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GesundheitskonzernFresenius verkauft Mehrheit seines Reha-Geschäfts an PAI

Der im Dax notierte Gesundheitskonzern trennt sich von einem weiteren seiner Randgeschäfte. Der Verkaufserlös könnte Fresenius helfen, im Zuge des Konzernumbaus die Schulden zu senken.Maike Telgheder 02.05.2024 - 18:53 Uhr
Büros von Fresenius: Deutschlands größter Krankenhausbetreiber verkauft eine weitere Randsparte. Foto: dpa

Frankfurt. Fresenius will die Mehrheit seines Rehabilitationsgeschäfts an die Private-Equity-Firma PAI verkaufen. Wie der Dax-Konzern am Donnerstagabend mitteilte, wird PAI nach Abschluss der Transaktion mit 67 Prozent Mehrheitseigentümer des nun neuen gemeinsamen Unternehmens. Fresenius behält die Minderheit mit 33 Prozent.

Zum genauen Verkaufspreis machte Fresenius keine Angaben. Er dürfte sich aber im dreistelligen Millionenbereich bewegen. Das Reha-Geschäft mit 67 Einrichtungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien und Großbritannien hat nach Angaben von Fresenius einen Wert von 853 Millionen Euro inklusive Schulden. 2023 war es demnach bei einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro profitabel.

Das Rehabilitationsgeschäft ist der größte Geschäftsbereich der Fresenius-Sparte Vamed, die im Dax-Konzern nicht mehr zum Kerngeschäft gehört und vergangenes Jahr Verluste verzeichnete.   

„Die Desinvestition ist ein wichtiger Schritt zur Optimierung unseres Portfolios“, sagte Fresenius-Chef Michael Sen. Der neue Eigentümer stelle die Kontinuität des Rehabilitationsgeschäfts sicher. Fresenius reduziere mit dem Verkauf weiter seine Komplexität, erklärte Sen weiter. Das Unternehmen kann sich nun stärker auf seine beiden Kerngeschäftsfelder Kabi (Medikamente und Medizintechnik) sowie Helios (Krankenhäuser) konzentrieren,

PAI ist eine international tätige Private-Equity-Firma, die auch stark im Gesundheitssektor investiert ist – unter anderem bei DomusVi, einem großen Unternehmen im Bereich der stationären Altenpflege in Europa. Fresenius behält nach eigenen Angaben den Minderheitsanteil, um an künftigen Wertsteigerungen zu partizipieren.

Fresenius-Chef Michael Sen kommt bei der Trennung von Randgeschäften voran. Foto: Fresenius

Fresenius hat die Rehakliniken vor ein paar Monaten zum Verkauf gestellt. Auch Finanzinvestor Waterland, Eigentümer der Reha-Klinikkette Median, gehörte zu den Interessenten.

Fresenius fokussiert sich weiter auf Kernsparten

Der seit Oktober 2022 amtierende Fresenius-Chef Michael Sen hat den stark verschuldeten Fresenius-Konzern umgebaut und vergangenes Jahr die Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) abgespalten. Fresenius konzentriert sich nun auf die beiden Kernsparten Kabi sowie Helios.

FMC, an der Fresenius noch 32 Prozent der Aktien hält, und auch die Konzerntochter Vamed werden beim Dax-Konzern als Finanzbeteiligung geführt.

Nicht zuletzt auch, um die Schulden zu senken, hatte Sen im vergangenen Jahr den Verkauf von Randbereichen gestartet. Im Oktober wurde die Trennung von einem Krankenhaus in Peru bekannt gegeben, im November der Verkauf der Kinderwunsch-Kliniken Eugin für bis zu 500 Millionen Euro an ein Konsortium um den US-Finanzinvestor KKR. Beide Transaktionen wurden in diesem Jahr abgeschlossen, auch der Verkauf der Rehakliniken soll noch 2024 Jahr unter Dach und Fach gebracht werden. 

Medizintechnik

Probleme beim Fresenius-Hoffnungsträger – US-Tochter Ivenix muss erneut bei Geräten nachbessern

Ende 2023 hatte Fresenius Nettofinanzverbindlichkeiten in Höhe von knapp 13,3 Milliarden Euro. Der Verschuldungsgrad gemessen am Verhältnis Netto-Finanzverbindlichkeiten zum operativen Ergebnis (Ebitda) lag bei 3,76. Zum Ende des laufenden Geschäftsjahrs wollte Fresenius laut Angaben bei der Bilanzvorlage im Februar dieses Jahres einen Verschuldungsgrad innerhalb des selbst definierten Zielkorridors von 3,0 bis 3,5 erreichen.

Corona-Pandemie sorgte für langsames Wachstum bei Vamed

Dabei waren allerdings Verkäufe wie etwa der der Rehakliniken noch nicht eingerechnet. Wohl aber der Verzicht auf die Dividendenzahlung, die Fresenius aussetzen muss, weil das Unternehmen im vergangenen Jahr rund 300 Millionen Euro an staatlichen Energiehilfen in Anspruch genommen hat.

Vamed hatte sich zuletzt zum Sorgenkind von Fresenius entwickelt. Zu der Sparte gehören neben den Rehakliniken Dienstleistungen wie die Bewirtschaftung der Medizintechnik, Krankenhausbetriebstechnik und Sterilgutversorgung sowie eine Einheit, die sich um die Planung, Errichtung und den Betrieb von Gesundheitseinrichtungen dreht. 

71
Millionen Euro
Verlust fuhr Vamed 2023 ein.

Vamed hatte zuletzt vor allem wegen Problemen im Projektgeschäft mit Gesundheitseinrichtungen massiv an Gewinn eingebüßt. Die Sparte hatte in den vergangenen Jahren auf Wachstum und Internationalisierung gesetzt.

Das ging zulasten der Profitabilität, insbesondere weil sich durch die Coronapandemie viele Projekte verzögerten und die Kosten stiegen. Bereits 2022 brach der Gewinn massiv auf eine Million Euro ein, 2023 fuhr die Sparte bei nahezu stabilem Umsatz von 2,36 Milliarden Euro rund 71 Millionen Euro Verlust ein.

Vergangenen Sommer war allerdings ein umfassendes Restrukturierungsprogramm gestartet worden, in dessen Rahmen unter anderem das Projektgeschäft neu ausgerichtet werden soll.

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Vamed gehört seit 1996 mehrheitlich zu Fresenius, der Dax-Konzern hält 77 Prozent der Anteile. Zehn Prozent gehören der österreichischen B&C Industrieholding, 13 Prozent hält der österreichische Staat über seine Beteiligungsgesellschaft Öbag.

2018 hatte das damalige Fresenius-Management unter anderem 17 Rehakliniken, elf Pflegeeinrichtungen und 13 Servicegesellschaften von Helios an die Vamed überführt, um dort die Reha- und Pflegekompetenzen zu bündeln.

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