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Konjunkturprognose Institute erwarten stärkeres Wirtschaftswachstum – und deutlich höhere Inflation

Die Wirtschaft nimmt laut der großen Wirtschaftsinstitute wieder Fahrt auf. Auch die Inflation steigt. Wirtschaftsminister Altmaier gibt jedoch langfristig Entwarnung.
17.06.2021 - 16:06 Uhr Kommentieren
Das DIW Berlin und das IfW legen ihre neue Konjunkturprognose für 2021 und 2022 vor. Quelle: dpa
Hamburger Hafen

Das DIW Berlin und das IfW legen ihre neue Konjunkturprognose für 2021 und 2022 vor.

(Foto: dpa)

Berlin Mehr Wachstum, aber auch mehr Inflation: Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat seine Konjunkturprognosen angehoben. Das Bruttoinlandsprodukt soll in diesem Jahr statt um die bislang erwarteten 3,7 Prozent nun sogar um 3,9 Prozent zulegen, sagten die Kieler Forscher voraus. „Die Konjunktur in Deutschland nimmt wieder Fahrt auf.“

Nachdem das Wiederaufflammen der Corona-Pandemie die Erholung zeitweise ins Stocken gebracht habe, dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion „im weiteren Verlauf des Jahres in hohem Tempo ausgeweitet werden und ihr Vorkrisenniveau wieder überschreiten“.

Für 2022 wird unverändert ein Wachstum von 4,8 Prozent erwartet, nachdem es im vergangenen Jahr wegen des Corona-Ausbruchs ein Minus von 4,8 Prozent gegeben hatte.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist mit seiner Prognose hingegen etwas vorsichtiger als das IfW: Die Berliner Ökonomen erhöhten ihren Ausblick für das Wirtschaftswachstum 2021 zwar auch, aber nur leicht auf 3,2 Prozent - bisher waren es 3,0. Für das Jahr 2022 steigt die Prognose auf 4,3 Prozent, zuvor lag diese noch bei 3,8.

Die Konjunktur bleibt nach Ansicht des DIW-Instituts trotz des erwarteten Aufschwungs verwundbar. „Die deutsche Wirtschaft wird voraussichtlich einen guten Sommer erleben, aber sie ist noch nicht über den Berg“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. „Rückschläge sind jederzeit möglich, vor allem ab dem Herbst.“

Und auch das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) wird grundsätzlich optimistischer. Die Essener Forscher erhöhten ihre Wachstumserwartungen für das laufende Jahr leicht von 3,6 auf 3,7 Prozent. Für 2022 erwartet das RWI eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 4,7 Prozent, statt 3 Prozent, wie es in der Prognose vom März hieß. Das Bruttoinlandsprodukt werde das Vorkrisenniveau voraussichtlich zum Ende dieses Jahres erreichen. 

DIW: Keine Gefahr durch steigende Preise

Auch an anderer Stelle sind sich die Wirtschaftsforscher einig: Die Inflation wird anziehen. Das DIW erwartet eine Teuerungsrate von 2,7 Prozent für 2021, das IfW eine Inflation von 2,6 Prozent.

Das DIW sieht aber insgesamt keine Gefahr durch steigende Preise. „Es ist unredlich, vor der angeblich großen Inflation zu warnen“, betonte Fratzscher. „Es gibt überhaupt keinen Anlass dafür.“ Die Entwicklung sei durch Sondereffekte getrieben.

Auch die IfW-Forscher nennen Maßnahmen wie die zeitweise gesenkte Mehrwertsteuer und die Einführung der CO2-Steuer als Grund für die Entwicklung. „Aber auch die sich mit der Überwindung der Pandemie kräftig erholende Nachfrage wirkt preistreibend.“ Für die Bereiche Gastronomie, Touristik und Unterhaltung etwa könnten sich größere Spielräume für höhere Preise ergeben.

2022 soll die Inflationsrate beiden Instituten zufolge auf knapp unter zwei Prozent sinken. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe vielmehr das Problem, dass die Inflation im Euro-Raum mittelfristig unter dem Zielwert von knapp unter zwei Prozent bleibe, sagte Fratzscher.

Auch die Inflationserwartungen gäben keinen Anlass zur Sorge: Die Erwartungen für die nächsten fünf Jahre lägen unter zwei Prozent und damit im Rahmen des Inflationsziels der EZB.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht ebenfalls kein dauerhaftes Comeback der Inflation heraufziehen. „Eine große Inflationswelle wie in den 70ern sehe ich nicht“, sagte Altmaier dem Handelsblatt. In den 70er-Jahren hatte es teils Inflationsraten von fünf Prozent und mehr gegeben.

Er wisse, dass viele Menschen sich wegen der steigenden Inflationsraten Sorgen machten, so Altmaier. „Aktuell sind die Preissteigerungen aber eine vorübergehende Entwicklung, kein langfristiger Trend.“

Die aktuelle Preissteigerung beruhe auf verschiedenen Sondereffekten wie der vorübergehenden Senkung der Mehrwertsteuer, der Entwicklung der Rohstoffpreise und Nachholeffekte der wieder anziehenden Konjunktur.  „Dennoch beobachten wir mit allen anderen relevanten Akteuren die Situation natürlich aufmerksam“, so Altmaier.

Lieferengpässe behindern Produktion deutscher Unternehmen

Nach dem Wegfall der pandemiebedingten Restriktionen werden dem IfW zufolge die Aktivitäten vor allem in jenen Bereichen rasch wieder zunehmen, die zuvor besonders belastet wurden – etwa Handel und kontaktintensive Dienstleister. „Vorerst verzögern wird sich die Erholung jedoch in der Industrie“, hieß es.

„Die weltweit kräftige Erholung hat vielschichtige Lieferengpässe mit sich gebracht, die die Produktion vieler Unternehmen spürbar behindern.“ Davor warnte auch das DIW. „Der Konjunkturmotor springt an, aber es gibt eine Unwucht im Getriebe“, heißt es im DIW-Konjunkturausblick. „Die Industrie steckt in der Klemme.“

Trotz der sehr guten Auftragslage werde die Industrieproduktion deshalb wohl erst in der zweiten Jahreshälfte wieder nach und nach auf ihren Erholungskurs einschwenken.

Insgesamt habe die Coronakrise bislang zu volkswirtschaftlichen Schäden in Höhe von 350 Milliarden Euro geführt, das entspricht rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts, so das DIW.

Zwar werde das Vorkrisenniveau voraussichtlich schon im Schlussquartal dieses Jahres und damit etwas früher als gedacht erreicht. Die Krise habe aber auch Folgen für das Produktionspotenzial, das laut DIW auch mittelfristig nicht das Niveau von vor der Krise erreichen wird.

DIW-Chef Fratzscher sagte, er mache sich Sorgen, dass Deutschland durch die Krise im internationalen Vergleich gegenüber anderen Regionen wirtschaftlich zurückfallen könnte. Gerade deshalb sei es wichtig, dass der Staat stärker in Zukunftsbereiche investiere.

Mit Agenturmaterial

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