Grover: Mietelektronik-Firma verliert bei Finanzierungsrunde Einhornstatus
Berlin. Dem Mietelektronik-Start-up Grover ist es nach schwierigen Zeiten mit dem Rückzug aus den USA und zahlreichen Entlassungen gelungen, frisches Kapital einzuwerben: 50 Millionen Euro stellen Investoren bereit, darunter ist erstmals auch der Staatsfonds Cool Japan Fund (CJF), wie das Berliner Unternehmen am Donnerstag mitteilte.
„Wir sind das erste Investment von Cool Japan Fund in Europa“, sagte Interimschefin Linda Rubin dem Handelsblatt. Rubin führt seit dem überraschenden Rückzug von Firmengründer Michael Cassau im November die Geschäfte bei Grover. Auch Bestandsinvestoren beteiligten sich an der Zwischenfinanzierung.
Nach monatelangen Verhandlungen sei diese Zwischenfinanzierung mit einem Abschlag bei der Firmenbewertung, die zuletzt bei einer Milliarde Dollar lag, vollzogen worden, sagte Rubin. Damit verliert Grover nach rund zwei Jahren wieder seinen Status als Einhorn. So werden Start-ups bezeichnet, die von den Investoren mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden. „Das ist so für alle Beteiligten auch in Ordnung", versicherte Rubin.
Seit der Gründung 2015 hat Grover mehr als 260 Millionen Euro Eigenkapital bei Investoren eingenommen.
Mit einer solchen Abwertung ist Grover nicht allein: Lieferdienste wie Flink und Jokr haben den während der Coronakrise erlangten Einhornstatus auch bereits wieder eingebüßt.
Mit der Milliardenbewertung gehen hohe Erwartungen an das Wachstum und einen möglichen Exit mittels Verkauf oder Börsengang einher, der Investoren eine hohe Rendite bescheren soll.
Höhere Zinsen belasten das Geschäft
Grover vermietet Unterhaltungselektronik wie Smartphones, Laptops oder Digitalkameras im Abonnement und hat eine Plattform für Unternehmen entwickelt, damit diese ihre eigenen Tech-Produkte verwalten können. Grover bezeichnet sich selbst als „Pionier der Kreislaufwirtschaft", weil es durch die Vermietung und Aufbereitung der Technologieprodukte dazu beiträgt, dass Geräte häufiger und länger genutzt werden. Als Konkurrenten gelten Back Market aus Frankreich, Refurbed aus Österreich und Swappie aus Finnland.
Zuletzt machte dem Unternehmen die Wirtschaftsschwäche zu schaffen sowie die dauerhaft höheren Zinsen, die die Finanzierung der Produkte verteuerten. „Durch die langen Mietzeiten dauert es bei Grover länger, bis wir die Effekte abfedern können", erklärte Rubin die Herausforderungen.
Diese schlagen auch auf das Wachstum durch. „Wir haben uns in der Vergangenheit jedes Jahr verdoppelt. Das ist nicht mehr der Fall“, sagt die frühere Investmentmanagerin Rubin, die seit 2021 für Grover arbeitet. Zuvor war sie unter anderem bei Rothschild und JP Morgan Chase & Co. in London tätig. Konkrete Zahlen will sie nicht nennen. Letztmals hatte Grover im Oktober 2022 Einblick in das Wachstum gegeben. Damals lagen die von dem Berliner Start-up kommunizierten und auf das Jahr hochgerechneten wiederkehrenden Erlöse (Gross Annual Recurring Revenue) bei 221 Millionen Euro.
Wegen des schwächeren Wachstums, der schwierigeren Finanzierungsbedingungen, der Inflation und der allgemeinen Wirtschaftsflaute musste Grover in den vergangenen beiden Jahren Kosten senken. Das Produktportfolio wurde zudem verkleinert und die Bezahlkarte („Grover Card“) in Zusammenarbeit mit der Solarisbank wurde wieder eingestellt.
Zugleich entließ Grover zahlreiche Angestellte. Die Zahl der Mitarbeitenden ist von 460 auf derzeit rund 300 gesunken. Diese kostensenkenden Maßnahmen machen sich nun bezahlt. „Wir haben die operative Gewinnschwelle erreicht und sind Ebit-positiv“, sagte Rubin mit Blick auf das Betriebsergebnis (Ebit).
Rückzug aus den USA
Zum Erreichen der Gewinnschwelle dürfte letztlich auch der Rückzug aus den USA beigetragen haben. Seit Januar 2024 bietet die Firma dort keine Abos mehr an. Damit endete der Ausflug in die größte Volkswirtschaft bereits nach weniger als drei Jahren wieder. Aktuell ist Grover nur noch in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Spanien aktiv.
Rubin macht inzwischen wieder neue Pläne: „Nächstes Jahr wollen wir die internationale Expansion wieder angehen.“
Auch Japan soll dank der jüngsten Beteiligung von Cool Japan eine größere Rolle spielen: „Japan ist ein spannender Markt für uns. Direktlieferungen spielen eine wichtige Rolle, und da würden wir gern noch enger mit japanischen Konzernen wie Sony, Nintendo und anderen zusammenarbeiten.“
Erst einmal kein Börsengang
Lange zählte Grover aufgrund seines starken Wachstums zu den Börsenkandidaten in Deutschland. Dieses Ziel hatte auch Cassau immer wieder kommuniziert. Rubin stellt nun klar, dass erst einmal andere Dinge anstehen: „Für ein wagniskapitalfinanziertes Start-up ist ein Börsengang immer ein möglicher Exit. Aber aktuell steht ein IPO (Initial Public Offering) nicht auf meinem Zettel.“