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Corona-RezessionWeltbank: Die globale Wirtschaft schrumpft noch stärker als befürchtet

Um 5,2 Prozent wird die globale Wirtschaft nach der neuen Prognose in diesem Jahr einbrechen. Das trifft nicht nur die Industriestaaten hart, sondern auch die armen Länder.Donata Riedel 08.06.2020 - 17:00 Uhr Artikel anhören

Die Weltwirtschaft wird 2020 insgesamt um 5,2 Prozent schrumpfen, sagt die Weltbank voraus.

Foto: dpa

Berlin. Die schlimmste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg erfasst die ganze Welt. Noch nie seit 1870 gab es gleichzeitig so viele Länder, deren Wirtschaft pro Kopf der Bevölkerung schrumpft, stellt die Weltbank in ihrer neuen Konjunkturprognose an diesem Montag fest. Damals endete die industrielle Gründerzeit in einer lang anhaltenden Depression.

Die Weltwirtschaft insgesamt wird demnach 2020 um 5,2 Prozent schrumpfen. Am stärksten getroffen von den Folgen der Corona-Pandemie und dem wegen des Virus verhängten Lockdown werden laut Weltbank zunächst die Industrieländer, deren gemeinsames Bruttoinlandsprodukt 2020 um sieben Prozent einbrechen wird. Die Schwellen- und Entwicklungsländer erleben einen Rückgang um 2,5 Prozent.

Das klingt nach weniger, als es ist: Wegen ihrer meist wachsenden Bevölkerung brauchen die ärmeren Länder höhere Wachstumsraten als Industriestaaten, um überhaupt ihren Status quo zu halten. Dass sie in diesem Jahr laut Weltbank als Gruppe eine kollektive Rezession erleben, ist das erste Mal seit 60 Jahren. Das Pro-Kopf-Einkommen wird dabei sogar um 3,6 Prozent schrumpfen. „Das wird viele Millionen Menschen in extreme Armut stoßen“, schreiben die Weltbank-Ökonomen. Mindestens 60 Millionen Menschen dürften betroffen sein.

Die Prognose der Weltbank ist damit pessimistischer als die des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus dem April: Der Fonds erwartete damals eine Weltrezession von minus 3,0 Prozent. „Neuere Daten lassen aber erwarten, dass der globale Rückgang noch schlimmer wird“, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgieva Ende Mai. Die IWF-Prognose im Juli dürfte also voraussichtlich ebenfalls gesenkt werden.

Die Weltbank jedenfalls rechnet auch mit einer eher schleppenden Erholung. Die Weltwirtschaft werde 2021 um 4,2 Prozent wachsen. Das ist, angesichts der Durchschnittswachstumsraten zwischen drei und vier Prozent vor Corona, nach einer so tiefen Rezession ausgesprochen wenig. In diesem Szenario wachsen die Industriestaaten um 3,9 und die ärmeren Staaten um 4,6 Prozent.

Die Voraussetzung dafür ist, dass die Lockdowns in den Industriestaaten im Sommer und die in den Entwicklungsländern etwas später aufgehoben werden und es zu keiner schweren zweiten Infektionswelle kommt. Für nicht ausgeschlossen hält die Weltbank aber auch ein noch schlimmeres Szenario, in dem die Weltwirtschaft 2020 um acht Prozent schrumpft und 2021 um nur ein Prozent wächst.

Länder brechen aus den internationalen Lieferketten

Auf jeden Fall aber befürchten die Weltbank-Ökonomen, dass in den Schwellen- und Entwicklungsländern die Folgen der Rezession länger anhalten werden als in den Industriestaaten. Bereits jetzt beobachten Forscher etwa des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), dass etliche Schwellen- und Entwicklungsländer aus den internationalen Lieferketten kippen. Besonders für südostasiatische Staaten wäre dies ein schwerer Rückschlag.

Und für einige Länder Afrikas, wie zum Beispiel Ghana, die an der Schwelle zur Einbindung in globale Lieferketten stehen, werde es schwieriger, global Anschluss zu finden, zeigt eine IfW-Studie aus dem Mai. IfW-Schwellenländerexperte Klaus Jürgen Gern beobachtet, dass in vielen Schwellenländern die Infiziertenzahlen jetzt stark steigen, obwohl sie zum Teil drastische Lockdown-Maßnahmen ergriffen haben. „Das führt dann zwangsläufig tief in die Rezession“, sagte er dem Handelsblatt.

Erschwerend komme hinzu, dass sie Rohstoffe und Öl produzierten. „Zuerst haben die Preiseinbrüche ihnen geschadet, und jetzt werden die Produktionsmengen reduziert. Das hat den Ölpreis zwar wieder stabilisiert, aber die Produktion ist rückläufig.“ Exporteure von Rohstoffen und Vorprodukten, wie Südafrika, leiden denn auch laut Weltbank besonders unter der Corona-Rezession.  

„Schwierig bleibt die Lage in Lateinamerika“

IWF-Analysen haben zudem gezeigt, dass es im April und Mai eine gigantische Kapitalflucht aus Schwellenländern gegeben hat: Mehr als 100 Milliarden US-Dollar wurden von internationalen Investoren abgezogen. Diese Kapitalflucht zumindest ist laut Gern inzwischen gestoppt, weil IWF und Weltbank sehr frühzeitig den ärmeren Staaten mit Kreditlinien und Schuldenerlassen beigesprungen sind.

So haben 60 Staaten bereits vom IWF Bestandskredite über 22 Milliarden Dollar erhalten. Für die ärmsten 27 Länder haben die G20-Staaten Schuldenerleichterungen über zwölf Milliarden Dollar gewährt. „Schwierig bleibt die Lage aber in Lateinamerika, weil für Schuldennachlässe auch die privaten Gläubiger gewonnen werden müssten“, sagt Ökonom Gern.

IWF-Chefin Georgieva hofft zudem, dass die Notfallprogramme nationaler Regierungen, die sich weltweit auf neun Billionen Dollar summieren, die Weltwirtschaft wieder in Gang bringen werden. Schwellenländer-Regierungen ist es laut IWF gelungen, für 77 Milliarden Dollar eigene schuldenfinanzierte Rettungsprogramme aufzulegen.

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