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HalbleiterbrancheElektroautos geben der Chipbranche einen Schub

Viele Autozulieferer leiden unter dem Ende der Verbrenner. Halbleiterfirmen profitieren enorm von dieser Entwicklung. Es gibt jedoch auch einen kleinen Nachteil.Joachim Hofer 23.11.2020 - 12:00 Uhr Artikel anhören

Ab 2030 sollen in Großbritannien keine Verbrenner mehr verkauft werden. Die Chipindustrie profitiert davon, dass die Elektroautos in immer mehr Ländern gefördert werden.

Foto: dpa

München. Darauf hat Reinhard Ploss jahrelang gewartet: Die Stimmung unter den Konsumenten sei umgeschlagen, meinte der Chef von Infineon jüngst. Endlich würden Elektroautos nicht mehr als unbequeme Exoten gelten, sondern seien akzeptiert.

Vielleicht sind es aber auch nur die üppigen staatlichen Zuschüsse, die jetzt für den Durchbruch der Stromfahrzeuge sorgen. Für Deutschlands größten Chiphersteller spielt das keine Rolle. Hauptsache, die Elektroautos verkaufen sich. Denn sie sind ein Segen – nicht nur für Infineon, sondern für die gesamte Halbleiterbranche.

Die Umsätze der Hersteller steigen, weil für Elektrofahrzeuge, aber auch für Assistenzsysteme bis hin zum autonomen Fahren, immer mehr elektronische Bauteile benötigt werden. „Gerade in der Krise im Automobilsektor kommt Infineon zugute, dass die Zahl der produzierten Fahrzeuge für uns nicht der allein ausschlaggebende Faktor ist“, sagte Ploss jüngst. „Wir profitieren davon, dass der Halbleiterbedarf pro Fahrzeug stetig steigt.“ Infineon erwirtschaftet mehr als 40 Prozent seiner Umsätze mit der Autobranche.

Infineon liefert unter anderem Chips für Volkswagen und dessen Hoffnungsträger ID.3 und ID.4. Mit der ID-Modellfamilie will VW die Konsumenten zum Umstieg auf Elektroautos bewegen und gleichzeitig dem Strom-Pionier Tesla Paroli bieten.

Der Branchenverband ZVEI erwartet, dass der Chipverbrauch pro Auto von derzeit 560 Dollar auf 710 Dollar in vier Jahren steigt. Das liegt nicht zuletzt am Elektroantrieb. Damit stehen Infineon und Konkurrenten wie NXP oder ST Microelectronics in einem auffälligen Gegensatz zu zahlreichen anderen Automobilzulieferern, für die der Niedergang des Verbrennungsmotors vor allem eine Bedrohung darstellt.

Infineon ist der größte Gewinner

So kalkuliert ZVEI mit einem jährlichen Umsatzplus mit Kfz-Halbleitern von 5,3 Prozent bis 2024. Der globale Umsatz der Branche in diesem Segment wachse demnach von 50 Milliarden Dollar im Jahr 2019 auf 65 Milliarden Dollar im Jahr 2024.

Infineon ist der größte Gewinner dieses Aufschwungs. Denn inzwischen verkauft niemand so viele Autochips wie die ehemalige Siemens-Tochter. Dieses Frühjahr hat Infineon den kalifornischen Wettbewerber Cypress für neun Milliarden Euro übernommen und dadurch den bisherigen Marktführer NXP überholt.

Die Elektroautos dürften über Jahre hinweg ein gutes Geschäft werden für die Chip-Produzenten. In Deutschland können Autokäufer einen Zuschuss von bis zu 9000 Euro für ein E-Auto bekommen. Diese erhöhte Prämie war zunächst bis Ende 2021 vorgesehen, soll jetzt aber bis Ende 2025 laufen. Dazu gibt der Bund bis zu eine Milliarde Euro zusätzlich.

In Großbritannien soll von 2030 an der Verkauf von neuen Dieselfahrzeugen und Benzinern verboten sein. Hybrid-Modelle dürfen noch fünf Jahre länger verkauft werden. Damit will Premierminister Boris Johnson auch die britische Elektroautoindustrie ankurbeln – und damit die Kunden der Chiphersteller. 1,3 Milliarden Pfund sollen in die Ladeinfrastruktur in dem Land fließen und knapp 600 Millionen in Kaufanreize für umweltfreundliche Fahrzeuge.

Analysten erwarten ein gutes Geschäft

Kein Wunder, dass Analysten Infineon wohlwollend betrachten – trotz Corona. Das Umfeld verbessere sich auf breiter Front erheblich und die Automobil- und Industriemärkte würden sich stärker als erwartet beleben, urteilte jüngst Analyst Sébastien Szwabowicz von Kepler Cheuvreux. Zudem würden am Markt keine überschüssigen Vorräte auf Lager gehalten. Der Halbeiterhersteller sollte sich daher im laufenden, ersten Quartal des neuen Geschäftsjahrs weiter rapide erholen.

Infineon sollte weiter vom Elektrifizierungstrend in der Autoindustrie profitieren, erläuterte Analyst Achal Sultania von der Schweizer Bank Credit Suisse. Seit dem Jahrestiefstand im März hat sich der Aktienkurs des im Dax notierten Konzerns aus München mehr als verdoppelt.

Als einzige Sparte des Konzerns werde die Autodivision im laufenden Quartal im Vergleich zum Vorquartal deutlich zulegen, kündigte Infineon jüngst an. Und auch im gesamten Geschäftsjahr werde das Autogeschäft der Wachstumstreiber schlechthin für Infineon. Obgleich der Bereich nur 42 Prozent vom Umsatz erwirtschaftet, soll er mehr als die Hälfte vom Zuwachs beisteuern.

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Die Schattenseite dieses dynamischen Aufschwungs: Infineon muss kräftig ins Autogeschäft investieren. Daher ist die Sparte wesentlich weniger profitabel als alle anderen Geschäfte.

Doch will Ploss nicht nur auf Elektroautos wetten: „Der eigentliche Treiber, der hinter dem Wachstum ganz unterschiedlicher Märkte und Produkte steckt, ist die digitale Transformation.“

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