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Gebühren für JavaOracle bringt Kunden gegen sich auf

Ohne Java geht im Internet nicht viel. Mit einem neuen Lizenzmodell hebt Anbieter Oracle die Gebühren für die Technologie massiv an – und zieht den Ärger der Kunden auf sich.Christof Kerkmann 15.09.2023 - 13:45 Uhr Artikel anhören

Der Softwarehersteller drängt Java-Kunden in ein neues Lizenzmodell.

Foto: Bloomberg

Düsseldorf. Bei vielen Kunden hat Oracle einen zweifelhaften Ruf. Die Produkte des IT-Konzerns gelten zwar als technisch hochwertig, immer wieder kommt es aber zu Konflikten über Preispolitik und Vertragsgestaltung. Hinter vorgehaltener Hand bezeichnet so mancher IT-Manager das Unternehmen als Rechtsabteilung mit angeschlossener Softwareentwicklung.

Derzeit kocht der Unmut in vielen IT-Abteilungen wieder hoch. Bei dem Konflikt geht es um die Technologie Java, die für die Funktion zahlreicher Onlineanwendungen zentral ist: Der Softwarehersteller drängt Kunden in ein neues Lizenzmodell, das die Berechnung der Gebühren deutlich vereinfachen soll, die meisten Kunden aber deutlich mehr kosten dürfte.

Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner kalkuliert in einer kürzlich veröffentlichten Studie damit, dass die Lizenz für viele Unternehmen um den Faktor zwei bis fünf teurer werden dürfte. Bei großen Konzernen können sich die Nachforderungen nach Einschätzungen aus Branchenkreisen damit schnell auf mehrere Millionen Euro belaufen.

„Das neue Lizenzmodell für Java hat die Stimmung im Markt gegenüber Oracle deutlich verschlechtert“, sagt Michael Paege, der bei der deutschen Anwenderorganisation DOAG das Kompetenzzentrum für Lizenzen leitet. Unternehmen können sich zwar gegen diese Taktik wehren – der Aufwand ist allerdings hoch.

Bei Softwareherstellern und Cloud-Dienstleistern sind jährliche Preiserhöhungen üblich. So verlangt Microsoft seit April für Produkte wie Office 365 im Euro-Raum elf Prozent mehr, die Produkte von Salesforce sind seit August um bis zu zehn Prozent teurer. IBM schlägt bei bestimmten Cloud-Produkten ab dem Jahreswechsel sogar rund 25 Prozent auf.

Preiserhöhung durch die Hintertür

Auch Oracle hebt die Preise regelmäßig an – oft kräftig. Für die Wartung von Software wie Datenbanken beispielsweise zahlen Kunden mit Einjahresvertrag ab Anfang Oktober acht Prozent mehr, sofern keine individuellen Vereinbarungen bestehen. Zum Vergleich: SAP erhöht die Gebühren in Anlehnung an die Inflation zum neuen Jahr um bis zu fünf Prozent.

Bei der Java-Technologie kommt die Preiserhöhung indes durch die Hintertür. Oracle hat den Dienst „Java SE Universal Subscription“ Anfang Januar als „Reaktion auf Kundenfeedback“ eingeführt, wie der Konzern gegenüber dem Handelsblatt erklärt. Es handle sich um ein „einfaches und kostengünstiges Abonnement“.

Einfach ist die neue Regelung in der Tat, kostengünstig aber nur bedingt. Während Unternehmen bislang die Nutzung aufwendig erheben müssen, nimmt die neue Regelung die Zahl aller internen und externen Mitarbeiter als Berechnungsgrundlage, auch Teilzeit- und Aushilfskräfte – unabhängig davon, ob sie mit Java zu tun haben oder nicht.

Selbst Personenkreise außerhalb des Unternehmens wie Berater würden einbezogen, sagt der Rechtsanwalt Robert Fleuter, der mit seinem Unternehmen Service Auditprotect Kunden beim Umgang mit IT-Verträgen berät.

Sein Urteil: „Eine groteske Preisregel.“ Wenn in einem Unternehmen mit 10.000 Mitarbeitern nur einer die Java-Software von Oracle nutze, müsste trotzdem eine Lizenzgebühr für die gesamte Belegschaft gezahlt werden.

Eine groteske Preisregel.
Robert Fleuter, Chef von Auditprotect

Den Preisanstieg rechnet DOAG-Lizenzexperte Paege vor: Ein Unternehmen mit 3000 Mitarbeitern sowie 200 Beratern und Zeitarbeitern, das 220 Lizenzen benötigt, zahlt nach dem alten Modell rund 20.500 Euro im Jahr, nach dem neuen 375.000 Euro. „Ein fiktives, aber nicht weltfremdes Beispiel“, sagt Paege, der im Hauptberuf Lizenzberater bei Opitz Consulting ist. 

Oracle verweist darauf, dass das Abomodell nicht für bestehende Kunden gelte. Viele Unternehmen haben allerdings Verträge mit nur ein oder zwei Jahren Laufzeit. Früher oder später, so lautet die Einschätzung unter IT-Managern, seien alle Kunden gezwungen, die neue Lizenz zu verwenden oder zu einem alternativen Anbieter zu wechseln.

Druckmittel für Verhandlungen

Rechtsanwalt Fleuter sieht zudem eine große rechtliche Unsicherheit durch die weitgefasste Zählung der Mitarbeiter. „Das Ergebnis ist eine bemerkenswerte Unschärfe und Intransparenz der Preisbemessung – das eröffnet Oracle Räume für Willkür und letztlich Verhandlungsmacht.“

Kunden können sich um Rabatte bemühen. Wer langfristige Verträge abschließe oder zusätzliche Produkte kaufe, dürfe auf Kulanz hoffen, ist in Branchenkreisen zu hören. Mehr zahlen müssen sie aber in jedem Fall. „Die Einschüchterungstaktik hat am Markt verfangen“, urteilt der IT-Manager eines Industriekonzerns, der selbst betroffen ist.

Die Gebühren für Java werden von vielen Kunden kritisiert.

Foto: Reuters

Immerhin haben Unternehmen Alternativen. Als Oracle Java im Jahr 2009 beim Kauf von Sun Microsystems übernahm, versprach das Management, das Open-Source-Modell beizubehalten. Daher können andere Softwarehersteller günstigere oder teils sogar kostenlose Versionen anbieten.

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In vielen Unternehmen haben Projekte für die Umstellung begonnen – nach Einschätzung von Gartner dürfte der Anteil solcher Alternativen bis 2026 von 65 auf 80 Prozent steigen. Die Migration ist allerdings aufwendig und langwierig, weil die Software in großen Organisationen auf Tausenden PCs und Servern zum Einsatz kommt.

Für manchen IT-Chef heißt das: Er muss bis auf Weiteres einen Posten für die erhöhte Gebühr in Kauf nehmen.

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