Halbleiter: USA wollen für Chip-Hilfen angeblich Anteile an weiteren Konzernen
Washington, San Francisco. Die US-Regierung will Insidern zufolge bereits genehmigte Staatshilfen für Technologiefirmen nachträglich an Bedingungen knüpfen. US-Handelsminister Howard Lutnick prüfe, ob die Regierung als Gegenleistung für Mittel aus dem sogenannten Chips Act Aktienpakete von den Unternehmen erhalten kann, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen am Dienstag (Ortszeit) der Nachrichtenagentur Reuters.
Ausgangspunkt für diese Überlegungen ist die Diskussion um eine Teilverstaatlichung von Intel. Der kriselnde Chiphersteller aus dem Silicon Valley erhält ebenfalls Subventionen für den Bau neuer Werke in den USA. Die Regierung wolle Rendite für ihre „Investition“, sagte Lutnick dem TV-Sender CNBC. „Wir werden eine Beteiligung erhalten, anstatt nur Zuschüsse zu vergeben.“
Trump gefällt die „kreative Idee“
Den Insidern zufolge ist der Handelsminister die treibende Kraft hinter den Plänen für weitere Staatsbeteiligungen. Finanzminister Scott Bessent bezeichnete die diskutierte Übernahme von zehn Prozent der Intel-Anteile als Möglichkeit, den Halbleiterkonzern zu stabilisieren.
Im Rahmen des Chips Act haben die USA 52,7 Milliarden Dollar an Hilfen bereitgestellt, um die Ansiedlung von Halbleiter-Fabriken zu fördern. US-Präsident Donald Trump hat das Gesetz, das unter seinem Vorgänger Joe Biden verabschiedet wurde, stets kritisiert und eine Nachverhandlung der „überzogen großzügigen“ Subventionen gefordert. Große Teile der Fördermittel wurden bereits bewilligt, aber noch nicht ausgezahlt.
Trump gefalle die von Lutnick propagierte Idee von Staatsbeteiligungen als Gegenleistung für Zuschüsse, sagte Karoline Leavitt, die Sprecherin des Weißen Hauses. „Das ist eine kreative Idee, die noch nie zuvor umgesetzt wurde.“ Es wäre ein weiterer ungewöhnlicher Schritt der US-Wirtschaftspolitik.
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Micron und Samsung waren für eine Stellungnahme zu den US-Plänen nicht zu erreichen. Intel und TSMC wollten sich hierzu nicht äußern.
Halbleiter-Aktien rutschen ab
Angesprochen auf Lutnicks Gedankenspiele und deren Auswirkungen auf TSMC sagte der taiwanische Wirtschaftsminister Kuo Jyh-huei am Mittwoch, sein Haus werde das Thema mit dem Nationalen Entwicklungsrat diskutieren. Dieser ist Anteilseigner beim weltgrößten Chip-Auftragsfertiger. Das Unternehmen hat für Taiwan eine übergeordnete Bedeutung.
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Die Regierung sieht die technologisch führende Chipproduktion von TSMC als Sicherheit gegen einen Übergriff Chinas. Die Volksrepublik betrachtet das demokratisch regierte Taiwan als ihr eigenes Territorium.
An den internationalen Börsen sorgte die mögliche Teilverstaatlichung von Technologiefirmen für Verunsicherung. Der US-Index Nasdaq verlor am Dienstag 1,5 Prozent. In Asien rutschte die Börse in Taipeh am Mittwoch um drei Prozent ab. Die in Frankfurt notierten Aktien von Intel, Micron, Samsung und TSMC verloren bis zu zwei Prozent.