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Infineon-Konkurrent Luxusprobleme in der Chipindustrie: NXP kommt mit den Lieferungen nicht hinterher

Der Aufschwung hat den neuen NXP-Vorstandschef Kurt Sievers überrascht: Der Halbleiterproduzent muss seine Kunden bei den Lieferungen vertrösten.
10.12.2020 - 17:07 Uhr Kommentieren
Lange Vorlaufzeiten: Einen Chip zu produzieren dauert mindestens drei Monate. Das bremst derzeit das Geschäft von NXP. Quelle: Bloomberg
Chips von NXP

Lange Vorlaufzeiten: Einen Chip zu produzieren dauert mindestens drei Monate. Das bremst derzeit das Geschäft von NXP.

(Foto: Bloomberg)

München Es sind Probleme, die viele andere Vorstandschefs in diesen Tagen wohl gerne hätten: Kurt Sievers muss seine Kunden vertrösten. Der neue Chef des Chipkonzerns NXP kann die Aufträge momentan gar nicht so zügig abarbeiten, wie das die Käufer gerne hätten. „Das Geschäft ist wesentlich schneller zurückgekommen, als wir geglaubt haben“, sagte der Manager dem Handelsblatt.

Vom Auftragseingang bis zur Auslieferung vergehen in der Halbleiterindustrie mindestens drei Monate. Die Produktion der kleinen elektronischen Bauteile ist hochkomplex. „Manche Kunden haben zu spät bestellt. Daher kommen wir jetzt in einigen Bereichen mit der Lieferung nicht hinterher“, so Sievers.

So wie viele andere Chipkonzerne hat sich auch die ehemalige Philips-Tochter NXP überraschend schnell von dem tiefen Einbruch des Geschäfts im Frühjahr erholt. „Wir liegen momentan über Vorjahr und gehen mit einem robusten Wachstum ins nächste Jahr“, sagte Sievers.

Der gebürtige Augsburger rückte erst im Mai an die Spitze des niederländischen Unternehmens vor. NXP ist einer der wichtigsten Wettbewerber von Infineon, des größten deutschen Halbleiterproduzenten. Jahrelang stand NXP ganz vorn in der Rangliste der weltweit führenden Autochiphersteller. Im Frühjahr aber übernahm Infineon den US-Rivalen Cypress für gut neun Milliarden Euro und schob sich damit an NXP vorbei.

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    Beide Chiphersteller profitieren davon, dass der Autoverkauf weltweit zuletzt wieder anzog. Zudem hilft ihnen der Umstieg auf Elektroautos, denn die benötigen wesentlich mehr Chips.

    Dazu kommt: „Corona hat einen gewaltigen Boom beim kontaktlosen Bezahlen ausgelöst. Das ist für uns strategisch ungeheuer hilfreich“, erläuterte Sievers. Der Manager rechnet damit, dass der Trend über Jahre anhält und für steigende Umsätze sorgt. NXP liefert unter anderem die Chips, mit denen eine sichere Verbindung zwischen mobilen Geräten und Terminals hergestellt wird.

    Inzwischen läuft es überall auf der Welt rund, wie Sievers versichert: „Es ist nicht nur China, das unser Geschäft treibt. Auch in allen anderen Regionen geht es aufwärts.“ Die Volksrepublik hatte sich vor allen anderen Märkten von der Pandemie schon im Sommer erholt.

    Grafik

    Zwischen Juli und Ende September lag der Umsatz von NXP mit rund 2,3 Milliarden Dollar ein Viertel höher als noch im zweiten Quartal. Der Betriebsgewinn kletterte gegenüber dem Vorquartal sogar um mehr als die Hälfte.

    Die Zahlen könnten sogar noch besser aussehen, würde Sievers nicht mit den Lieferschwierigkeiten kämpfen. Einer der Gründe: NXP bezieht seine Chips teilweise vom Auftragsfertiger TSMC. Bei den Taiwanern habe der Konzern zu wenig Kapazität reserviert, heißt es von Insidern. TSMC betreibt die fortschrittlichsten Halbleiterfabriken der Welt. Kunden von Apple über NXP bis Qualcomm nutzen die Werke.

