Managerumfrage: Coronakrise beschleunigt die Digitalisierung der Wirtschaft
Starker Andrang von Kunden bei BCG Digital Ventures.
Foto: BCGDVDüsseldorf. Für Donata Hopfen läuft das Geschäft derzeit trotz Coronakrise „signifikant“ gut. Hopfen ist Partnerin von BCG Digital Ventures, einer Tochterfirma der Beratung BCG, die auf Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle für Konzerne spezialisiert ist. Die Unternehmen melden sich verstärkt, um in Sachen Digitalisierung voranzukommen. „Insgesamt gibt es eine Beschleunigung hin zu stärkerer Automatisierung und mehr Flexibilität, nicht nur beim Thema Homeoffice, sondern bei allen Prozessabläufen“, sagt Hopfen.
Die guten Zahlen für BCG Digital Ventures sind kein Einzelfall. Nach einer neuen Untersuchung von Dell Technologies beschleunigen weltweit Unternehmen „technologische Transformationsprozesse“. Das ergab sich aus einer Befragung von rund 4300 Führungskräften aus 18 Ländern, davon 1900 in Europa. „Unternehmen und Organisationen setzen jetzt in wenigen Monaten durch, was sonst Jahre gedauert hätte“, sagt Adrian McDonald, Europachef von Dell.
Die Gründe sind laut Dell verschieden. Ganz oben rangiert die Angst vor Cyberangriffen. Laut McDonald hätten die in Corona-Zeiten um den Faktor zehn zugenommen: „Cybersecurity ist ein massives Problem.“ Weitere Gründe sind der Ausbau von Arbeitsplätzen im Homeoffice sowie digitale Umsetzungen für Kunden und Mitarbeiter.
Dell teilte die Unternehmen je nach Grad der digitalen Transformation in fünf Gruppen ein. Zählten 2018 noch 39 Prozent aller Unternehmen zu den Gruppen der „Nachzügler“ oder „Mitläufer“, so sind es jetzt nur noch 16 Prozent. Dagegen nahm die Gruppe der „Bewerter“ und „Adopter“ im gleichen Zeitraum von 56 auf 78 Prozent zu.
Alte Gewohnheiten oft ein Problem
Die Gräben zwischen den Unternehmen werden dabei nach Meinung von BCG-Partnerin Hopfen tiefer: „Die, die schon vor der Krise die digitale Transformation gestartet haben, werden noch schneller und setzen Veränderungen rascher durch.“ Die anderen würden noch mehr abgehängt: „Die Schere geht auf.“
Die Veränderung und digitale Veränderungsdynamik seien im deutschen Gesundheitswesen laut Hopfen besonders stark, „das merken wir auch an unserer Auftragslage extrem. Es werden viele Jahre der verschlafenen Digitalisierung nachgeholt.“
Aber es gibt auch Widerstände. Laut den von Dell befragten Führungskräften stehen vor allem Datenschutzbedenken, zu wenig Geld und unbefriedigende Ergebnisse einer digitalen Transformation im Weg.
Hopfen kann das bestätigen und fügt hinzu: „Es ist ein Riesenproblem für die Unternehmen, digitale Talente anzuziehen.“ Gute Datenspezialisten hätten schon längst einen Job gefunden. „Warum sollten sie zu einem Unternehmen kommen, das die Digitalisierung verschlafen hat?“ Corona habe Dringlichkeit und Handlungsbedarf in Unternehmen gebracht. Doch: „Oft sind alte Strukturen und das mittlere Management, das auf Gewohntem beharrt, ein Problem.“