterher.
Allerdings ist fraglich, ob die hohe Nachfrage tatsächlich so lang anhalten wird. Im Oktober erhielten die deutschen Industrieunternehmen 6,9 Prozent weniger Aufträge. Ökonomen hatten lediglich einen leichten Rückgang erwartet. Die Entwicklung sei ein „Warnschuss vor den Bug der Konjunktur“, warnt Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg.
Der Auftragseingang bildet häufig den künftigen Verlauf der Konjunktur gut ab. Allerdings war der Rückgang vor allem Folge fehlender Großaufträge. Ohne diese war der Auftragseingang im Oktober gar leicht gestiegen.