Hollywood: Apple gelingt Überraschungserfolg im Kino
San Francisco. Zolldruck, KI-Desaster und Probleme in China – der Chef des Tech-Konzerns Apple, Tim Cook, macht derzeit eine der schwierigsten Phasen seiner Amtszeit durch. Seit diesem Wochenende kann er sich jedoch über einen Erfolg freuen: Die Einnahmen des von Apple produzierten Kinofilms „F1“ mit Brad Pitt haben die hohen Drehkosten bereits zwei Wochen nach dem Start übertroffen.
Am Sonntag veröffentlichten Daten der Medienfirma Comscore zufolge hat der Formel-1-Film weltweit bislang 293,6 Millionen Dollar eingespielt. Auch in Deutschland überzeugte er Kinobesucher: In der vergangenen Woche verkauften die Kinos hierzulande für keinen anderen Film mehr Tickets.
Das Werk von Regisseur Joseph Kosinski hatte ein Budget in Höhe von 200 Millionen Dollar. Hinzu kamen Distributionskosten, die auf 50 Millionen Dollar geschätzt werden.
Apples Einnahmen dürften auch indirekt weiter steigen, da das Unternehmen den Film zusätzlich auf seiner Plattform TV+ anbietet. Umsatzzahlen werden dazu nicht veröffentlicht.
Apple setzt „voll auf Qualität“
Für Apple war das Projekt ungewöhnlich. Der Konzern setzte bislang auf teure, aber eher nischige Projekte wie „Killers of the Flower Moon“ oder „Napoleon“. Sie überzeugten die professionellen Kritiker – entpuppten sich letztlich aber als Verlustgeschäft.
Apple, hieß es in der Branche, wolle mit den Filmen vor allem seine Marke aufwerten und anspruchsvolle Abonnenten seines TV+-Dienstes überzeugen.
Oliver Schusser, der in der Zentrale im kalifornischen Cupertino unter anderem das TV- und Filmgeschäft verantwortet, erklärte die Strategie im Gespräch mit dem Handelsblatt jüngst so: Apple setze „voll auf Qualität“ und produziere alles selbst. Von diesem Prinzip wolle man auch künftig nicht abweichen. „Es ist kein Trash dabei“, sagte er.
Mit „F1“ zielte das Unternehmen nun erstmals auf ein breiteres Publikum. Man habe dabei „auf jedes Detail geachtet“, schwärmte Konzernchef Cook jüngst im Hollywood-Magazin „Variety“. Für das Interview ließ er sich mit dem Rennfahrer Lewis Hamilton in der Apple-Zentrale fotografieren. Hamilton wirkte als Co-Produzent am Film mit.
Bei Apples Entwicklerkonferenz WWDC – eigentlich eine Bühne für Software- und Technologiefortschritte – teilte Cook „F1“ eine besondere Rolle zu: Der Film wurde direkt am Anfang der Präsentation in Szene gesetzt und am Folgetag konnten Entwickler und Journalisten ihn vorab im „Steve Jobs Theatre“ sehen. Cook, so viel wurde dadurch klar, will Apple als ernst zu nehmenden Produzenten in Hollywood etablieren.
„Sie wollen in dem Geschäft bleiben – und sind bereit zu expandieren“, sagte Kevin Walsh kürzlich der „Financial Times“. Er produzierte etwa den Kinofilm „Napoleon“ mit Apple.
Die hohen Verluste der Filmeinheit will Cook auf Dauer offenbar nicht akzeptieren. Er sehe Apples Filmambitionen als eigenständiges Geschäft, das auch für sich genommen profitabel arbeiten müsse, sagte Cook Variety, und nicht bloß als Verkaufsbooster für iPhones. „Ich denke darüber überhaupt nicht nach“, sagte er.
Apple mobilisierte sein gesamtes Ökosystem für den Erfolg des Films: In den USA wurde „F1“ auch in Apple Stores beworben, über Apple Pay konnten Kunden rabattierte Tickets erwerben. Bestimmte Szenen in den Rennwagen wurden mit iPhone-Kameras gefilmt.
Freuen kann sich auch Hauptdarsteller Brad Pitt: „F1“ ist der wirtschaftlich bislang erfolgreichste Filmstart in seiner mehr als 35-jährigen Karriere.
Erstpublikation: 06.07.2025, 21:19 Uhr.