Ukraine-Krieg: Russlands Armee findet kaum neue Soldaten
Berlin. Auf dem etwas unscharfen Handy-Video erscheint ein grauer Gefängnishinterhof. Als die Kamera nach rechts schwenkt, gibt sie den Blick auf eine größere Gruppe von Insassen frei, die sich in einer längeren Schlange aufgereiht haben. Aufgenommen wurde das Video offenbar in einer Strafanstalt in Adygeja im Nordkaukasus im südlichen Teil Russlands. 300 Gefangene habe die Elite-Söldnereinheit Wagner allein hier für den Krieg in der Ukraine rekrutiert, schreibt der Kreml-Kritiker Igor Sushko über seinem Post auf Twitter.
Ob die Aufnahmen echt sind, lässt sich nicht überprüfen. Doch es ist sehr wahrscheinlich, dass sie der Realität entsprechen. Denn die Anzeichen verdichten sich, dass der Kreml bei seiner Schattenmobilisierung zu immer unkonventionelleren Mitteln greifen muss.
So schätzt auch der britische Geheimdienst in seinem aktuellen Ukraine-Update die Gefängnis-Rekrutierungen als möglich ein. „Sollte das wahr sein, weist dieser Schritt wahrscheinlich auf Schwierigkeiten beim Ersetzen der erheblichen russischen Verluste hin“, heißt es in der Mitteilung.
Ukraine-Krieg: Russland meidet die Generalmobilmachung
„Russland hat massiv Probleme, neue Soldaten zu finden – das sind keine Gerüchte, das ist Fakt. Und sie versuchen alles, um noch irgendwo neues Personal aufzutreiben, ohne eine Generalmobilmachung auszurufen“, sagt auch András Rácz von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Er ist dort Experte für russische Außen- und Sicherheitspolitik.