    Der Aktienkurs hat sich verdoppelt

    Als die Corona-Pandemie im Frühjahr die gesamte westliche Welt erfasste, da kürzte NXP seine Produktionspläne. In Branchenkreisen heißt es, die Niederländer hätten deutlich stärker durchgegriffen als etwa Infineon.

    Gleichwohl sind die Investoren sehr zufrieden mit dem neuen CEO und seiner Arbeit. Seit dem Jahrestiefstand im März hat sich der Kurs der an der Nasdaq notierten Aktien mehr als verdoppelt – auf derzeit etwa 166 Dollar. NXP ist damit rund 38 Milliarden Euro wert an der Börse, ungefähr so viel wie die ehemalige Konzernmutter Philips. Allerdings erzielt Philips mehr als doppelt so viel Umsatz.

    Nicht nur NXP geht es trotz der Coronakrise gut. Die Chipindustrie insgesamt wächst in diesem Jahr gegen den gesamtwirtschaftlichen Trend: Um gut vier Prozent auf 428 Milliarden Dollar werde der Umsatz steigen, schätzt der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). „Der globale Halbleitermarkt hat sich von der weltweiten Konjunktur abgekoppelt“, sagt ZVEI-Experte Stephan zur Verth. Die Weltwirtschaft wird dem Zusammenschluss der Elektroindustrie zufolge um mehr als vier Prozent schrumpfen.

    Behält der ZVEI recht, wird sich der Aufwärtstrend in der Chipbranche nächstes Jahr fortsetzen. Weltweit rechnen die Marktbeobachter mit einem Umsatzplus von acht bis zehn Prozent.

    NXP ist unterdessen bei Weitem nicht der einzige Elektronikhersteller, der mit den Lieferungen nicht hinterherkommt. Es fehlen auch viele andere Komponenten. So kommt es, dass Sony seine neue Playstation 5 nicht in ausreichender Zahl fürs Weihnachtsgeschäft ausliefern konnte und auch die Spielekonsole XBox von Microsoft momentan bei den großen Ketten nicht zu haben ist. Auch Apple brachte sein neues iPhone diesen Herbst später als sonst üblich in die Läden. Zudem berichten die Computerhersteller davon, dass Bauteile knapp sind.

    Sievers verspricht den Anteilseignern fürs vierte Quartal ein Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr zwischen drei und zehn Prozent. Der Manager rechnet aber auch für die nächsten Jahre mit Wachstum. Das soll einerseits aus dem Autogeschäft kommen. Gerade erst hat Sievers eine neue Radarlösung vorgestellt, die rund ums Fahrzeug sehr präzise Objekte erkennt und für den Massenmarkt bestimmt ist.

    Wachstum in der „Edge“

    Vielversprechend sei auch, dass immer mehr Rechenleistung in elektronischen Geräten selbst gefragt sei. Fachleuchte sprechen von der „Edge“. Dabei werden Chips in unzählige Geräte eingebaut – in smarte Lautsprecher zum Beispiel, moderne Thermostate, in Roboter und natürlich auch in Autos. So finden Echtzeitanalysen vor Ort statt. Das sei der große Trend der nächsten Jahre, denn das verringere den Datenverkehr, verbrauche weniger Energie und sei sicherer.

    Womöglich wird sich NXP künftig leichter tun, einem Auftragsboom wie in diesen Tagen Herr zu werden. Denn es könnte sein, dass in den nächsten Jahren eine große moderne Fabrik in Europa entsteht. So haben sich gerade 17 EU-Länder zusammengeschlossen, um den Rückstand in der Chipbranche zu Asien und den USA mit gemeinsamen Unternehmensprojekten zu verringern.

    Sievers stimmt das zuversichtlich: „Wir könnten nicht wettbewerbsrelevante Aufgaben gemeinsam angehen.“ Bestimmte Dinge könnten damit beschleunigt werden – zum Beispiel neue, wegweisende Produktionsverfahren.

    Mehr: Milliarden für die Chipindustrie: Europa versucht, eine der wichtigsten Hightech-Industrien zu retten

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