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Konjunktur DIW-Prognose: Wirtschaft wird die Corona-Rezession schneller überwinden als gedacht

Die Ökonomen des DIW zeigen sich hinsichtlich der wirtschaftlichen Erholung zuversichtlich. Schon kommendes Jahr soll die Wirtschaft wieder um vier Prozent wachsen.
10.09.2020 - 11:12 Uhr Kommentieren
DIW-Prognose: Erholung von der Corona-Rezession schneller als gedacht Quelle: dpa
Einkaufsmeile in München

Die deutsche Wirtschaft erholt sich schneller vom Corona-Schock als bislang gedacht, glauben die Ökonomen des DIW.

(Foto: dpa)

Berlin Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat seine Konjunkturprognose für 2020 angehoben: Statt mit einem Minus von mehr als neun Prozent rechnen die Forscher nunmehr mit einem Minus von sechs Prozent.

Im nächsten Jahr soll die deutsche Wirtschaft dann wieder um 4,1 Prozent zulegen und 2022 um weitere drei Prozent wachsen.

In diesem Jahr fehlen vor allem Investitionen. Laut DIW brechen sie im Vergleich zu 2019 um 19 Prozent ein – so stark wie nie zuvor. Auch die Exporte leiden 2020: Sie liegen um 11,1 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Sogar der Konsum liegt demnach um fast acht Prozent unter dem Niveau von 2019.

Mit der Konjunkturprogose eröffnet das DIW den Reigen der Institute, die in diesem Monat ihre Herbst-Konjunkturprognosen veröffentlichen. Kommende Woche folgen das RWI Essen, das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und das Institut für Weltwirtschaft (IfW).

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    Zu erwarten ist, dass die Prognosen für das Gesamtjahr leicht besser ausfallen werden als im Sommer. Auch die Bundesregierung hat ihre Prognose verbessert: Sie erwartet für das Gesamtjahr 2020, dass die Wirtschaft um 5,8 Prozent schrumpft statt wie zuvor veröffentlicht um 6,3 Prozent.

    Schlimmster Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg

    Zwar war die Rezession im April so tief wie kein Wirtschaftseinbruch jemals in der Nachkriegsgeschichte zuvor. Aber die Erholung ab Mitte Mai fiel danach weitaus kräftiger aus, als es die meisten Ökonomen im Sommer erwartet hatten. „Die deutsche Wirtschaft ist bislang besser durch die Krise gekommen als befürchtet“, sagt DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. Dem historischen Einbruch werde „ein äußerst kräftiges drittes Quartal folgen“.

    Doch auch wenn Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bereits vergangene Woche ein Schild in die TV-Kameras hielt, das eine V-förmige Kurve für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr anzeigte, bei der auf den steilen Absturz ein ebenso steiler Wiederanstieg folgte: Die Corona-bedingte Leidenszeit für viele Unternehmen und Arbeitnehmer ist noch längst nicht vorüber.

    Altmaier: „Rechnen im weiteren Verlauf des Jahres mit einer anhaltenden Erholung“

    Die DIW-Forscher erwarten, dass das BIP sein Vorkrisenniveau erst wieder in anderthalb Jahren erreichen wird, also zum Jahreswechsel 2021/2022.

    Im dritten Quartal dürfte es etwa 90 Prozent der Höhe von Ende 2019 erreichen. Das ist zwar erst einmal gut, weil ein Großteil des Einbruchs wieder wettgemacht wurde. Es bleibt aber ein großes Problem, weil der anfangs kräftige Wiederaufschwung inzwischen deutlich an Dynamik zu verlieren scheint.

    DIW: Der Konsum wird die Konjunktur stützen

    Positiv wertet das DIW, dass die Kurzarbeit einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert hat. 2020 werden demnach 500.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Angesichts der Tiefe der Corona-Rezession sei das äußerst wenig, so DIW-Chef Marcel Fratzscher. 

    Unklar ist allerdings, wie viele Unternehmen in die Pleite rutschen werden. Bis Ende des Jahres ist die Insolvenzanzeigepflicht ausgesetzt. Fratzscher appelliert allerdings an die Unternehmen, eine Insolvenz nicht aufzuschieben: Sie biete die Chance, Schulden zu restrukturieren. Zudem sei es nur fair gegenüber Lieferanten, die Lage offenzulegen.

    Grafik

    Insgesamt erwarten die DIW-Experten, dass der Konsum die Konjunktur stützen wird. Das Konjunkturpaket der Bundesregierung habe auf jeden Fall geholfen. Es werde das diesjährige BIP um 40 Milliarden Euro erhöhen, heißt es.

    Allerdings: Dass viele Konsumenten verunsichert sind, zeige sich in der enorm hohen Sparquote und darin, dass die Verkäufe langlebiger Konsumgüter, wie Autos und Kühlschränke, niedriger lägen als im Vorjahr. 

    Was die Regierung jetzt noch tun kann, ist, dafür zu sorgen, dass die Investitionen, für die das Geld im Konjunkturprogramm bereitsteht, auch wirklich erfolgen. Und dass der Strukturwandel, etwa in der Autoindustrie hin zur Elektromobilität, schnell gelinge, sagt Fratzscher.

    China ist der Hoffnungsträger für den Außenhandel

    Schwer einzuschätzen bleibt allerdings die Lage der Weltwirtschaft. DIW-Expertin Geraldine Dany-Knedlik sieht Hoffnungszeichen aus China. Im Land mit den ersten Ausbrüchen des Coronavirus scheint die Rezession überwunden zu sein. Weil aber die USA und Großbritannien noch weit von einem Aufschwung entfernt sind, bleibt der Außenhandel für deutsche Unternehmen schwierig. Immerhin: „Bisher zeigt der Welthandel eine starke Erholung in diesem Quartal“, sagt sie.

    Konjunkturexperten hatten die neuen Außenhandelszahlen des Statistischen Bundesamts für den Juli bereits mit sehr gemischten Gefühlen betrachtet. Der Handel mit China lag da zwar wieder auf Vorkrisenniveau, aber der mit den EU-Ländern hinkte noch deutlich hinterher. Im Juli lag das Niveau der Exporte insgesamt noch um elf Prozent unter dem von 2019.

    „Die Zahlen deuten darauf hin, dass nach einem kräftigen Anstieg des BIP im Sommerquartal die Erholung zum Jahresende an Fahrt verliert“, sagt etwa Sebastian Dullien, Chef des gewerkschaftsnahen IMK. Und IfW-Experte Stefan Kooths befürchtet: „Dem Erholungsprozess in der deutschen Außenwirtschaft geht nicht die Luft aus, aber die Atmung wird schwerer.“

    Die Industrieproduktion wiederum hat sich seit Mai nach den amtlichen Daten zwar deutlich erholt, das Tempo hat sich allerdings im Juli ebenfalls verlangsamt. „Die wieder bessere Stimmung in den Unternehmen und die gesunkene Kurzarbeit sprechen dafür, dass sich der Aufholprozess in den kommenden Monaten fortsetzt, wenngleich er noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte“, kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium.

    Auch die jüngsten Einkaufsmanagerindizes des IHS-Markit-Instituts für den Dienstleistungssektor in Deutschland und in der Euro-Zone für August zeigten: Die Erholung hat sich nach ihrer anfänglichen Dynamik bis Juli inzwischen verlangsamt.

    Mehr: Warum bei den Automobilzulieferern eine Pleitewelle droht

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