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  4. Amazon und Nasa kritisieren SpaceX. Sie sollen entlegene Orte mit Internet versorgen. Doch jetzt sind Dutzende Starlink-Satelliten von Elon Musk in der Erdatmosphäre verglüht.

RaumfahrtRückschlag für SpaceX: Sonnensturm zerstört 40 von 49 Starlink-Satelliten

Startlink-Satelliten sollen entlegene Orte mit Internet versorgen. Doch jetzt sind Dutzende Satelliten von Elon Musk in der Erdatmosphäre verglüht. Kostenpunkt: bis zu 50 Millionen Dollar.Felix Holtermann, Thomas Jahn 10.02.2022 - 17:48 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die privat entwickelte Rakete des Typs Falcon Heavy bringt Lasten ins All.

Foto: dpa

New York, Düsseldorf. Ein Sonnensturm hat Dutzende neue Satelliten der Raumfahrtfirma SpaceX zum Absturz gebracht. Bis zu 40 von 49 Kleinsatelliten, die erst vergangene Woche in Betrieb genommen worden waren, seien verloren, teilte das US-Unternehmen von Tesla-Chef Elon Musk mit. Den Verlust der Satelliten bezeichnete SpaceX‧ als „einzigartige Situation“.

Geomagnetische Stürme werden durch intensive Solaraktivitäten wie Sonneneruptionen hervorgerufen, bei denen Plasmaströme aus der Sonnenkorona ins All und in Richtung Erde geschleudert werden. Ein solcher Sturm habe am Freitag die Atmosphäre erwärmt und verdichtet, wodurch sich die Anziehungskraft der Erde auf die Satelliten um bis zu 50 Prozent verstärkt habe, so SpaceX.

Zwar habe das Bodenpersonal noch versucht, die kompakten Satelliten zu retten: Diese wurden in eine Art „Ruhezustand“ versetzt, in dem die flachen Satelliten besonders geringen Zugkräften ausgesetzt waren. Doch die atmosphärischen Kräfte waren zu stark, heißt es in der Mitteilung. Die Satelliten konnten nicht mehr in höhere, stabilere Umlaufbahnen aufsteigen.

Schaden von 50 Millionen Dollar

Getroffen wurden die Satelliten von dem Sonnensturm, als sie sich in einer Übergangsposition befanden. In diese ungewöhnlich niedrige Umlaufbahn schickt SpaceX sie, damit Blindgänger wieder in die Atmosphäre eintreten und für die Raumfahrt keine Gefahr darstellen.

Durch den Sturm seien die nur 260 Kilogramm schweren Satelliten beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht – oder im Begriff, so zu enden, erklärte das Unternehmen. Das kostet die von Elon Musk gegründete Firma bis zu 20 Millionen Dollar. Rechnet man noch den Raketenstart der Falcon 9 hinzu, beläuft sich der Ausfall auf insgesamt 50 Millionen Dollar.

Das Weltraumunternehmen SpaceX hat durch einen Sonnensturm bis zu 40 Internet-Satelliten verloren. Die künstlichen Himmelskörper wurden aus ihrer Umlaufbahn geworfen und verglühten in der Erdatmosphäre.

Nicht nur finanziell ist das ein Rückschlag für SpaceX und seine wichtige Tochtergesellschaft Starlink. Die will in einer vergleichsweise niedrigen Erdumlaufbahn ein großes Satellitennetz aufbauen, um fast überall auf der Welt schnelles Internet anbieten zu können.
Laut Starlink gibt es in 25 Ländern 145.000 Kunden, die monatlich 99 Dollar oder mehr zahlen. Seit inzwischen mehr als einem Jahr ist das Angebot auch in Deutschland verfügbar.

Schlimmer als der Verlust der Satelliten wiegt die wachsende Kritik in den USA. Für Unmut sorgt Starlink etwa auch bei der Weltraumbehörde Nasa. Wie am Mittwochabend bekannt wurde, hat die Behörde Sicherheitsbedenken gegen wie Wachstumspläne von SpaceX. „Die Nasa ist besorgt über die potenzielle Zunahme von Zusammenstößen und mögliche Auswirkungen auf die wissenschaftlichen und bemannten Raumfahrtmissionen“, teilte die US-Aufsichtsbehörde FCC mit. Die wiederum ist in den USA für die Vergabe von Funklizenzen zuständig.

Kritik von Nasa und Amazon

SpaceX hat den Start von weiteren 30.000 Satelliten im Rahmen des Starlink-Programms beantragt. Die Erweiterung „würde die Anzahl der überwachten Objekte in der Erdumlaufbahn mehr als verdoppeln und die Anzahl der Objekte unter der 600-Kilometer-Grenze mehr als verfünffachen“, warnt die Nasa. Auch der Online-Händler Amazon, der mit seinem Kuiper-Programm wiederum ein eigenes Satellitennetz plant, hat sich bei der FCC beschwert.

Unter Astronomen stehen die Starlink-Satelliten schon seit Längerem in der Kritik, unter anderem aufgrund ihrer glänzenden Oberfläche. Jonathan McDowell, Astrophysiker am Harvard-Smithsonian-Institut, erklärte: „Wir sind besorgt über die große Anzahl von Satelliten. Sie stören astronomische Beobachtungen. Ich denke, wir brauchen mehr Erfahrung mit einigen Tausend Satelliten im Orbit, bevor wir Zehntausende weitere starten können.“

SpaceX reagierte auf Anfrage zunächst nicht auf die Kritik. Das Unternehmen erklärte jedoch, die eigenen Mitarbeiter würden eng mit den US-Weltraumbehörden zusammenarbeiten.

Von den 40 abstürzenden Satelliten gehe derweil keine Gefahr aus: So gebe es „kein Kollisionsrisiko mit anderen Satelliten“, es entstünden „keine Trümmer in der Umlaufbahn“, den Boden würden Satellitenteile nicht erreichen. Man unternehme große Anstrengungen, um Trümmerteile in der Umlaufbahn zu vermeiden.

Knapp 2000 Starlink-Satelliten umkreisen bereits die Erde. Die aktuellen Genehmigungen sehen eine Obergrenze von rund 12.000 Satelliten vor. Die Zahl soll aber deutlich wachsen. Mit Starlink will SpaceX im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 30 Milliarden Dollar erwirtschaften – sechsmal mehr als mit dem eigenen Raketenstartprogramm.

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Der angestrebte Umsatz von Starlink kann aber nur mit einer Anzahl von Kunden mindestens im mittleren zweistelligen Millionenbereich erzielt werden. Um so viele Nutzer mit schnellem Internet zu verbinden, benötigt Starlink dringend mehr Satelliten.

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