Halbleiter-Industrie: Nächster Milliarden-Deal: Der Ausverkauf der europäischen Chipindustrie geht weiter
Die weltgrößten Chiphersteller sitzen vor allem in Asien, wie diese Fabrik von TSMC in Taiwan. Europäische Hersteller sind derzeit vor allem Ziel von Übernahmen.
Foto: TSCMMünchen, Berlin, Düsseldorf, Brüssel, London. Peter Altmaier hat große Pläne für die europäische Chipindustrie. Investitionen von rund 50 Milliarden Euro will der Bundeswirtschaftsminister in der Branche mobilisieren. Deutschland und andere EU-Staaten sollen die Offensive mit hohen Summen anschieben. Das Ziel: Europas Souveränität in Zukunftsbranchen zu stärken.
Doch die aktuellen Entwicklungen in der Halbleiterbranche laufen Altmaiers industriepolitischen Plänen zuwider. Wie am Montag bekannt wurde, übernimmt der japanische Chiphersteller Renesas den deutsch-britischen Apple-Zulieferer Dialog Semiconductor für fast 4,9 Milliarden Euro. Das Unternehmen ist vor allem als Entwickler von Chips für den iPhone-Hersteller Apple bekannt geworden.
Es ist bereits die dritte Übernahme binnen weniger Monate, bei der ein europäisches Halbleiter-Unternehmen zum Ziel von Konkurrenten aus Asien oder den USA wird. Globalwafers aus Taiwan will den Silizium-Wafer-Spezialisten Siltronic aus München für 4,3 Milliarden Euro übernehmen. Der US-Konzern Nvidia bietet 40 Milliarden Dollar für den britischen Chipdesigner Arm.
„Die Kluft zwischen dem politischen Narrativ und der Realität in der Industrie könnte nicht größer sein“, sagt der Halbleiter-Experte der Stiftung Neue Verantwortung, Jan-Peter Kleinhans. Mit Dialog Semiconductor werde der größte Chipdesigner Europas verkauft. Know-how könne verloren gehen. Kleinhans warnt: „Aus politisch-strategischer Sicht ist das ein Desaster.“