Raumfahrt: Japans Hoffnung auf eine Mondlandung hat sich erneut zerschlagen
Tokio. Die zweite Mondlandemission des Privatunternehmens Ispace ist ebenfalls fehlgeschlagen. Nach dem geplanten Touchdown am Freitagfrüh japanischer Zeit konnte das Unternehmen zuerst keinen Kontakt zur Sonde aufnehmen. Später teilte es mit, dass es seine Landefähre Resilience aufgebe. Das Unternehmen geht vorerst von einer harten Landung aus, also einem fatalen Crash.
Die Mission war im Januar mit großen Hoffnungen an Bord einer Rakete des US-Unternehmens SpaceX gestartet. Mit der Hakuto-R-Mission 2 sollte die 2,3 Meter hohe Landesonde sechs kleine Zuladungen auf den Mond transportieren. Darunter einen kleinen Rover, ein Gerät zur Wasserherstellung und eines zur Algenproduktion für die Ernährung künftiger Mondbewohner.
Doch nun könnten die Ambitionen von Ispace, sich als global führender Mondlogistikanbieter zu etablieren, erneut einen Rückschlag erleiden. Bereits vor zwei Jahren war ein Versuch gescheitert, der bei einem Erfolg die erste Mondlandung eines Privatunternehmens gewesen wäre. Damals ging der Sonde bei der Landung der Treibstoff aus.
Der Mond wird zum Markt
Inzwischen kamen die US-Rivalen Intuitive Machines und Firefly Aerospace den Japanern zuvor. Mit der schnell wachsenden Konkurrenz steht Ispace unter Zugzwang. Finanzchef Jumpei Nozaki bezeichnete die zweite Mission daher als „unglaublich wichtig“.
Kommerzielle Flüge zum Mond gelten als Zukunftsmarkt mit großem Wachstumspotenzial. Mehrere Nationen planen Mondprogramme und -projekte, darunter auch bemannte Mondstationen, für die regelmäßige Flüge mit Baumaterial und Versorgungsgütern erforderlich wären.
Laut einer Marktstudie von Global Market Insights könnte der Markt für private Raumfahrtlogistik zwischen 2024 und 2034 von 1,4 Milliarden auf 7,4 Milliarden Dollar steigen. In dieser Summe sind Dienstleistungen rund um Mondflüge enthalten, nicht jedoch die Kosten für Raketen und Materialien. Diese dürften sich nach Schätzungen von Experten im selben Zeitraum auf über 100 Milliarden Euro belaufen.
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Ispace will davon profitieren. Das Unternehmen begann 2010 als Teil eines privaten europäisch-japanischen Mondprojekts. Gründer Takeshi Hakamada entwickelte seinen Traum dann über die Jahre zu einer Geschäftsidee weiter. Die langfristige Strategie des Unternehmens besteht darin, Lander und Rover zu bauen, um sich um Aufträge für Transport- und Erkundungsmissionen von Raumfahrtbehörden in Japan, Europa und den USA sowie der Privatindustrie zu bewerben.
Ispace positioniert sich auch in den USA und Europa
Dafür hat Hakamada das Unternehmen bereits jetzt global aufgestellt. Die europäische Niederlassung ist der Sitz der Missionskontrolle. Dort wurde der Mini-Rover für die Mission Hakuto-R Mission 2 entwickelt. Das Team von Ispace US arbeitet eng mit dem gemeinnützigen Ingenieursunternehmen Draper Laboratory zusammen, das in das amerikanische Raumfahrtprogramm eingebunden ist.
So entwickelt das US-Team bereits eine Mondlandefähre für die geplante dritte Mission. Die Apex 1.0 ist mit einer Höhe von mehr als drei Metern nicht nur größer als die bisherigen Modelle, sondern auch darauf ausgelegt, mehrere Hundert Kilogramm Nutzlast auf dem Mond abzusetzen. Zudem will Ispace mit der neuen Sonde die Reisezeit zum Mond von derzeit vier bis fünf Monaten auf einen Monat senken.
In Japan arbeitet das Unternehmen zudem mit dem Versicherer Sumitomo Mitsui & AD zusammen. Die Assekuranz hatte 2022 gemeinsam mit Ispace das erste umfassende Versicherungsprogramm für Mondmissionen entwickelt. Die Versicherung und die Sumitomo Mitsui Bank (SMBC), eine der führenden Großbanken Japans, treten auch als Sponsoren der Mondfahrer auf: Die Mondlandeparty des Raumfahrtunternehmens fand dieses Mal im Hauptquartier von Sumitomo Mitsui statt.
Dort versicherte der Ispace-Finanzchef vor der Landung, dass ein erneuter Fehlschlag nicht das Aus des Unternehmens bedeuten würde. „Selbst wenn Mission zwei nicht zu einer erfolgreichen Landung führt, stehen die nächsten Missionen bereit“, sagte Nozomi.
Firmenchef Hakamada gab sich mit einem Vergleich zu dem Raumfahrtunternehmen von Tesla-Chef Elon Musk, SpaceX, ebenfalls kämpferisch. „Auch SpaceX ist schon mehrmals gescheitert, aber besetzt jetzt den Startmarkt“, sagte Hakamada. SpaceX wickelt derzeit einen großen Teil der Raketenstarts der USA ab.
Mission drei mit dem neuen Lander sei bereits in konkreter Planung – ganz nach dem Firmenmotto „Never quit the lunar quest“ (Gib das Streben nach dem Mond niemals auf), versprach Nozomi. „Wir werden weiter zum Mond fliegen.“