Ökonom Clemens Fuest: Ifo-Chef zur Konjunkturlage: Eine Krise, die „alles bisher Bekannte übertrifft“
Der Ökonom blickt mit Sorge auf die Lage der Weltwirtschaft.
Foto: Imago ImagesWachsende Staatsgläubigkeit, große konjunkturelle Risiken, außer Kontrolle geratene Inflation – selten hat man Clemens Fuest derart besorgt über den Zustand der Weltwirtschaft gesehen. Im Handelsblatt-Interview erklärt der Ifo-Chef, was getan werden muss, um das Schlimmste noch zu verhindern.
Hohe Inflationsraten, Kriegsunsicherheit, anhaltende Lieferkettenprobleme und dann noch die nicht überwundene Pandemie: Die Weltwirtschaft befindet sich in einer Ausnahmesituation. Hat es eine solche Lage in den vergangenen Jahrzehnten schon einmal gegeben?
Energiepreisschocks werden oft von geopolitischen Konflikten ausgelöst oder gehen damit einher. Ein Beispiel ist der Ölpreisschock 1973 und der Jom-Kippur-Krieg im Nahen Osten oder später die Irakkriege. Lieferkettenprobleme sind heute wegen der stärkeren Verflechtung der Weltwirtschaft allerdings gravierender. Heute sagen rund 80 Prozent der Industrieunternehmen in Deutschland, dass sie Probleme mit der Beschaffung von Vorprodukten haben. In den drei Jahrzehnten davor war der Höchststand 20 Prozent. Wir befinden uns also zumindest, was die Lieferketten angeht, in einer Krise, die alles bisher Bekannte übertrifft.